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23.12.2015

07:40 Uhr

Böse Börse

Was die Märkte durchschütteln könnte

Der Ölpreis klettert auf 100 Dollar? Trump gewinnt die US-Wahlen? Merkel stürzt? Ein Brexit? Mitunter passieren Dinge, mit denen niemand gerechnet hat. Wie die Welt der schwarzen Schwäne 2016 für Anleger aussehen würde.

Ein überraschender Abschied der Kanzlerin: Für die Finanzmärkte wäre das ein „Schwarzer Schwan“ – ein hoch unwahrscheinliches Ereignis. Imago

Bundeskanzlerin Angela Merkel

Ein überraschender Abschied der Kanzlerin: Für die Finanzmärkte wäre das ein „Schwarzer Schwan“ – ein hoch unwahrscheinliches Ereignis.

DüsseldorfBöse Überraschungen haben Anleger in den vergangenen Monaten einige erlebt – der Skandal von Volkswagen um geschummelte Abgastests, kurz „Diesel-Gate“, war einer davon. Oder die extremen Reaktionen der Weltbörsen am „schwarzen Montag“, am 24. August auf das – übrigens wenig überraschende – niedrigere Wachstum in China. Solche Schocks kann es immer wieder geben. Ausgelöst durch Geschehnisse, mit denen niemand gerechnet hat, die fast unvorstellbar sind, die eigentlich nicht hätten geschehen dürfen. Ausgelöst durch „schwarze Schwäne“.

Was das 2016 sein könnte? Die Phantasie kennt da keine Grenzen. Vom Sieg eines Exzentrikers bei der US-Präsidentschaftswahl über den Austritt der Briten aus der Europäischen Union bis hin zu Hackern, die die Wall Street angreifen – der Finanzinformationsdienst Bloomberg hat mit Dutzenden derzeitiger und früherer Diplomaten, Ökonomen, Investoren, geopolitischen Strategen und Sicherheitsberatern eine Reihe von Ereignisse mit potenziell schwerwiegenden Konsequenzen diskutiert. Die Szenarien wurden von 119 Ökonomen im Rahmen einer Umfrage untersucht und bewertet.

So legen die Deutschen an

Sparbuch und Tagesgeld über alles

Deutsche Anleger bleiben ihrem Sparbuch sowie dem Tagesgeldkonto treu (77,3 Prozent) – und das obwohl zwei von drei Befragten davon ausgehen, dass das niedrige Zinsniveau in Europa noch mindestens drei bis fünf Jahre anhalten wird (65,4 Prozent). Auf dem zweiten Platz folgen Aktien bzw. Aktienfonds, in die 26,1 Prozent der Befragten investiert sind. Immobilien- oder Immobilienfondsanlagen halten 19,1 Prozent, Anleihen oder Rentenfonds 12,4 Prozent der Anleger. 9,5 Prozent der Befragten haben derzeit kein Geld in einer der genannten Anlageformen investiert.

 

Quelle: Goldman Sachs Asset Management/TNS Infratest (Oktober 2015)

Sicherheit ist Trumpf

Sicherheit bleibt unverändert das wichtigste Kriterium bei der Entscheidung über die eigene Geldanlage (61,8 Prozent). Die ständige Verfügbarkeit des Geldes ist 29,4 Prozent der Anleger am wichtigsten, eine hohe Rendite nannten lediglich 6,8 Prozent der Befragten als wichtigstes Kriterium.

Wirtschaftliche Krisen als größtes Risiko

Als größte Risiken für ihre Geldanlage sehen private Investoren wirtschaftliche Krisen (42,9 Prozent). Mit deutlichem Abstand folgen Inflation und politischen Krisen (22,1 Prozent bzw. 15,6 Prozent). Staatsverschuldung und Deflation spielen, wie im vergangenen Jahr, eine vergleichsweise untergeordnete Rolle.

Frustrierte Sparer, zufriedene Aktionäre

60,4 Prozent der Anleger, die ein Sparbuch oder Tagesgeldkonto haben, sind eher unzufrieden oder sogar äußerst unzufrieden mit ihrer Geldanlage. Mit ihren Erträgen bei Aktien/Aktienfonds, die gerade im aktuellen Niedrigzinsumfeld bessere Renditen versprechen, sind 69,2 Prozent sehr zufrieden oder eher zufrieden, mit Anleihen/Rentenfonds 62,7 Prozent. Am zufriedensten sind Immobilien- bzw. Immobilienfondsanleger mit ihren Erträgen: Hier geben über drei Viertel der Anleger an, sehr zufrieden oder eher zufrieden zu sein (78,4 Prozent).

