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05.12.2012

16:07 Uhr

Börsenweisheit

„Der Teufel hat die Börse erfunden!“

VonJessica Schwarzer

Schon André Kostolany wusste, dass Aktien mitunter Teufelszeug sein können. Verfluchen wollte er den Handelsplatz für Firmenbeteiligungen aber nicht, im Gegenteil. Über teuflische Verluste und himmlische Gewinne.

Eine Teufelsmaske: Hat der Teufel die Börse erfunden? dapd

Eine Teufelsmaske: Hat der Teufel die Börse erfunden?

Düsseldorf„Börse? Da kann ich genauso gut ins Casino gehen“, „Pures Glücksspiel!“ oder „Aktien sind Teufelszeug“ – Vorurteile und Stammtischparolen wie diese gibt es viele, wenn es um das Thema Börse geht. Ob aufgrund von Unwissen oder schlechten Erfahrungen, die Börse hat hierzulande keinen allzu guten Ruf. Die Deutschen meiden Aktien. Das hat schon fast Tradition, wird aber mit jedem Börsenabsturz schlimmer. Während die Deutschen in Zeiten des Internetbooms um die Jahrtausendwende fast schon eine Art Aktienkultur entwickelt hatten, ging die Zahl der Aktionäre seither zurück. Nur noch knapp 3,9 Millionen Anteilseigner zählte das Deutsche Aktieninstitut (DAI) Ende vergangenen Jahres. Mit der Börse wollen die Bundesbürger nicht allzu viel zu tun haben.

Haben sie damit etwa Recht. Schließlich sagte schon André Kostolany einst: „Der Teufel hat die Börse erfunden.“ Allerdings fügte der Börsenaltmeister hinzu: „…um die Menschen dafür zu bestrafen, dass sie glauben, wie Gott aus dem Nichts etwas schöpfen zu können.“ Glaubt man ihm, wird sich also ziemlich sicher die Finger verbrennen, wer auf den schnellen Gewinn aus ist. Doch wie sieht es mit langfristigen Investments aus? Trifft die Börsenweisheit auch dann zu?

Kostolanys Börsensprüche

Vom Flunkern

An der Börse ist eine halbe Wahrheit eine ganze Lüge.

Über Banker

Der Banker müsste weise sein wie Salomon, klug wie Aristoteles, stark wie Samson und alt wie Methusalem.

Die Reichen

Über einen reichen Dummkopf wird man immer wie über einen Reichen sprechen, über einen Armen jedoch wie über einen Dummkopf.

Über Aktienkurse

Können die Kurse nicht weiter steigen, müssen sie fallen.

Geschichtsschreibung

In alten Zeiten sagte man, ein Mann verliere seinen Verstand mit seinen letzten 10000 Gulden. Ich behaupte, der deutsche Sparer verliert seinen Verstand mit den ersten 10000 Euro.

Das Geld

Viele brauchen das Geld nicht, um es zu besitzen, sondern um es zu zeigen.

Über Kaufmänner

Ein komisches Wort in der deutschen Sprache: Diplomkaufmann. Bei mir ist das Diplom eines Kaufmanns seine Bilanz.

Börsentrends

Man darf einer Tendenz nicht hinterher laufen, man muss ihr entgegen gehen.

Die Freuden des Investors

Bargeld in der Tasche und gleichzeitig die Absicht zu haben, bei niedrigen Kursen in die Börse einzusteigen, ist dasselbe Vergnügen, wie hungrig zu sein und sich auf dem Weg in ein Restaurant zu befinden.

Den richtigen Einsatz

Nicht Kapital, Taschengeld muss man haben. Manche ziehen sogar Taschengeld dem Vermögen vor.

Nein, sind Anlageexperten überzeugt. Und dass Aktien Teufelszeug sind, glauben sie auch nicht. Im Gegenteil. „Ein breit gestreutes Aktienportfolio ist eine zentrale Form der Vermögensanlage“, sagt Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.  „Wenn manche meinen, Aktien seien Teufelszeug, dann beruht das oft auf eigenen negativen Erfahrungen, die auf miserable Anlageberatung oder Provisionsschneiderei zurückgehen.“

Für Jean Guido Servais ist die Börse die „effiziente Antwort“ auf die früheren Marktplätze. Dort treffe sich Angebot und Nachfrage.  „Hier werden nicht nur Erwartungen gehandelt, sondern auch reale Werte“,  sagt der Leiter kontinentaleuropäisches Marketing bei JP Morgan Asset Management. „Aktien symbolisieren ein Bruchteilseigentum an einer Firma mit dazugehörigen Rechten und Pflichten.“ Lars Edler, Leiter Asset Allocation bei Sal. Oppenheim ergänzt:  „Aktienkurse spiegeln den Wert eines Unternehmens wider, der sich aus der Beurteilung aller Marktteilnehmer an der Börse für das Unternehmen ergibt.“ Aktien würden einerseits für den Aktionär eine Beteiligung an einer Unternehmung darstellen und andererseits den Unternehmen die Möglichkeit geben, sich zu finanzieren. Dies alles verlaufe nach gesetzlich festgelegten Regeln und unter staatlicher Aufsicht.

So manche Kursübertreibung legt zwar den Gedanken nahe, dass hier Werte geschaffen werden, die nicht real sind. „Allerdings zeigen einige Unternehmen, dass ihre Wertsteigerungen gemessen am Aktienkurs berechtigt sind“, sagt Servais von JP Morgan. „Andere Kurse fallen nach einer euphorischen Stimmung wieder auf ihren ‚fairen Wert‘ zurück, wieder andere notieren weit unter diesem.“ Das zeigt, dass die Haltung zu bestimmten Papieren von verschiedenen Marktteilnehmern unterschiedlich bewertet wird. „Die Faszination der Börse wird weiter anhalten“, ist Servais überzeugt. „Gewinner und Verlieren stehen oft eng nebeneinander.“ Mit Teufelszeug oder gar Teufelswerk hat das nichts zu tun.

Kommentare (3)

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Paxco

05.12.2012, 17:44 Uhr

Auch Aktien müssen letzlich ein Nullsummenspiel sein, bei dem einer gewinnt was ein anderer (später) verliert.
Wenn der Anteilsschein bei z. B. 20 ausgegeben wird und, sagen wir mal, auf 100 steigt: irgendwann ist jedes Unternehmen am Ende, und wenn es hundert Jahre dauert. Dann ist der Wert des Papiers wieder: 0 !
Insgesamt also sogar: ein Minus von 20 .
Dass Indizes wie der Dax oder der Dow auf Dauer immer steigen, worauf gerne verwiesen wird,
dürfte ganz einfach daran liegen, dass die schwächeren Werte nach und nach hinausgeworfen werden.
Aber irgendjemand bezahlt diese Verlierer ja doch.
Ich lese nie etwas darüber; gibt es einen Fehler in meinen Gedanken?

Paxco

05.12.2012, 18:00 Uhr

Ergänzung:
Das einzige, was letzlich wirklich wertvoll ist an Aktien, ist dann wohl letztlich doch die Dividende.
Trotzdem: Ich selber bin mehr auf Kursgewinne aus - nicht ganz NPohne Erfolg.

aktionaer

05.12.2012, 21:14 Uhr

neee, is schon klaa, ne

Keiner würde je behaupten, dass Aktien ALLE reich machen. Hört sich zwar pervers an, aber Menschen wollen auch ein Recht aus "sich mies fühlen" haben. Und die Börse hilft ihnen dabei.

Die Börse ist letztendlich nichts anderes, als eine Lupe von unserem Innenleben.

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