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21.05.2012

14:59 Uhr

Börsenweisheiten

Schaufeln für die Goldgräber

VonJessica Schwarzer

Anleger sind bei Trendthemen gerne dabei und wollen mitverdienen. Doch wenn die Preise rasant steigen, lohnt es sich vielleicht eher in die Ausrüster zu investieren, als direkt beim Goldrausch mitzumachen.

Ein Goldnugget im Blick. Sollte man bei einem Goldrausch in Schaufeln investieren? ap

Ein Goldnugget im Blick. Sollte man bei einem Goldrausch in Schaufeln investieren?

DüsseldorfOb Ölpreisrally, Goldrausch oder Internethype – Anleger wollen dabei sein und am neuesten Boom verdienen. Aber sind am Ende die Ausrüster und Zulieferer die besseren Investments?

Glaubt man dem verstorbenen André Kostolany, dann ist es so. Der Altmeister der Börse sagte einst: „Investiere bei einem Goldrausch nicht in die Goldgräber, sondern in Schaufeln!“. Doch stimmt das auch heute noch? 

Die zehn wichtigsten Aktien-Regeln

Eigene Strategie festlegen

Gegen die größer werdenden Unwägbarkeiten sollte man sich zuallererst mit einer Strategie wappnen: Wer an kräftiges Wachstum in Deutschland glaubt, an einen anhaltenden Boom der Schwellenländer und hohen privaten Konsum, kann weiter am Aktienmarkt investieren. Wer skeptisch ist, sollte seine Bestände hingegen nicht aufstocken.

Widerstandskraft zeigen

Eng verbunden mit der ersten Regel: Immer wieder kommt es vor, dass sich Dinge anders entwickeln, als man erwartet hat. Es ist wichtig, sich selbst immer wieder zu hinterfragen und nicht jeder Entwicklung hinterherzulaufen. Eine solche Reaktion zeugt nicht von einem geringen Vertrauen in die eigene Strategie. Es kostet meist auch Geld, weil die Masse schon vorher diese Richtung eingeschlagen und das Gros an Rendite eingefahren hat.

Richtig mischen

Groß oder klein, spekulativ oder konservativ, liquide oder illiquide, dividendenstark oder dividendenschwach, Substanz oder Wachstum: Bei Aktien ist die Auswahl riesig. Der richtige Mix aus spekulativen und konservativen Titeln hilft, Schwankungen zwischen guten und schlechten Zeiten auszugleichen. Nicht zu unterschätzen sind starke Dividendenzahler, die Jahr für Jahr den Grundstock für eine solide Rendite legen.

Barrieren einbauen

Keine Frage, die Börsen haben in den vergangenen zehn Jahren stärker geschwankt als in allen Dekaden zuvor. Das wird so bleiben, mit wachsendem Computerhandel sogar noch zunehmen. Wer sein Risiko minimieren will, baut Barrieren ein – sogenannte Stopps. Gerne werden Stopps bei 20 Prozent über und unterhalb des aktuellen Kurses gewählt. Dann wird automatisch verkauft, wenn diese Grenzen erreicht sind. Kommt eine Phase überraschend steigender Kurse mit anhaltendem Aufwärtstrend, lässt sich die Barriere leicht nach oben verschieben. Wichtig ist dann, auch die Barriere am unteren Ende nachzuziehen.

Herdentrieb beobachten

Wichtig in Phasen überraschender Kurssteigerungen oder -stürze ist es, das Verhalten der Masse zu beobachten. Ist es noch nachvollziehbar oder völlig irrational? Häufig ist es irrational. Dann hilft meist die zweite Regel: Widerstandskraft zeigen. Nach einigen Monaten kehrt die Rationalität von ganz allein zurück. Der Kurssturz aus dem vergangenen Jahr und die jüngste Entwicklung beweisen das gerade wieder.

Risiko rausnehmen

Sind Aktien wie seit Jahresbeginn schon um 30, 40 oder gar 50 Prozent gestiegen, dann sind Anschlussgewinne in der Regel nur noch schwer zu erzielen. Phrasenverdächtig ist zwar die alte Weisheit: „An Gewinnmitnahmen ist noch niemand zugrunde gegangen.“ Richtig ist sie trotzdem.

Insidern folgen

Firmenchefs haben einen gewaltigen Vorteil gegenüber normalen Aktionären. Sie wissen weit mehr als jeder Analyst oder Kommentator, wie es in ihrem Unternehmen aussieht. Insider nennt man sie deshalb. Sie melden ihre Orders innerhalb von fünf Handelstagen an die Börsenaufsicht Bafin. Das Handelsblatt veröffentlicht alle zwei Wochen das sogenannte Insider-Barometer, das aus der Summe aller Kauf- und Verkaufsorders Schlüsse für den weiteren Verlauf in Dax & Co. zieht. Jüngste Tendenz: Vorstände und Aufsichtsräte verkaufen mehr als sie kaufen. Vorsicht also!

Geopolitische Ereignisse beachten

Terroranschläge und Naturkatastrophen kommen unerwartet. Politische Konflikte wie zwischen Israel und dem Iran schwelen meist länger. Auch entscheidende Wahlen sind vorhersehbar und haben immer Einfluss auf die Börse. Dabei gilt generell: Wahljahre sind gute Börsenjahre.

Auf reale Werte setzen

Mit Optionsscheinen oder Bonus-Zertifikaten lässt sich zwar aus einem Aufwärtstrend ein noch größerer Profit schlagen. Dies sind jedoch in der Regel Wetten ohne realen Hintergrund. Aktien sind reale Werte.

Moden misstrauen

Vor allem Aktien einzelner Branchen unterliegen immer wieder gewissen Moden. Doch die wechseln wie im realen Leben, und manchmal geht das schneller, als man denkt. Das bekommt gerade die einst angesehene Solarenergie-Branche bitter zu spüren.

Max Otte ist skeptisch. „Zwar ist es richtig, dass mit Ausrüstern in Boom-Branchen viel und zum Teil mehr Geld verdient werden kann als mit den eigentlichen Unternehmen der Branche“, sagt der Bestsellerautor aus Köln. "Allerdings ist das fast immer kapitalintensives Projektgeschäft oder Maschinenbau.“ Und das birgt Risiken, über die sich Anleger bewusst sein müssen. Schaufeln heiße auf die moderne Wirtschaft übertragen Investitionsgüter. 

Markus Zschaber, Chef der gleichnamigen Kölner Vermögensverwaltung, warnt grundsätzlich davor, in einen „Rausch hinein zu investieren“. Dies bedeute meist, dass die fundamental gerechtfertigte Basis einer nachhaltigen und attraktiven Investition bereits nicht mehr gegeben sei. Übersetzt heißt das, dass die Aktien bereits viel zu teuer seien. 

Er kann Kostolanys Rat trotzdem einiges abgewinnen: „Diese Börsenweisheit werte ich als einen Hinweis darauf, bei Trendthemen nicht nur die Potenziale der Großkonzerne im Blick zu haben, sondern auch  Zulieferer oder Dienstleister in den Fokus zu nehmen“, sagt Zschaber. „Gerade bei globalen Trendthemen bietet die vielschichtige Wertschöpfungskette, an der viele Unternehmen angegliedert sind, herausragende Potenziale.“

Die Entwicklungen im heimischen Maschinenbau oder der Automobilindustrie beispielsweise, aber auch in der Gesundheitsbranche hätten in der Vergangenheit gezeigt, welches Potenzial in mittelständischen Unternehmen, Zulieferern und Dienstleistern stecke.

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