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20.09.2012

11:38 Uhr

Börsenweisheit

Dieses Mal ist (nicht) alles anders!

VonJessica Schwarzer

Schuldenkrise und kein Ende – an den Börsen herrscht Ausnahmezustand. Alte Regeln scheinen nicht mehr zu gelten. Oder doch? Was Anleger von einem verstorbenen Fondsmanager, der noch dazu ein Sir war, lernen können.

Ein Händler an der Frankfurter Börse: Die Schuldenkrise sorgt seit Monaten für Turbulenzen an den Märkten. dpa

Ein Händler an der Frankfurter Börse: Die Schuldenkrise sorgt seit Monaten für Turbulenzen an den Märkten.

DüsseldorfEmotionen regieren die Börse. Angst oder gar Panik, Gier und Euphorie können für kräftige Kursausschläge sorgen – nach unten und nach oben. Manche Investoren machen sich dieses emotionale Auf und Ab zu Nutze und handeln genau gegen die herrschende Meinung. Sie wittern beispielsweise gerade in Krisen Gelegenheiten für günstige Käufe. Einer der berühmtesten Vertreter dieser Strategie ist Warren Buffet. „Ich versuche, ängstlich zu sein, wenn andere gierig sind, und gierig zu sein, wenn andere ängstlich sind“, sagte das Orakel aus Ohama einst. Buffett zählt zu den erfolgreichsten Investoren der Welt.

Der Gedanke hinter seiner Strategie ist wohl, dass die Märkte zur Rückkehr auf Mittelwerte neigen. Übrigens eine der „Zehn Regeln zur ständigen Beobachtung“, die Robert Farrell, der bei Merrill Lynch für die technischen Marktanalyse zuständig war, vor Jahren aufstellte. Eine weitere Regel aus seiner Feder lautet: Es gibt keine „neuen Zeitalter“, Exzesse sind nie von Dauer.  Ob Internetboom oder Solar-Hype – auf dem Höhepunkt einer Rally oder einer Spekulationsblase greift schnell die Vorstellung um sich, nun habe eine „neue Ära“ begonnen. Die Börse scheint in der Wahrnehmung viele Anleger zur Einbahnstraße zu werden. Doch so ist es eben nicht.

Schon der legendäre amerikanische Fondsmanager Sir John Templeton warnte einst: „Die fünf gefährlichsten Wörter der Kapitalanlage lauten: Dieses Mal ist alles anders.“ Und diese Börsenweisheit des Gründers der gleichnamigen Fondsgesellschaft gilt auch in Zeiten der europäischen Schuldenkrise noch. „Sowohl die Baisse- als auch die Hausse-Märkte sind zeitlich beschränkt“, sagt Simon Klein, Chef des ETF-Anbieters Lyxor. „Außergewöhnliche Zeiten an den Finanzmärkten sind tatsächlich nur vorübergehend.“ Börsianer könnten sehr wohl davon ausgehen, dass Märkte sich immer wieder normalisieren und in der Rückschau ähnliche Muster zu erkennen seien. 

Aktien für Langfrist-Anleger

AmBev

Guter Schutz gegen die Euro-Krise bietet die Brauerei aus Brasilien. Sie wächst vor allem in den Schwellenländern, ist aber weltweit präsent und nahezu schuldenfrei.
Börsenwert in Millionen Euro: 81674
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 20,7
Dividendenrendite: 0,9 Prozent.

Apple

Trotz der imposanten Rally ist die Aktie nicht teuer. Gewinn und Umsatz wachsen gar schneller als der Börsenwert.
Börsenwert in Millionen Euro: 428190
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 12,5

Dividendenrendite: 1,6 Prozent.

Baidu

Der Konzern verliert zwar Marktanteile, wächst aber insgesamt nach wie vor rasant im chinesischen Internet-Markt. Die Aktien sind günstig.
Börsenwert in Millionen Euro: 29197
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 16,8
Dividendenrendite: keine

British American Tobacco

Der Tabakkonzern aus Großbritannien kann trotz der immer strenger werdenden Gesetze jedes Jahr Umsatz, Gewinn und Dividende steigern. Besonders stark ist das Unternehmen in den asiatischen Schwellenländern.
Börsenwert in Millionen Euro: 75886
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 13,8
Dividendenrendite: 4,6 Prozent

CF Industries

Der hochprofitable und dividendenstarke US-Düngemittelkonzern profitiert vom steigenden Bedarf an Nahrungsmitteln weltweit.
Börsenwert in Millionen Euro: 11021
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 8,8
Dividendenrendite: 0,8 Prozent

Deckers Outdoor

Ein Ende der jahrelangen Wachstumsstory ist noch immer nicht absehbar. Die Aktie ist günstig.
Börsenwert in Millionen Euro: 1300
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 8,5
Dividendenrendite: keine

Elekta

Der Medizintechniker ist besonders stark in der Krebs-Medizin, einem wachsenden Zweig.
Börsenwert in Millionen Euro: 3671
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 18,4

Dividendenrendite: 1,5 Prozent

Kia Motors

Die neuen Modelle des schnell wachsenden Automobilherstellers gewinnen derzeit alle Qualitätstests.
Börsenwert in Millionen Euro: 202557
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 5,9
Dividendenrendite: 0,8 Prozent

Novo Nordisk

Der dänische Pharma-Konzern ist bei Diabetes-Medikamenten mit einem Anteil von über 51 Prozent weltweit Marktführer.
Börsenwert in Millionen Euro: 67311
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 20,4
Dividendenrendite: 1,6 Prozent

Millicom Cellular

Das Mobilfunkunternehmen aus Luxemburg hat ein lukratives Geschäftsmodell entwickelt, indem es preisgünstige Handy-Einsteiger-Tarife in Schwellenländern verkauft.
Börsenwert in Millionen Euro: 7195
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 12,6

Dividendenrendite: 2,9 Prozent

Salesforce.com

Das Software-Unternehmen profitiert mit seiner Miet-Software vom weltweiten Trend zum Cloud Computing. Das Geschäft gilt als krisensicher.
Börsenwert in Millionen Euro: 16508
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 76,4
Dividendenrendite: keine

Shire

Der britische Pharma-Konzern hat zahlreiche neue Medikamente auf den Markt gebracht. Seine Aktien sind nicht hoch bewertet.
Börsenwert in Millionen Euro: 13305
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 14
Dividendenrendite: 0,5 Prozent

Vodafone

Das Unternehmen ist besonders stark in Afrika. Sein Umsatz nimmt leicht zu.
Börsenwert in Millionen Euro: 106910
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 10,5
Dividendenrendite: 6,1 Prozent

Williams Partners LP

Der Öl-Konzern profitiert von der Steuergesetzgebung in den USA und kann ein sehr hohes Umsatzwachstum vorweisen.
Börsenwert in Millionen Euro: 14171
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 19,5
Dividendenrendite: 6,1 Prozent

Allerdings dreht sich die Börsenwelt heute sehr viel schneller als zu Zeiten Sir John Templetons. „Märkte kehren zumindest kurzfristig zu alten und vertrauten Bewertungsmustern zurück“, so Klein. „Allerdings werden die Abstände zwischen den Phasen immer kürzer.“ Das mache es schwierig, das richtige Timing abzupassen. 

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