Herausgekommen ist eine erschreckende, aber auch unterhaltsame Aufzählung vieler „schwarzer Schwäne“. Manche sind denkbar, andere eher nicht. Gänzlich ausschließen lassen sie sich aber alle nicht. Böse Überraschungen lassen sich eben nie ausschließen – vor allem an der hoch emotionalen Börse nicht.

Stellen wir uns einmal vor: In einer klaren Märznacht im Irak stehen die Wüstenebene auf der Al-Faw-Halbinsel und ein kurdisches Dorf nahe Syrien und der Türkei in Flammen. Am nächsten Tag bekennt sich die terroristische Vereinigung Islamischer Staat (IS) zu den zerstörerischen Anschlägen auf die wichtigsten Ölpipelines des Landes.

Die Welt verliert auf einen Schlag 3,5 Millionen Barrel täglicher Ölexporte. Während sich der Irak um Reparaturen bemüht, bricht Gewalt im ölreichen Nigerdelta aus, Algerien versinkt nach dem Tod seines Präsidenten im Chaos und es gibt einen Coup in Venezuela. Die übervollen Öllager schützen die Weltwirtschaft eine Weile, doch die Branche arbeitet mit dem seit Jahren dünnsten Kapazitätspuffer. Der Rohölpreis klettert letztlich über 100 Dollar je Barrel und die Federal Reserve kehrt ihren Straffungszyklus um, um eine weltweite Rezession zu verhindern.

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Unmöglich oder plausibel? Anleger sollten dieses Szenario und andere „Schwarze Schwäne“ nicht ignorieren. Schließlich wurde die Welt auch in diesem Jahr mit einer Rekordzahl an Flüchtlingen und brutalen Terrorangriffen überrascht.

Im Jahr 2016 könnte unerwarteten Ereignissen eine verstärkte Bedeutung zukommen, weil die US-Notenbank Fed ihre Ära des ultra-billigen Geldes beendet hat. Denn damit verlieren die Märkte einen Puffer, der sie vor geopolitischen Schocks wie beispielsweise der Krim-Annexion geschützt hatte, warnen Experten.

„Es gibt nur noch sehr wenig Munition, die eingesetzt werden kann, um solche Arten von Risiken zu mindern“, sagt Tina Fordham, Chefanalystin für globale Politikfragen bei der Citigroup. „Die Zentralbanken haben noch immer die meisten Schüsse übrig und wir haben bereits den Rubikon der unkonventionellen Maßnahmen überschritten.“

Kommentare (5)

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Herr Joern Gebert

23.12.2015, 10:01 Uhr

Es kann auch jederzeit zum Ausfall an der Comex kommen. Silber existiert 200 als Derivat als physisch vorhanden ist. Wenn nicht geliefert werden kann, könnte Silber die Kettenreaktion auslösen. Silber kippt Gold, Gold kippt Staatsanleihen -und Staatsanleihen bringen die Aktienmärkte zu Implosion.http://gebert-trade.weebly.com/silver.html

Herr Peter Delli

23.12.2015, 10:12 Uhr

„Wenn Merkel ihre Arbeit verliert, wäre plötzlich die Hölle los“,
Da bricht der Anfang eines Aufschwungs in Europa aus, denn die angebliche Sparsamkeit wäre zu Ende. Mal abgesehen von den merklischen Invasoren, die auf Jahrzehnte Unruhen und Kosten verursachen werden.
Aber trotzdem die Gefahr ist ein Krieg im arabischen Umfeld zwischen den USA und
Russland ebenso in der Ukraine. Dann brennen die Schwäne.

Herr Tom Bauer

23.12.2015, 10:30 Uhr

Alle im Artikel dargestellten Szenarien beruhen auf derzeit bekannten Krisenherden und aktuellem Sachstand. Das ist der Fehler aller Prognosen. Den Überraschungen sind eben nur dann Überraschungen wenn es nicht auf der Agenda stand!
Das wird auch 2016 so sein, dass am Ende des Jahres jeder sagt.... "Mensch, das hatte ich nicht auf dem Schirm."
Was heißt das für die Geld-Anlage?

Geduld und eine halbwegs korrekt Titelauswahl.
Und last but not least für Aktieninvestoren:
Nein, der Gewinn liegt nicht im besten Kaufkurs sondern im besten Verkaufkurs!

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