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15.10.2012

14:10 Uhr

Börsenweisheit

„Der Einstiegszeitpunkt ist nicht entscheidend“

VonJessica Schwarzer

Wenn Aktien oder ganze Märkte abstürzen, geht das an die Nerven der Anleger. Doch oft folgt auf den Einbruch die Erholung. Warum die Börse ein Paternoster ist, manche Aktien aber auf ewig Kellerkinder bleiben.

Händler in Frankfurt. dpa

Händler in Frankfurt.

DüsseldorfDie Aktionäre der Deutschen Telekom sind Kummer gewöhnt. Vor allem wer bereits seit dem Börsengang dabei ist, sitzt auf hohen Verlusten. Zu 14,57 Euro wurden die Aktien am 18. November 1996 erstmals zugeteilt, wer beim zweiten oder dritten Börsengang dabei war, zahlte sogar 39,50 beziehungsweise 66,50 Euro pro Aktie. Was erst wie eine lukrative Investition aussah –die T-Aktie kletterte schließlich am 6. März 2000 bis auf 104,90 Euro – entpuppte sich ziemlich schnell als großes Verlustgeschäft. Denn wer die Aktien auch heute noch im Depot hat, konnte sich zwar Jahr für Jahr über eine üppige Dividende freuen, von den Kursgewinnen ist aber nichts mehr übrig. Im Gegenteil:  Seit Jahren dümpelt die Aktie nun schon unter zehn Euro rum.

Ist die Aktie im Keller angekommen? Denn dann könnte Hoffnung für die leidgeprüften Aktionäre bestehen. Zumindest wenn man einer alten Börsenweisheit glaubt. Die lautet: „Die Börse ist wie ein Paternoster. Es ist ungefährlich durch den Keller zu fahren, man muss nur die Nerven behalten.“

Eine Regel, die nicht unumstritten ist. Max Otte allerdings ist überzeugt, dass es diese Börsenweisheit auf den Punkt trifft. „Es lässt sich zwar bei vielen Wertpapieren feststellen, ob sie gemessen an den Fundamentaldaten billig oder teuer sind, aber das sagt nichts über die Kursbewegungen der nächsten Zeit aus“, sagt der Buchautor und Fondsmanager. Billige Unternehmen könnten nach dem Kauf zunächst weiterfallen. „Insofern ist es absolut essentiell, die Nerven zu behalten und durch Tiefs durchzutauchen. Wenn Sie das Bild vom Paternoster vor Augen haben, kann das wirklich an die Nerven gehen.“

Otte gibt allerdings auch zu bedenken, dass die Weisheit nicht für jede Aktie gleichermaßen gilt. „Es gibt auch grotesk überteuerte Werte oder Werte in schnelllebigen Branchen – beides traf für die Telekomwerte um 2000 zu“, sagt er. „Hier kann man nicht einfach in ein oder zwei Jahren durch den Keller fahren – oft dauern die Korrekturen ein Jahrzehnt oder länger, oder die Geschäftsgrundlage erodiert völlig.“

Von ihrem Kurssturz haben sich viele Telekomwerte bis heute nicht erholt, wie eben auch die Deutsche Telekom. Bei den wenigsten wäre es ein guter Rat gewesen, der Börsenweisheit vom Paternoster zu folgen. „Ich würde also das Zitat gerne einschränken“, sagt Otte. „Es gilt bei sicheren Unternehmen in berechenbaren Branchen, die nicht völlig überteuert eingekauft wurden.“

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

15.10.2012, 14:37 Uhr

„Der Einstiegszeitpunkt ist nicht entscheidend“

Wie wahr ..., allerdings nur bei Produkten die eine Zukunft haben. Deshalb stehen fundamentale Daten, bei Langfristanleger, über die Chartanalyse.

Chartanalysten sehen in Telekomwerten Einstiegsmöglichkeiten. Fundamentalisten fehlt Zukunftsphantasie. Zweistellige Wachstumschanchen sind selbst in Wachstumsmärkten nicht sicher.

PubliusAeliusHadrianusGraeculus

15.10.2012, 15:17 Uhr

Langfristig sind wir alle mausetot. Und gerade im Bereich der Telekommunikation werden die Dinosaurier langfristig nicht überleben.

Account gelöscht!

15.10.2012, 19:54 Uhr

Chapeau; sehr guter Beitrag. Obwohl der Eistiegskurs für mittel- bis langfristig Anleger nicht entscheidend ist, erwischt es viele dennoch den "richtigen" Einstiegskurs zu suchen.Nachdem sie die Quartile, die Bilanz und die Konkurrenz und den Index überprüft haben, werden sie durch unterschiedliche Kommentare so langsam, dass sie den Einstiegskurs ganz "verpassen".

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