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13.03.2006

14:13 Uhr

BRIC

Kurzporträt: Indien

In keinem der vier Länder hat der Report von Goldman Sachs (GS) ein größeres Echo gefunden als in Indien. Seine Minister zitieren bis heute die zentrale Schlussfolgerung mit Triumph: Dass Indien über die nächsten 50 Jahre die höchsten Wachstumsraten der Welt genießen und seine Wirtschaft bereits in 30 Jahren zur Nummer drei nach China und den USA aufsteigen könnte.

Indien: BIP pro Kopf. Für eine größere Ansicht der Graphik klicken Sie bitte auf das Pluszeichen.

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HB DÜSSELDORF. Nur sagen sie meist „wird“ statt „könnte“, erheben die visionäre Prognose zu einer Art Naturgesetz und unterschlagen eine Kernvoraussetzung für deren Eintreten: stetiger Fortschritt bei Wirtschaftsreformen.Der Report ist Balsam auf die Seele eines Landes, das nach seiner Unabhängigkeit Jahrzehnte unter dem Dünkel einer uralten Hochkultur und einem Unterlegenheitskomplex wegen seiner blamablen Wirtschaftsleistung litt. Letztere nimmt jedoch rasch ab angesichts einer zunehmenden Zahl weltweit expandierender Firmen und einer Wachstumsrate, die sich in den vergangenen drei Jahren auf durchschnittlich acht Prozent beschleunigt hat.

Die Deutsche Bank kommt in einer weniger langfristigen Studie zu einem ähnlichen Ergebnis wie GS: Mit 5,5 Prozent pro Jahr soll Indien danach bis 2020 schneller wachsen als jedes andere Land der Welt. Doch auch dann bliebe Indien ein armes Land: Das Pro-Kopf-Einkommen stiege bis 2020 von heute zehn nur auf 16 Prozent des deutschen Niveaus. Indiens günstige Demographie ist neben seinen bekannten Standortvorteilen für Wissensindustrien und der Demokratie ein Kernargument für langfristig hohe Wachstumsraten, die laut GS und Deutscher Bank in zehn Jahren auch die Chinas überrunden dürften. Jeder vierte Mensch unter 25 lebt in Indien, ein Drittel von den einer Milliarde Indern ist unter 15 Jahre alt. Die Demokratie verzögert und verwässert zwar ständig wichtige Reformen, sichert langfristig aber größere politische Stabilität und mindert Rückschlagsrisiken. „Die Kombination aus politischer Freiheit und wirtschaftlicher Liberalität ist eine mächtige Kraft“, begründet der Handelsökonom, Columbia-Professor Jagdish Bhagwati, seine Zuversicht. Er zählt nicht zu den Skeptikern, die fürchten, korrupte und populistische Politiker könnten den Fortschritt aufhalten. Die Erwartungen der Bevölkerung, vor allem der Armen, zwängen jede Regierung zu pragmatischen Reformen, glaubt Bhagwati. olm

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