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14.05.2014

06:30 Uhr

Börsenweisheit

Die Hausse nährt die Hausse

VonJessica Schwarzer

Der Dax nimmt Kurs auf sein Allzeithoch und auf die Marke von 10.000 Punkten. Dass sie fällt, ist nur eine Frage der Zeit, schließlich heißt eine alte Börsenregel: Die Hausse nährt die Hausse. Doch wann endet sie?

Die Hausse nährt die Hausse sagt eine alte Börsenweisheit. Doch wie lange geht das noch weiter?

Die Hausse nährt die Hausse sagt eine alte Börsenweisheit. Doch wie lange geht das noch weiter?

DüsseldorfWie gebannt schauen vor allem Privatanleger dieser Tage auf die Anzeigentafel an der Frankfurter Börse. Bis auf 9.784 Punkte ist der Deutsche Aktienindex am Dienstag im Handelsverlauf gestiegen. Viel fehlt nicht mehr, dann hat der Dax sein Allzeithoch geknackt: Mitte Januar notierte der deutsche Standardwerte-Index bei 9.794 Punkten. Fällt diese Marke, rückt auch die psychologisch wichtige Marke von 10.000 Punkten in greifbare Nähe. Doch wie lange läuft die Rally noch?

Eine alte Börsenweisheit besagt: Die Hausse nährt die Hausse. Übersetzt heißt das nichts anderes, als  dass die gute Stimmung an der Börse ansteckend ist – und die Kurse weiter steigen. „Kurz- oder mittelfristig ist die Psychologie an der Börse das Ausschlaggebende, bevor sich die Fundamentaldaten wieder durchsetzen. Immer wieder“, sagt Max Otte, Fondsmanager und Bestsellerautor. Es ist empirisch belegt, dass Rekordstände bei Aktien oder anderen Anlageklassen große Anziehungskraft auf neue Investoren haben.

Vermögensverwalter Markus Zschaber sieht das allerdings kritisch, denn diese Anleger treffen ihre Entscheidungen ausschließlich aufgrund der vergangenen Wertentwicklung. „Dabei sollte man sich vor allem die zukünftigen Entwicklungschancen fokussieren“, sagt er. „Eine ‚blinde‘ Kaufentscheidung allein aufgrund neuer Rekordstände kann dann zu einer Überbewertung oder auch Blase führen, die zwangsläufig irgendwann korrigiert wird – durch einen Preisverfall.“ Wesentlich wichtiger seien die fundamentalen Bewertungen, die konjunkturelle Lage und nicht zuletzt die Politik der Notenbanken. Sie fluteten die Märkte in den vergangenen Jahren mit Liquidität, um die Schuldenkrise einzudämmen. Der Abschied von dieser Politik des billigen Geldes ist bereits eingeleitet, die Marktteilnehmer beobachten die Notenbanker mit Argusaugen. Auch geopolitische Krisen wie in der Ukraine sorgen immer wieder für Nervosität.

Die Meilensteine des Dax

1. Juli 1988

Der Dax wird aus der Taufe gehoben. Basis der Berechnung ist der 30. Dezember 1987 mit einem Wert von 1.000 Punkten.

5. April 1991

In Frankfurt geht das „Interbank Informations System” - kurz Ibis genannt und eine Art Vorläufer des Xetra-Systems - an den Start.

19. Januar 1996

Die Börse führt den MDax ein, dem zunächst 70 mittelgroße Unternehmen angehören. Im März 2003 wird der MDax auf 50 Unternehmen verkleinert.

18. November 1996

Bei der Privatisierung der Deutschen Telekom wird die T-Aktie als Volksaktie vermarktet. Das Interesse der Öffentlichkeit am Dax nimmt dramatisch zu.

10. März 1997

Start des Neuen Marktes. Nach einer Reihe von Skandalen wird das Segment am 21. März 2003 wieder abgeschafft. Am 24. März 2003 wird als inoffizieller Nachfolger der TecDax eingeführt, dem 30 Tech-Aktien angehören.

28. November 1997

Mit dem neuen elektronischen Handelssystem Xetra - kurz für „Exchange Electronic Trading” - bricht für die Börse ein neues Zeitalter an. Zunächst werden 109 Aktien auf Xetra gehandelt. Später öffnet die Börse Xetra für alle deutschen sowie für europäische und US-Aktien.

