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06.12.2013

09:23 Uhr

Börsenweisheiten von Kostolany und Co.

Dividendenrendite? Etwas für Spießer!

VonOliver Stock

Manche Börsenweisheiten machen arm, andere helfen, den eigenen Wohlstand zu vermehren. Das neue Buch von Handelsblatt-Autorin Jessica Schwarzer hilft, bewährte Lehren von bloßen Börsenmythen zu unterscheiden.

Börsenexperte und Bestsellerautor André Kostolany ist schon lange tot, doch seine Börsenweisheiten gelten auch heute noch. Imago

Börsenexperte und Bestsellerautor André Kostolany ist schon lange tot, doch seine Börsenweisheiten gelten auch heute noch.

DüsseldorfNadelstreifen, wallendes Haar, eiskaltes Lächeln: „Gier ist gut“, sagt Gordon Gekko, Börsenhai aus dem Filmklassiker „Wall Street“. Der Mann landet vor dem Abspann im Gefängnis. „Gier verschleiert den Blick für harte Fakten“, sagt Jessica Schwarzer, Autorin der erfolgreichen Handelsblatt-Online-Serie „Börsenweisheiten“. Sie hat in einem Buch diese Weisheiten zusammengefasst und widerlegt auf 234 Seiten nicht nur fiktive Antihelden wie Gordon Gekko, sondern überprüft auch, was weise Sprüche von Warren Buffett bis André Kostolany im wahren Börsenleben taugen.

Die  Deutschen sind ein Volk von Aktienmuffeln. Die Anleger hierzulande gehen lieber auf Nummer sicher und stapeln ihr Geld auf dem Sparbuch, heißt es in einer Bankstudie, die acht europäische Länder miteinander vergleicht. Auch das Deutsche Aktieninstitut beklagt die fehlende Aktienkultur in Deutschland. „Trotz aller Bekanntheit und Beliebtheit des Dax sind die Deutschen kein Volk von Aktionären geworden“, sagt Geschäftsführerin Christine Bortenlänger. Den Zahlen des Instituts zufolge sind nur sieben Prozent der Deutschen direkt in Aktien investiert. Die Börsenturbulenzen im Zuge der Finanzkrise haben viele Privatanleger verunsichert und die Risikofreude gedämpft.

Waschechte Börsianer fassen sich bei so viel Ignoranz an den Kopf: Wie können denkende und rechnende Menschen vor dem Hintergrund von Minizinsen und einer nicht wegzudiskutierenden Inflation ihr Geld woanders unterbringen als an der Börse? Beinahe jede Alternative sei reine Geldverschwendung, behaupten sie. „Wir erleben hier gerade eine großflächige Vermögensvernichtung in Deutschland“, meint Thorsten Reitmeyer, der als Chef einer der größten deutschen Direktanlagebanken, der Comdirect, allerdings keine ganz unverdächtige Quelle darstellt.

Wie passen diese beiden Wirklichkeiten zusammen? Ist das Verhältnis der Deutschen zu ihrem Geld die Geschichte eines großen Missverständnisses?

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

Jessica Schwarzer versucht in „Sell in May and go away?“ zu vermitteln zwischen denen, die uns weismachen wollen, dass ihnen an der Börse alles gelingt, und denen, die sich längst voller Misstrauen gegenüber der scheinbar mühelosen Geldvermehrung abgewandt haben. Sie entzaubert die Gurus, und sie würdigt die Meister.

Kommentare (12)

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wolfshund

06.12.2013, 09:54 Uhr

Sind wir schon wieder im "Frühjahr 2000"??? Gestern ging ich über den Weihnachtsmarkt meiner Stadt, da sprach ein junger Mann mit überdrehten Augen zum Nachthimmel hinauf aber gemeint zu seinem schläfrig dreinblickenden Gegenüber, dass dieser sich ganz sicher mit Apple, McDonalds oder auch einem Indexfonds auf Rohstoffe fühlen könne. Nun pustet OS zum Angriff auf Dividenden, die seit Jahren nicht mehr so angegriffen, allenfalls zeitweise als tückisch, dargestellt wurden.

Bankster

06.12.2013, 10:20 Uhr

Die Dividendenrendite ist durch die Börsenblase nahe der Tagesgeldzinsen. Dazu habe ich auch noch ein Klumpenrisiko namens FED oder EZB im Portfolio. Nein, danke.
Die Goldmans & Co werden nicht ewig auf Long spekulieren.

Account gelöscht!

06.12.2013, 10:37 Uhr

Die Dividendenrendite im Dax dürfte ca. 3-4 mal so hoch sein wie die aktuellen Tagesgeldzinsen. Und so lange die FED und EZB an den niedrigen Zinsen und der Geldschwemme festhalten werden GS und Co. auch auf Long spekulieren. Von daher, selbst Schuld wer auf Tagesgeld etc. setzt.

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