Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.07.2012

14:54 Uhr

Börsenweisheit

Wie sich Börsianer zum Narren machen

VonJessica Schwarzer

Schon Börsenaltmeister André Kostolany wusste, dass an der Börse viele Narren ihr Unheil treiben. Einige Experten halten diese Narren für das größte Glück der Börse. Warum das so ist und wie kluge Anleger profitieren.

Börsenexperte und Bestsellerautor Andre Kostolany dpa

Börsenexperte und Bestsellerautor Andre Kostolany

DüsseldorfManche Anleger setzten chronisch auf die falschen Werte, rennen jedem Trend (zu spät) hinterher und schmeißen ihre Strategie über Bord, sobald es an den Börsen etwas turbulenter zugeht. Andere lassen sich von purer Gier leiten. Für sie ist die Börse ein Spielkasino – sie zocken mit den Aktien oder Anleihen von Pleitekandidaten, maximieren ihr Risiko mit Hebelpapieren, die Gewinne aber eben auch Verluste vervielfachen, oft sogar verhundertfachen. An der Börse kann man viele Fehler machen und viel Geld verlieren. Das war schon André Kostolanys Zeiten so. „Eine Börse wäre keine Börse, wenn nicht viele Narren ihr Unheil dort treiben würden“, sagte der Altmeister einst.

Die Narren tummeln sich auch heute noch auf dem Parkett. Kein Wunder, schließlich sei die Börse eine emotionale Sache, meint Fidelity-Geschäftsführer Andreas Feiden. Im Wesentlichen ginge es um Geld und Wetten. „Diese beiden Dinge haben eine magische Anziehungskraft auf viele Menschen und wirken zugleich wie Katalysatoren, die die Wesenszüge der Akteure überdeutlich hervortreten lassen“, sagt er. „Bei einigen Anlegern sind dies Gier und Selbstüberschätzung. Diese beiden Eigenschaften zeichnen den Narren an der Börse aus.“

Wer sich von seinen Emotionen leiten lässt, wird über kurz oder lang Geld verlieren. Darin sind sich Experten einig. Trotzdem setzt bei Anlegern immer mal wieder der Verstand aus, wenn sie eine große Chance wittern oder – das andere Extrem – Panik bekommen. Es sind übrigens keinesfalls nur die unerfahreneren Privatanleger oder Börsenneulinge, die sich zum Narren machen. „Gier und Selbstüberschätzung sind absolut nicht auf Privatanleger beschränkt“, sagt Feiden. Denn nicht wenige institutionelle Investoren würden ihre eigenen Fähigkeiten überschätzen.

Die zehn wichtigsten Aktien-Regeln

Eigene Strategie festlegen

Gegen die größer werdenden Unwägbarkeiten sollte man sich zuallererst mit einer Strategie wappnen: Wer an kräftiges Wachstum in Deutschland glaubt, an einen anhaltenden Boom der Schwellenländer und hohen privaten Konsum, kann weiter am Aktienmarkt investieren. Wer skeptisch ist, sollte seine Bestände hingegen nicht aufstocken.

Widerstandskraft zeigen

Eng verbunden mit der ersten Regel: Immer wieder kommt es vor, dass sich Dinge anders entwickeln, als man erwartet hat. Es ist wichtig, sich selbst immer wieder zu hinterfragen und nicht jeder Entwicklung hinterherzulaufen. Eine solche Reaktion zeugt nicht von einem geringen Vertrauen in die eigene Strategie. Es kostet meist auch Geld, weil die Masse schon vorher diese Richtung eingeschlagen und das Gros an Rendite eingefahren hat.

Richtig mischen

Groß oder klein, spekulativ oder konservativ, liquide oder illiquide, dividendenstark oder dividendenschwach, Substanz oder Wachstum: Bei Aktien ist die Auswahl riesig. Der richtige Mix aus spekulativen und konservativen Titeln hilft, Schwankungen zwischen guten und schlechten Zeiten auszugleichen. Nicht zu unterschätzen sind starke Dividendenzahler, die Jahr für Jahr den Grundstock für eine solide Rendite legen.

Barrieren einbauen

Keine Frage, die Börsen haben in den vergangenen zehn Jahren stärker geschwankt als in allen Dekaden zuvor. Das wird so bleiben, mit wachsendem Computerhandel sogar noch zunehmen. Wer sein Risiko minimieren will, baut Barrieren ein – sogenannte Stopps. Gerne werden Stopps bei 20 Prozent über und unterhalb des aktuellen Kurses gewählt. Dann wird automatisch verkauft, wenn diese Grenzen erreicht sind. Kommt eine Phase überraschend steigender Kurse mit anhaltendem Aufwärtstrend, lässt sich die Barriere leicht nach oben verschieben. Wichtig ist dann, auch die Barriere am unteren Ende nachzuziehen.

