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15.06.2012

14:52 Uhr

Börsenweisheit

Straßenbahnen und Aktien läuft man nicht hinterher

VonJessica Schwarzer

Verpasste Chancen kennt jeder Anleger. Im Nachhinein ist es leicht, die Börsenstars auszumachen. Steigt der Kurs weiter, will man dabei sein. Doch schon Altmeister Kostolany warnte: Niemals einer Aktie hinterherlaufen!

André Kostolany war bekannt für seine treffenden Aussagen rund um die Börsenspekulation.

André Kostolany war bekannt für seine treffenden Aussagen rund um die Börsenspekulation.

DüsseldorfWelcher Anleger kennt das nicht? Beim Blick auf die Börsencharts besonders erfolgreicher Aktien denkt man: „Wäre ich doch bloß damals eingestiegen…“. Und wenn der Kurs dann auch noch weiter steigt und steigt und steigt, dann juckt es viele, doch noch auf den sprichwörtlich fahrenden Zug aufzuspringen. Doch das kann schief gehen, wie nicht nur André Kostolany wusste. Der legendäre Börsenaltmeister sagte einst: „Einer Straßenbahn und einer Aktie darf man nie nachlaufen. Nur Geduld: Die nächste kommt mit Sicherheit.“

Doch das mit der Geduld ist so eine Sache, wenn andere sich über dicke Kursgewinne freuen. Auch Profis kennen das. „Es gibt kaum einen Investor, der sich nicht des Öfteren angesichts verpasster Möglichkeiten gegrämt hätte“, sagt Christoph Bruns. Er selber hätte dieses Gefühl schon häufig gehabt, räumt der Chef der Fondsboutique Loys ein. „Dass wir bei Loys etwa die großartige Entwicklung der Apple-Aktie in den vergangenen zehn Jahren nicht mitgemacht haben, obwohl wir hinreichend Hinweise hatten, ist schon ärgerlich.“ Ein Unglück sei das aber nicht. Denn die an den Märkten würden sich im Laufe der Zeit neue Gelegenheit auftun.

Auch Simon Klein ist überzeugt, dass der Ausspruch des Börsenaltmeisters heute noch grundsätzlich gilt, denn ein Nachlaufen bedeute, dass Anleger einem Herdentrieb folgen. „Es ist bekannt, dass derjenige, der mit der Masse investiert, keine großen Gewinne macht“, sagt der Chef von Lyxor ETF, einem Anbieter von Indexfonds. „In effizienten Märkten sind positive und negative Informationen zu einer Aktie bereits eingepreist.“ Auch Andreas Feiden, Geschäftsführer der Fondsgesellschaft Fidelity, hält es für unklug, einer Aktie hinterherzulaufen, nur weil deren Kurs gerade klettert. „Der Privatanleger weiß nicht, wann sie wieder zum Stehen kommt oder vielleicht sogar in die entgegensetzte Richtung fährt“, sagt er.

Für Investoren, egal oder privat oder institutionell, ist es aber gar nicht so einfach zu erkennen, in welche Richtung die „Straßenbahn“ künftig fahren wird und ob sich das Hinterherrennen nicht vielleicht doch noch lohnt. „Es ist fast unmöglich, das richtige Timing zum Einstieg einer Aktie zu finden“, sagt Simon Klein. Quantitative Kennziffern wie beispielsweise das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) helfen zur Orientierung, ob eine Aktie fair bewertet ist. „Bei einem KGV von mehr als zehn sollte man genau überlegen, ob das Unternehmen, in das man investieren möchte, über zukunftsweisende Produkte verfügt und auch im Vergleich zum Wettbewerb gut gerüstet ist und man möglicherweise nur hinterherläuft“, rät der ETF-Experte.

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