7. März 2000

Der Dax erreicht ein Rekordhoch von 8136,16 Punkten. Händler begründen die Euphorie mit Fusionsfieber. Ein geplanter Zusammenschluss der Deutschen mit der Dresdner Bank scheitert aber. Die Dresdner Bank geht an die Allianz, die sie im Mai 2009 an die Commerzbank weiterreicht. Auf dem Höhepunkt der Börseneuphorie wird die Chip-Tochter von Siemens, Infineon, zu einem Emissionspreis von 35 Euro an den Anleger gebracht. Die Platzierung ist 33-fach überzeichnet. Danach beginnt beim Dax eine langjährige Abwärtsbewegung, die von den Anschlägen in New York und Washington am 11. September 2001 verschärft wird.

12. März 2000

Auf dem Höhepunkt der Börseneuphorie wird die Chip-Tochter von Siemens, Infineon, zu einem Emissionspreis von 35 Euro an den Anleger gebracht. Die Platzierung ist 33-fach überzeichnet. Beim Börsendebüt am nächsten Tag erreicht die Aktie in der Spitze knapp 85 Euro. Heute notieren die Infineon-Titel bei 6,60 Euro. Danach beginnt eine langjährige Abwärtsbewegung, die von den Anschlägen in New York und Washington am 11. September 2001 verschärft wird.

12. März 2003

Der Dax rutscht unter 2200 Punkte und notiert damit so tief wie zuletzt im November 1995. Im Laufe des Jahres dreht er. Mit der Erholung der Weltwirtschaft in den Folgejahren wächst auch das Vertrauen in die Gewinnentwicklung der Unternehmen wieder.

1. Juni 2007

Erstmals seit März 2000 steigt der Dax wieder über 8000 Punkte.

13. Juli 2007

Mit 8.152 Zählern setzt der Dax einen neuen Meilenstein. Trotz erster Bankenpleiten und Notoperationen der EZB am Geldmarkt hält sich der Dax zu Beginn des Krisenjahres 2008 über 8000 Zählern. Doch ab dann geht es bergab. 2009 beschleunigt der Absturz des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate die Talfahrt des Dax.

21. Januar 2008

Der Absturz des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate leitet die Talfahrt des Dax ein. Am 21. Januar fällt der Index um mehr als 500 Zähler oder sieben Prozent auf 6790 Punkte.

9. März 2009

Die Krise der Banken hat Tribut gefordert: Mit 3588 Punkten erreicht der Dax zeitweise den niedrigsten Stand seit Oktober 2003. Doch es gibt Hoffnung. Denn nur wenige Tage später wirft die Fed die Notenpresse an. Von nun an geht es bergauf. Am 25. Oktober schafft der Dax zum ersten Mal in seiner Geschichte den Sprung über die Marke von 9000 Punkten.

30.12.2010

Es reicht nicht ganz bis zur 7000-Punkte-Marke, aber mit 6.914 Punkten hat der Dax bis Ende 2010 schon wieder kräftig aufgeholt.

22. Mai 2013

Der Mai wurde für den Dax der Monat der Rekorde. Nachdem der Dax ein Rekordhoch nach dem anderen knackt, liegt das neue Allzeithoch bei 8.558 Punkten.

25. Oktober 2013

Der Dax schafft zum ersten Mal in seiner Geschichte den Sprung über die Marke von 9000 Punkten.

30. Dezember 2013

Der Dax beendet seine Jahresendrally knapp über der Marke von 9500 Punkten.

21. Januar 2014

Der Dax startet stark ins neue Jahr und erreicht am 21. Januar mit 9794 Punkten abermals ein Rekordhoch. Börsianer hoffen, dass der Index nun über die 10000-Punkte-Markte springt. Damit müssen sie sich aber noch gedulden.

5. Juni 2014

Erstmals in seiner Historie ist der Dax fünfstellig. Um 14:33 Uhr knackt der deutsche Leitindex die magische Marke und steigt bis auf 10.014 Punkte .

20. Juni 2014

Der Dax markiert bei 10.051 Punkten sein neues Allzeithoch.

2. Dezember 2014

Der Dax knackt nach über vier Monaten wieder die 10.000-Punkte-Marke. In der Spitze erreicht der Dax einen Punktestand von 10.038 Zählern.

