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29.09.2012

13:36 Uhr

Börsenweisheit

„Die Zeit der Schnäppchen ist noch nicht vorbei“

VonJessica Schwarzer

An der Börse herrscht Partystimmung, seit Juni steigen die Kurse rasant. Doch wie lange noch? Ist die Rally bald vorbei? Eine alte Börsenweisheit besagt, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist um einzusteigen.

Sell in May? Wer im Mai ausgestiegen wäre, hätte das Kursplus verpasst. dpa

Sell in May? Wer im Mai ausgestiegen wäre, hätte das Kursplus verpasst.

DüsseldorfFast 1.500 Punkte hat der Dax in knapp vier Monaten zugelegt. Da wird es dem einen oder anderen Anleger schon mal mulmig. Ist es an der Zeit, Gewinne mitzunehmen, bevor der Markt dreht? Schließlich folgt auf eine Party doch fast zwangsläufig die Katerstimmung. Und ihre Argumente für einen Rücksetzer sind gut: Euro- und Schuldenkrise sind noch nicht ausgestanden, die Nervosität an den Märkten ist noch immer hoch. Doch allen warnenden Stimmen zum Trotz glauben viele Marktteilnehmer, dass es so weit noch nicht ist.

Im Gegenteil: Sie sind überzeugt, dass die Rally weiter läuft und liefern gute Gründe. „Die zentrale Frage dabei ist doch: Ist das eine liquiditätsgetriebene Rally, die bald vorbei ist, oder ist sie fundamental berechtigt und wird weiterlaufen“, sagt Andreas Feiden, Geschäftsführer der Fondsgesellschaft Fidelity. „Ich meine, die Zeit der Schnäppchen ist noch nicht vorbei. Schon gar nicht für langfristig orientierte Anleger.“ Die Kurse seien weit davon entfernt, den Fundamentaldaten enteilt zu sein. „An den Märkten wird noch immer ein negatives Szenario für die Entwicklung der Euro-Zone eingepreist, was mir selbst bei einer moderaten Wirtschaftsentwicklung recht pessimistisch erscheint“, ergänzt Feiden.

Beispiel Dax: Die deutschen Standardwerte seien in hervorragender Verfassung und sehr günstig bewertet, ist der Fidelity-Experte überzeugt. Das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis im Dax liegt mit 10,4 deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt von 13,5 und auch unter dem globalen Mittelwert von 12,9. Auch die Dividendenrendite ist mit durchschnittlich 3,5 Prozent historisch hoch. Das spricht für Aktien.

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

Doch gerade Privatanleger bleiben der Börse noch immer fern. Zeit um zurückzukehren? Immerhin lautet eine alte Börsenweisheit „Sell in May and go away. But remember to come back in September“. Dahinter steckt die Überzeugung, dass die Sommermonate schwache Börsenmonate sind und Anleger den Märkten besser fernbleiben. Doch mit dem beginnenden Herbst sollten sie zurückkehren. Eine Regel, die allerdings in diesem Jahr nicht funktioniert hat. Zwar rutschte der Dax im Sommer binnen weniger Wochen von gut 6600 Punkten auf knapp unter 6000 Punkte ab – ein Minus von immerhin fast zehn Prozent –, doch dann folgte der Anstieg auf zwischenzeitlich 7450 Punkte. Wer im Mai ausgestiegen wäre, hätte dieses Kursplus verpasst.

Kommentare (5)

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weg_mit_derTransaktionssteuer

28.09.2012, 15:50 Uhr

Sehr geehrte Nutzer unserer Website,
Von Freitag, den 28.09.12, 22:30 Uhr bis Montag, den 01.10.12, 6:00 Uhr finden zur Verbesserung unseres Serviceangebots planmäßige Wartungsarbeiten statt. Betroffen sind neben der Website auch die Apps für iPhone, iPad und Android sowie die mobile Website. Auch unsere telefonische Hotline steht Ihnen in dieser Zeit lediglich mit Informationen zur Verfügung, kann aber keinerlei Aufträge entgegennehmen. Was wohl an diesen WE passiert???

Transferunion

28.09.2012, 15:53 Uhr

Auf vielen Bankseiten :Von Freitag, den 28.09.12, 22:30 Uhr bis Montag, den 01.10.12, 6:00 Uhr finden zur Verbesserung unseres Serviceangebots planmäßige Wartungsarbeiten statt.
Was erwartet uns diese Wochenende?

Antizyklik

28.09.2012, 16:05 Uhr

Wann immer ich den Satz lese... für langfistig orientierte Anleger...bla bla bla... dann werde ich ganz hellhörig. Irgendwie klingt das wie: Also wenn sie langfristig auf Ihr Geld warten wollen, dann kaufen sie jetzt und warten.
Verdammt nochmal bei 5000 Dax Punkten vor einem Jahr gab es keine solchen Ratchläge. Ne ne die Profis legen Ihre Empfehlungen immer antizyklisch aus... das ist klar. Tja Feunde wie bekommt ihr eure Tulpenzwiebeln nun los zu diesen hohen Kursen? Ab 5500 können wir wieder über Aktien diskutieren.

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