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09.02.2016

16:50 Uhr

Börsenweisheit

Warum Privatanleger oft zu spät handeln

VonJessica Schwarzer

Die Zahl der Aktionäre in Deutschland ist 2015 gestiegen. Ein positives Signal für die Aktienkultur oder doch eher ein Zeichen von Gier und Verzweiflung? Erinnerungen an eine alte Börsenweisheit werden wach.

Privatanleger haben erst im siebten Jahr der Rally Aktien gekauft. Reuters

Ein Bulle inmitten von Glücksschweinen

Privatanleger haben erst im siebten Jahr der Rally Aktien gekauft.

DüsseldorfNach jahrelangem Siechtum sind die Aktionärszahlen in Deutschland wieder gestiegen. Gut neun Millionen Menschen waren 2015 direkt oder über Fonds in Aktien investiert – immerhin 560.000 mehr als im Vorjahr, hat das Deutsche Aktieninstitut (DAI) errechnet und sieht „positive Signale“ für die Aktienkultur.

Doch bei Experten rufen diese Daten gemischte Gefühle hervor. „Diese Zahlen sind natürlich sehr erfreulich“, sagt Andreas Grünewald, Vorstandsvorsitzender des Verbands unabhängiger Vermögensverwalter (VuV). „Aber sie dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir von einer sehr niedrigen Basis kommen und immer noch zu wenig Menschen in Aktien investieren.“ Noch immer legen nur 14 Prozent der über 14-Jährigen in Aktien an. „Der Weg zu einer nachhaltigen Aktienkultur in Deutschland ist noch weit“, betont auch Chris-Oliver Schickentanz, Chief Investment Officer der Commerzbank. „Wir hinken bei den Aktionärszahlen unseren angelsächsischen Freunden genau stark hinterher wie auch vielen europäischen Nachbarn.“

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Trotzdem ist der Anstieg der Aktionärszahlen positiv. Auch wenn die Zahl der Aktionäre noch immer deutlich unter dem Niveau des Rekordjahres 2001 liegt. Im Vergleich zu damals hat nach wie vor jeder vierte Anleger – das sind 3,5 Millionen – dem Aktienmarkt den Rücken gekehrt.

Einige sind aber nun zurückgekehrt. Dass das erst nach einer siebenjährigen Rally an den Märkten passiert ist, verwundert Experten kaum. Sie fühlen sich an eine alte Börsenweisheit erinnert: „Steigen die Kurse, kommen die Aktionäre. Fallen die Kurse, gehen die Aktionäre.“

Die Schwärzesten Tage des Dax: 2008-2015

06. Oktober 2008

Für den Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate muss binnen einer Woche ein zweites Rettungspaket geschnürt werden. Der Dax verliert sieben Prozent.

08. Oktober 2008

Im Sog der Finanzkrise stürzt der Nikkei -Index um über neun Prozent ab. Der Dax verliert bis zu neun Prozent. Nach einer konzertierten Zinssenkungsrunde der großen Notenbanken erholen sich die Kurse nur leicht. Der Dax schließt mit einem Minus von sechs Prozent.

10. Oktober 2008

Rezessionsängste angesichts der Finanzkrise drücken den Nikkei-Index um zehn Prozent. Der Dax verliert ebenfalls sieben Prozent.

24. Oktober 2008

Ein erneuter Absturz der Tokioter Börse drückt den Dax in der Spitze um über elf Prozent.

8. August 2011

Nachdem die USA bei der Ratingagentur Standard & Poor's ihre Bestnote als Kreditnehmer verlieren, brechen die Kurse ein: Der Dax verliert rund fünf Prozent.

5. September 2011

Die Furcht der Anleger vor einer weltweiten Rezession und einer Ausweitung der Schuldenkrise in der Euro-Zone drückt den Dax um 5,3 Prozent ins Minus.

1. November 2011

Der Dax verliert rund fünf Prozent. Auslöser ist die überraschende Ankündigung einer Volksabstimmung in Griechenland über ein Rettungspaket.

29. Juni 2015

Das Scheitern der Gespräche zur Lösung der Schuldenkrise in Griechenland und die überraschende Ansetzung einer Volksabstimmung über die Forderungen der Gläubiger drückt den Dax gleich im frühen Handel um 4,6 Prozent auf 10.964,24 Punkte.

24. August 2015

Die Furcht vor einem deutlichen Konjunktureinbruch in China drückt den Dax erstmals seit Mitte Januar wieder unter die Marke 10.000 Punkten. Der Leitindex fällt um bis zu 3,6 Prozent auf 9760 Zähler.

Vor allem der Dax-Rekord im vergangenen Frühjahr scheint die Deutschen an die Börse gelockt haben. Experten überrascht das nicht. „Unbedarfte Privatanleger tendieren tatsächlich dazu, prozyklisch zu handeln“, sagt Schickentanz. Sie kaufen, wenn die Kurse stark gestiegen sind. Und sie verkaufen, wenn die Kurse fallen.

Das ganze gleicht einem Herdentrieb. Nur leider heißt das auch, dass Privatanleger oft sehr teuer einkaufen und viel zu günstig verkaufen. Auf dem Wochenmarkt würden sie es genau anders herum machen. Doch die Unsicherheit scheint oft zu groß, es fehlt der Mut, in schwachen Börsenphasen einzusteigen.

Und oft dauert es auch, bis Privatanleger einem Trend vertrauen. „Privatanleger agieren leider spätzyklisch“, so Grünewald. Das Interesse an Aktien sei bereits in den sehr guten Börsenjahren 2012 bis 2014 gestiegen, hat er beobachtet. Gehandelt hätten viele Anleger aber erst im vergangenen Jahr – und damit sehr spät.

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