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30.07.2012

16:58 Uhr

Börsenweisheit

Spekulieren ist kein Spiel mehr!

VonJessica Schwarzer

Die Gleichung ist einfach: Mehr Rendite bedeutet mehr Risiko. In Zeiten von Mini-Zinsen ein Dilemma für Anleger. Ist die Spekulation wirklich eine Maßnahme zum Schutz des Vermögens, wie André Kostolany einst sagte?

Ein Pokerspieler hält seine Karten: Müssen Anleger zocken, um an der Börse Geld zu verdienen? dpa

Ein Pokerspieler hält seine Karten: Müssen Anleger zocken, um an der Börse Geld zu verdienen?

DüsseldorfMit sicheren Zinseinlagen ist nicht mehr viel zu holen. Sparbuch, Tages- und Festgeld machen kaum mehr die Inflation wett. Anleihen von Staaten mit guter Bonität bringen noch weniger. Wer eine lukrative Anlage mit Renditen von vier, fünf oder mehr Prozent sucht, um auch nach Inflation und Spekulationssteuer Geld zu verdienen, muss höhere Risiken eingehen. Schon André Kostolany sagte: „Spekulieren ist kein Spiel mehr, es ist eine Maßnahme zum Schutz des Vermögens.“ Doch hat der Altmeister der Börse damit wirklich recht gehabt? Gilt seine Börsenweisheit vielleicht sogar heute mehr denn je?

Bei Anlageexperten stößt Kostolany auf Unverständnis. „Spekulieren soll eine Maßnahme zum Schutz des Vermögens sein?“,  fragt Lars Edler zweifelnd nach. Der Leiter Asset Allocation bei Sal. Oppenheim gibt eine deutliche Antwort: „Nein.“ Auch Martin Weber, Kapitalmarktexperte an der Universität Mannheim ist kein Freund der riskanten Geldanlage. „Ich weiß nicht, was Kostolany dachte, aber beim Anlegen investiert man, wenn man Geld verfügbar hat und man desinvestiert, wenn man Geld benötigt“, erklärt er. „Auf keinen Fall versucht man wie beim Spekulieren aus kurzfristigem Handeln durch Ausnutzen von – eigentlich zufälligen – Marktbewegungen, Gewinne zu erzielen.“

Echte Anleger sind...

...gelassen

"Sie wissen, dass Aktienkurse von allen möglichen unvernünftigen Kräften beeinflusst werden, dass sie ebenso fallen wie steigen können und dass das auch für Aktien gilt, die sie selbst besitzen. Wenn das passiert, reagieren sie darauf mit Gleichmut. Sie wissen, dass der Preis wieder zurückkommt, solange das Unternehmen die Eigenschaften behält, die sie als Anleger zunächst angezogen hatten."

...geduldig

"Anstatt sich von der Begeisterung der Menge mitreißen zu lassen, warten echte Anleger die richtige Gelegenheit ab. Sie sagen öfter Nein als Ja."

...rational

"Sie gehen auf der Basis klaren Denkens an den Markt und die Welt heran. Sie sind weder übermäßig pessimistisch noch irrational optimistisch; sie sind vielmehr logisch und rational."

Quelle: Robert G. Hagstrom, "Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie.", Börsenbuchverlag 2011.

So kritisch ist Andreas Feiden nicht, im Gegenteil. „Spekulieren heißt letztlich nichts weiter, als dass man auf Basis bestimmter Erwartungen, im einfachen Sinne des Wortes berechnend handelt“, sagt der Geschäftsführer der Fondsgesellschaft Fidelity. Das sollte Voraussetzung für jeden Börsenhandel sein. „Anleger müssen heute nur vor allem damit rechnen, andere – nicht unbedingt höhere – Risiken als gewohnt eingehen zu müssen.“

Übersetzt heißt das: Anleger müssen umdenken, um im Niedrigzinsumfeld nicht mit Sicherheit abzüglich der Inflation Geld zu verlieren. „Ihre bisherige Risiko-Einschätzung müssen sie komplett überprüfen und das Verhältnis von Sicherheit und Rendite neu überdenken“, sagt Feiden. Waren europäische Staatsanleihen bisher am untersten Ende des Risikospektrums einzuordnen, sind heute Ausfälle nicht mehr auszuschließen.

Die Erkenntnis, dass Staatsanleihen von Industrieländern ihren Nimbus als sichere Häfen verloren haben, ist ein wichtiger Wendepunkt. „Wer die logische Konsequenz daraus zieht und auf diese vermeintliche Sicherheit nicht mehr ‚spekuliert’, übergewichtet gut geführte Unternehmen zu Lasten von Staatsanleihen und, innerhalb von Staatsanleihen, die der kaum verschuldeten Wachstumsländer“, sagt der Fidelity-Experte. „Denn die Regierungen der schnell wachsenden Volkswirtschaften haben genau das getan, was die europäischen Länder und Amerika versäumt haben: ihren Schuldenberg abzutragen.“

Kommentare (6)

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Klaus

30.07.2012, 17:22 Uhr

Kosto definiert spekulieren bestimmt nicht in dem Sinn, wie die Mehrzahl der Zocker und Banker das versteht bzw. verstanden hat.
Hochfrequenzcomputerhandel oder Währungstäusche waren nie sein Ding.

Wenn sich also Fondmanager etc. zu einer Börsenweisheit von Kosto äußern, sollten sie zunächst einmal prüfen, was er damit meinte.
Manche Ansichten der Profis sind mehr als peinlich.

Kosto hat nie in allem recht behalten, aber in vielem.

Kostolany

30.07.2012, 17:37 Uhr

@Sal. Oppenheim

wer vertraut Ihnen denn noch sein Geld an,
mich so zu fehlinterpretieren, gelingt nur jemandem,
der seine Bank ruiniert hat aus Habgier und Dummheit.

Account gelöscht!

30.07.2012, 18:05 Uhr

Ich halte es immer noch wie Kostolany. Die Meisten meiner Aktien sind schon vor 2000 ins Depot gewandert und es wächst und wächst und wächst.

90% sind in Wachstumsmärkten angelegt. 10% zum Spielen, wobei ich wirklich kein Händchen für Trading habe.^^

PS.: im Dezember hatte ich hier mal WKN 878347 empfohlen.

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