Herdentrieb beobachten

Wichtig in Phasen überraschender Kurssteigerungen oder -stürze ist es, das Verhalten der Masse zu beobachten. Ist es noch nachvollziehbar oder völlig irrational? Häufig ist es irrational. Dann hilft meist die zweite Regel: Widerstandskraft zeigen. Nach einigen Monaten kehrt die Rationalität von ganz allein zurück. Der Kurssturz aus dem vergangenen Jahr und die jüngste Entwicklung beweisen das gerade wieder.

Risiko rausnehmen

Sind Aktien wie seit Jahresbeginn schon um 30, 40 oder gar 50 Prozent gestiegen, dann sind Anschlussgewinne in der Regel nur noch schwer zu erzielen. Phrasenverdächtig ist zwar die alte Weisheit: „An Gewinnmitnahmen ist noch niemand zugrunde gegangen.“ Richtig ist sie trotzdem.

Insidern folgen

Firmenchefs haben einen gewaltigen Vorteil gegenüber normalen Aktionären. Sie wissen weit mehr als jeder Analyst oder Kommentator, wie es in ihrem Unternehmen aussieht. Insider nennt man sie deshalb. Sie melden ihre Orders innerhalb von fünf Handelstagen an die Börsenaufsicht Bafin. Das Handelsblatt veröffentlicht alle zwei Wochen das sogenannte Insider-Barometer, das aus der Summe aller Kauf- und Verkaufsorders Schlüsse für den weiteren Verlauf in Dax & Co. zieht. Jüngste Tendenz: Vorstände und Aufsichtsräte verkaufen mehr als sie kaufen. Vorsicht also!

Geopolitische Ereignisse beachten

Terroranschläge und Naturkatastrophen kommen unerwartet. Politische Konflikte wie zwischen Israel und dem Iran schwelen meist länger. Auch entscheidende Wahlen sind vorhersehbar und haben immer Einfluss auf die Börse. Dabei gilt generell: Wahljahre sind gute Börsenjahre.

Auf reale Werte setzen

Mit Optionsscheinen oder Bonus-Zertifikaten lässt sich zwar aus einem Aufwärtstrend ein noch größerer Profit schlagen. Dies sind jedoch in der Regel Wetten ohne realen Hintergrund. Aktien sind reale Werte.

Moden misstrauen

Vor allem Aktien einzelner Branchen unterliegen immer wieder gewissen Moden. Doch die wechseln wie im realen Leben, und manchmal geht das schneller, als man denkt. Das bekommt gerade die einst angesehene Solarenergie-Branche bitter zu spüren.

Fondsmanager Christoph Bruns wird noch deutlicher: „Unter den Institutionellen gibt es mindestens so viele Narren wie unter Privatanlegern“, sagt er. „Aber im Unterschied zu den Privatinvestoren handelt es sich um sehr gut informierte Narren, die aber keinen Vorteil aus ihrem Wissen ziehen können.“

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

10.07.2012, 15:55 Uhr

Was fuer ein komischer Artikel. Man ist ein Narr, weil man seine Gefuehle nicht beherrscht??!!

Die Anleger sind fuer mich Narren, weil sie in Aktien von Unternehmen investieren, von denen sie absolut nichts wissen. Dies trifft zumindest auf den Grossteil der Anleger zu. Wer kennt schon Bilanz und G&V oder gar die Konkurrenz? Dies hat dann mit Anlage nichts zu tun, sondern mehr mit reinem Gluecksspiel.

buldi

10.07.2012, 17:24 Uhr

Stubi so ist es halt-, Analyse Bilanz, G&V, Vorstand, usw. alles langweilig, besser ein Börsenbrief oder guter Artikel und zack mit einem CFD hinein ins Geschehen. Na ja wems gefällt......mir nicht, ich bin lieber langweilig :-)

melitaz

10.07.2012, 17:43 Uhr

Seit über einem Jahrzehnt investiere ich in Aktien und meine Regeln sind sehr klar und werden strikt eingehalten.
So habe ich 2008 in der Finanzkrise keine Veräufe getätigt, sondern antizyklisch zugekauft. Vordergründig geriet mein Depot dadurch erheblich in die Miesen, doch heute ist wieder alles im Lot. Die Überlegung den Bestand zu halten, beruhte auf die damals anstehende Einführung der Abgeltungssteuer. Jetzt kann ich Gewinne steuerfrei realisieren, während bei Verkauf und Neuerwerb unweigerlich die Abgeltungssteuer anfallen würde. Zu dieser Strategie gehört viel Diziplin, ein Notgroschen für Unvorhersehbares und das Wissen wie man eine Bilanz liest.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×