4. und 5. Dezember 2014

Der Dax springt im Verlauf der EZB-Pressekonferenz bei 10.084 Punkten auf ein neues Rekordhoch. Doch bereits Minuten später fällt der Leitindex wieder unter die Marke von 10.000 Punkten. Am folgenden Freitag erreicht er mit 10.093 Punkten ein neues Allzeithoch.

22. Januar 2015

EZB-Präsident Mario Draghi beschließt ein Anleihekaufprogramm im Stile der Federal Reserve. Die Zentralbank wird bis September 2016 Staats- und Unternehmensanleihen im Wert von 60 Millionen Euro aufkaufen. Insgesamt sollen so 1,14 Billionen in die Märkte gespült werden. Der Dax springt nach nervösen Pendelbewegungen auf ein Rekordhoch von 10.454 Punkten. In den folgenden Tagen hält die Hausse an, am 13. Februar springt der Dax das erste Mal über in seiner Geschichte über die 11.000-Punkte-Marke. Damit sollte die Rekordjagd aber gerade erst beginnen.

27. Januar 2015

Die mehrtägige Rekordjagd des Dax endet mit einem zwischenzeitlichen Allzeithoch von 10.810 Punkten.

13.Februar 2015

Ein Mix aus guten Konjunkturnachrichten und die lockere Hand der EZB hatten den Dax am Freitag, den 13. Februar 2015, das erste Mal in seiner Geschichte über die 11.000-Punkte-Marke springen lassen. Damit sollte die Rekordjagd aber gerade erst beginnen...

23. Februar 2015

Die neugewählte griechische Regierung sorgte mit ihrer unkonventionellen und forschen Art für mächtigen Aufruhr in der europäischen Politik. Vor allem die Unnachgiebigkeit, mit der die neuen starken Männer Griechenlands, Ministerpräsident Tsipras und Finanzminister Varoufakis, an ihren Wahlkampfversprechen festhielten, brachte die Verhandlungsparteien auf Konfrontationskurs. Nachdem sich die Finanzminister des gemeinsamen Währungsraumes am Freitagabend endlich auf eine Verlängerung der Hilfsprogramme für Hellas einigen konnten, markierte der Deutsche Aktienindex kurz nach seiner Eröffnung am Montag seinen aktuellen Höchststand von 11.158 Zählern.

10. April 2015

Und weiter geht die Rekordjagd. Der Dax kletterte zwischenzeitlich am 10. April zeitweise auf 12.390 Punkte. Seit Jahresbeginn hat der Index mehr als 25 Prozent zugelegt.

16.März 2015

Bereits wenige Wochen nach der Eroberung der 11.000-Punkte steht ein weiterer Meilenstein der Dax-Geschichte auf der Börsen-Agenda. Der Leitindex klettert zum ersten Mal über 12.000 Punkte. Weder der Konflikt in der Ostukraine noch der sich immer weiter zuspitzende Schuldenstreit scheinen die Börsenteilnehmer groß zu stören. Sie kaufen Aktien und befeuern die Hausse.

10. April 2015

Der Dax erreicht sein Allzeithoch: 12.390,75 Zähler.

29.April 2015

Nach Langem Hin- und Her beim Index der vergangenen Wochen stehen die Zeichen beim Dax nun endgültig auf Korrektur. Im Laufe des Tages verlor der Index satte 3,2 Prozent auf 11.433 Punkte - der größte Tagesverlust des Jahres.

08. März 2016

Der Dax rutscht deutlich unter die 9.000er-Marke – zum ersten Mal seit anderthalb Jahren. Schon von Beginn des Jahres sind die Aktienkurse geschwächt. Als wesentlicher Grund gilt unter Beobachtern der stark gesunkene Ölpreis und der derzeit immer noch enge Zusammenhang zwischen dessen Entwicklung und der Aktienbörse.

31. März 2016

Das Minus im ersten Quartal 2016 beläuft sich auf gut sieben Prozent. Schon im März dreht aber die Stimmung zum Besseren, denn die US-Notenbank Fed verschiebt auch aus Rücksicht auf die nahende Brexit-Abstimmung ihre Zinserhöhungen.

24. Juni 2016

Die Briten haben sich für den Austritt aus der EU entschieden und lösen an den Märkten einen allerdings kurzen Ausverkauf aus. Der Dax fällt um fast sieben Prozent, holt in den Folgewochen aber rasch wieder auf.

