Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.03.2012

11:19 Uhr

Börsenweisheit

Den richtigen Zeitpunkt erwischt nur einer, der Lügner

VonJessica Schwarzer

Es gibt Anleger, die glauben, schlauer zu sein als der Markt. Sie sind überzeugt: „Timing ist alles“. Doch Selbstüberschätzung hat an der Börse noch nie weitergeholfen. Experten erklären, was besser funktioniert.

Dax-Kurve: Wann ist der perfekte Zeitpunkt zum Einstieg oder Ausstieg? dpa

Dax-Kurve: Wann ist der perfekte Zeitpunkt zum Einstieg oder Ausstieg?

DüsseldorfManche Anleger strotzen vor Selbstbewusstsein und sind fest davon überzeugt, schlauer zu sein als der Markt. Sie trauen sich zu, immer oder doch zumindest meistens den „richtigen“ Anlagezeitpunkt zu erwischen. „Timing ist alles“, lautet ihr Credo. Übersetzt: zu Tiefstkursen, also billig kaufen und zu Höchstständen teuer verkaufen. „Vor allem in Zeiten wie diesen mit starken Schwankungen lassen sich Anleger zu hektischem Handeln verleiten“, sagt Andreas Feiden, Geschäftsführer Fidelity Worldwide Investment. „Die Gier nach schnellen Gewinnen ist meist größer als die Angst vor Verlusten. Oft scheitern Investoren bei dem Versuch, schlauer zu sein als der Markt.“

Denn Schwankungen an den Börsen sind nun mal nicht vorhersehbar. Weder der Zeitpunkt, wann die Märkte drehen, noch Ausmaß und Dauer von Bären- und Bullenmärkten sind im Voraus exakt zu bestimmen – nicht von professionellen Investoren und noch weniger von Privatanlegern. Das „beste Timing“ ist für Jean Guido Servais deshalb eher Glückssache. „Den optimalen Ein- und Ausstieg halte ich für eine Kombination aus Können und Zufall“, sagt der Marketing-Direktor von JP Morgan Asset Management. „Die Kernfrage ist, ob es Anlegern dauerhaft gelingt, richtig zu liegen.“

Also können Anleger den optimalen Zeitpunkt für Käufe oder Verkäufe gar nicht finden? Für Martin Weber ist die Antwort klar: „Dazu braucht man die allseits bekannte Kristallkugel“, sagt der Wirtschaftsprofessor von der Universität Mannheim. Die würde wahrscheinlich der ein oder andere Anleger in diesen Tagen gerne befragen. Nicht wenige rätseln derzeit, ob und vor allem wann es zu einer Korrektur am deutschen Aktienmarkt kommt. Immerhin hat der Dax seit Jahresbeginn bereits rund 20 Prozent zugelegt. Nur wann ist der (vorläufige) Höchststand erreicht? „Timing ist nur ein anderes Wort für Spekulieren“, ist Weber überzeugt.

Selbst wenn es gelingen würde, über viele Jahre hinweg den richtigen Einstiegszeitpunkt zu treffen, wäre die Rendite gar nicht so viel besser. Fidelity hat drei unterschiedliche Anlegertypen miteinander verglichen. Jeder von ihnen hat zwischen 1979 und 2011 jährlich 100 Euro in den deutschen Aktienmarkt investiert. Das überraschende Ergebnis: Der Anleger, der seine Investments immer zum Jahresbeginn tätigte, erzielte eine Rendite von 4,97 Prozent pro Jahr. Der Marktkenner, der stets den Tiefststand am Markt vorhersah, kann sich über eine jährliche Rendite von 5,39 Prozent freuen. Mit etwas Abstand folgt der Anleger mit dem unglücklichen Händchen, der über mehr als 30 Jahre immer zum Jahreshöchstkurs kaufte, mit einer jährlichen Wertentwicklung von 4,54 Prozent. 

Kommentare (9)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

21.03.2012, 12:21 Uhr

Kaffeesatzleserei !! Alles Geschwätz von diesen "Experten".
Eines haben diese Typen mit Sicherheit: Keine Ahnung!!!
Jeder kann sich als Experte bezeichnen, dazu braucht man keine Ausbildung und auch keine Marktkenntnisse! Der Beweis: Heute so, morgen so !! Hauptsache was gesagt!

fondsberater

21.03.2012, 12:57 Uhr

für day trader gibt es kein timing - bestenfalls eine Tendenz; und dann gibt es eine ganzen Werkzeugkasten - long und short entries sind die wichtigsten. Wer´s 3 Jahre gemacht hat ist Profi. Der Artikel mutet seltsam altmodisch an

Flips

21.03.2012, 13:39 Uhr

Max Otte ist nicht Professor in Köln. Liebe Redaktion, bitte korrigieren.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×