9. November 2016

Die Amerikaner haben Donald Trump zum Präsidenten gewählt. An der Wall Street schieben die Anleger vorher geäußerte Bedenken beiseite und setzen auf sinkende Steuern für Unternehmen und massive Infrastrukturmaßnahmen. Der Dow-Jones geht auf Rekordkurs. Nach und nach zieht auch der Dax an und etabliert sich wieder in der Fünfstelligkeit.

14. Juni 2017

In Erwartung einer positiven Zinsentscheidung der US-Notenbank knackt der Dax das erste Mal im Laufe seiner Geschichte die 12.900 Punkte und erreicht schließlich sein Allzeithoch von 12.921 Punkten. Schon in den Monaten zuvor hatte der Dax im Anschluss an den Erfolg des europafreundlichen Politikers Emmanuel Macron bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich seinen Höchststand mehrfach verbessert.

Pessimisten unkten schon bei den Rückschlägen in den vergangenen Monaten, die Party sei vorbei, die große Korrektur stehe unmittelbar bevor. Doch bisher blieb sie aus. Zugegeben, dem Dax ging zuletzt eher die Puste aus. Seit Monaten pendelt er seitwärts, wenn auch in einer recht großen Spannbreite von fast 800 Punkten. Trotz alle zwischenzeitlichen Einbußen hat der Standardwerteindex aber immer wieder an seinem Rekordhoch gekratzt – wie auch jetzt wieder.

Es sind besonders die Privatanleger, die von Höchstständen angelockt werden. Es ist oft beobachtetes Phänomen: Sie verpassen den vorangegangenen Anstieg und investieren erst, wenn die Märkte schon sehr gut gelaufen sind. Die aktuelle Rally dauert nun schon mehr als fünf Jahre, die Privatanleger sind aber – wie von Banken und Fondshäuser immer wieder zu hören ist, nicht dabei. Der Rekord könnte sie nun anlocken. Die Historie zeigt allerdings, dass die durchschnittliche Länge einer positiven Marktentwicklung nur rund dreieinhalb beträgt. „Das bedeutet aber nicht, dass eine solche Phase nicht deutlich länger andauern kann“, ergänzt Zschaber.

Nach seinen Tiefständen in der Schuldenkrise erholte sich der Dax nach und nach – und mit ihm viele andere Weltbörsen. Wer vor fünf Jahren einstieg, kann sich heute über eine Kursverdoppelung des Dax freuen. Im vergangenen Jahr knackte er sogar seinen damaligen Rekord und kletterte dann von Hoch zu Hoch. „Rekordstände bedeuten nicht zwangsläufig, dass nach jedem neuen Rekord eine stärkere Konsolidierungsphase eintreten muss“, sagt Zschaber. Allerdings würden sich Märkte niemals linear bewegen, starke Kursanstiege müssten immer abgearbeitet werden, um Überhitzungen vorzubeugen – schon allein aus charttechnischer Sichtweise. „Leichte Korrekturen gehören zum Marktgeschehen dazu und fördern die innere Stabilität der Hausse“, ergänzt der Kölner Vermögensverwalter.

Kommentare (6)

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14.05.2014, 07:19 Uhr

Die neuen Hochs sind nur deshalb zustande gekommen, weil alle schlechten Daten wie Ukraine, Konjunkturaussichten in D + USA + China, Arbeitsmarktdaten USA, Stillstand der Kreditaufnahme für Aktien in den USA und noch Vieles mehr einfach nicht zur Kenntnis genommen wurden. Man versucht die Party aufrecht zu erhalten, indem man Hoffnungen auf ein QE durch die EZB weckt. Man bemüht Politik und Medien, um aus diesem Rausch nicht aufwachen zu müssen. Das sind Storys für eine Blasenbildung an den Märkten, von denen sich Privatanleger vermutlich längst verabschiedet haben. Die größte Gefahr für europäische Märkte aber dürfte im Abzug russischer und chinesischer Gelder liegen, da jedes dieser Länder aufgrund ihrer Situationen Liquidität benötigen könnten...

Account gelöscht!

14.05.2014, 08:26 Uhr

Wie realistisch ist denn dieser "Abzug der Gelder"?

Laufen lassen + wer mag, Depot absichern. Fertig.

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14.05.2014, 09:57 Uhr

"dass die durchschnittliche Länge einer positiven Marktentwicklung nur rund dreieinhalb beträgt"

Was? Meter? Kilometer? Ich nehme doch an, dass die Einheit der Länge immer noch Meter ist, oder?

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