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07.08.2013

19:39 Uhr

Bric-Staaten

„Das Vertrauen der Anleger ist erschüttert“

VonDirk Wohleb

Goldman Sachs erklärte einst, dass Brasilien, Russland, Indien und China  an den großen Wirtschaftsmächten vorbeiziehen. Jetzt scheint ihr Siegeszug vorbei. Woran das liegt, erläutert Fondsmanager Thomas Gerhardt .

Thomas Gerhardt gilt Schwellenländer-Investment-Papst. Jetzt arbeitet der ehemalige DWS-Fondsmanager bei Edmond de Rothschild. PR

Thomas Gerhardt gilt Schwellenländer-Investment-Papst. Jetzt arbeitet der ehemalige DWS-Fondsmanager bei Edmond de Rothschild.

Die Aktienmärkte der Industriestaaten eilen von einem Hoch zum nächsten. Die BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China zählen hingegen zu den Verlierern. Ist die Party dort vorüber? 
Diese Meinung höre ich derzeit häufig von Investoren. Aber ich teile diese Einschätzung nicht. Die Börsen in den BRIC-Ländern stehen aus ganz verschiedenen Gründen unter Druck. Da gibt es handfeste politische und wirtschaftliche Probleme. In Russland lässt die Unternehmensführung zu wünschen übrig. Diese Probleme mit der Corporate Governance sind im Prinzip nichts Neues. Nur treten jetzt alle Schwachstellen zutage, die in den Boomjahren in den Hintergrund rückten.

Aber ist es doch sehr erstaunlich, dass diese Probleme gerade jetzt auf das Gemüt der Anleger schlagen, da an den Börsen in Frankfurt, New York oder London die Champagnerkorken knallen?
Die gute Stimmung an den westlichen Börsen ist ein zentraler Grund für den Kapitalabzug, den Schwellenländer und allen voran die BRIC-Staaten gerade erleben. Mit der Erholung der Wirtschaft ziehen US-Anleger – und sie sind die wichtigste Investorengruppe weltweit – Geld aus Schwellenländern im großen Stil ab und kehren auf ihren Heimatmarkt zurück. Viele Anleger folgern daraus, dass die Emerging Markets insgesamt nicht mehr attraktiv sind.

Sie finden aber nach wie vor Gelegenheiten, in Schwellenländer zu investieren?
Genau so ist es. Aktuelle Krise hin oder her – Schwellenländern bieten das, was Anleger in den hochentwickelten Ländern nicht mehr finden: Hohes Wirtschaftswachstum, häufig eine demografisch gute Bevölkerungsstruktur und ein extrem hohes Konsumwachstum. In vielen Ländern entsteht eine kaufkräftige Mittelschicht. Dieses Entwicklungspotenzial ist noch lange nicht ausgeschöpft. Leider konzentriert sich die öffentliche Wahrnehmung der Schwellenländer zu sehr auf die BRIC-Staaten.

Was 2013 aus 100.000 Euro wurde (1.Halbjahr)

Silber

62.510 Euro

Brasilianische Aktien

73.320 Euro

Gold

74.490 Euro

Russische Aktien

83.690 Euro

Chinesische Aktien (Shanghai Composite)

88.730 Euro

Türkische Aktien

90.210 Euro

Bundesanleihen

98.260 Euro

US-Treasuries

98.540 Euro

Sparbuch

100.032 Euro

Tagesgeld

100.930 Euro

US-Dollar

101.220 Euro

Deutsche Aktien

104.360 Euro

Öl (WTI)

105.550 Euro

Japanische Aktien

113.630 Euro

US-Aktien

115.280 Euro

Venezolanische Aktien

151.720 Euro


Ist die Finanzindustrie mitverantwortlich, dass Anleger Schwellenländer mit dem Begriff BRIC gleichsetzen?
Ich habe schon vor fünf Jahren gesagt, dass Schwellenländer mehr sind als nur die vier BRIC-Staaten. Viele Länder in der zweiten Reihe sind attraktiv. Sich nur auf die BRIC-Länder zu konzentrieren war und ist ein Fehler. Die Probleme in den BRIC-Ländern überdecken, welch große Schritte Länder wie die Philippinen, Thailand oder Indonesien in den vergangenen Jahren gemacht haben.

Lassen Sie uns einen Blick nach China werfen. Es ist für viele Investoren der Inbegriff von BRIC und Emerging Markets. Auch Chinas Börse nimmt trotz hoher Wachstumsraten keine gute Entwicklung. Woran liegt das?
Hinter China liegt ein Jahrzehnt, das seinesgleichen sucht. Zehn Jahre mit einem Wachstum von durchschnittlich zehn Prozent per annum sind historisch einmalig. Doch der Übergang von einem rein quantitativen zu einem qualitativen Wachstumsmodell geht nicht spurlos an dem Land vorüber. Viele Branchen, die noch in den vergangenen Jahren sehr lukrativ waren, verzeichnen starke Einbrüche. Anlageinvestitionen in Maschinen oder die Infrastruktur sind nicht mehr attraktiv.

Büßt China nun für das hohe Wachstum in der jüngsten Vergangenheit?
In jedem Fall werden jetzt die Schattenseiten des rasanten Wachstums sichtbar. Denken Sie nur an die Umweltprobleme oder die Korruption, die die Regierung jetzt angehen möchte. Nach der Lehman-Pleite hat der chinesische Bankensektor viele Kredite mit enormen Risiken vergeben. Das ist alles sehr intransparent und schwer einzuschätzen. Auch das ist für uns ein Grund, den chinesischen Finanzsektor zu meiden.

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

07.08.2013, 19:48 Uhr

...dünne industrielle Basis Brasiliens ausser Embraer....

Der Bundesstaat Sao Paulo schon für sich allein gibt eine Antwort... Da kennt einer Südamerika.



Gott_Mammon

07.08.2013, 20:04 Uhr

Es ist immer dass gleiche, wenige verarschen viele und sichern so die Existenz der eigenen Familie.

So ist ist in der Religion mit Kirchensteuer, GEZ, Steuer,etc..

Die Bank bzw. ein paar wenige Insider gewinnen immer.

Dass wenige Reich werden müssen viele ja sehr viele geschröpft werden.

Weder Staat, Justiz, Polizei, Politik kann den kleinen Leuten helfen, wenn sie am Tropf der wenigen Reichen hängen.

Wer glaubt denn noch wirklich an einen gerechten Gott, der auf der Dollarnote steht!?

Würde dieser Gott, soviel Ungerechtigkeit zulassen, oder ist der Gott von Amerika ein Gott namens Mammon!?

Account gelöscht!

08.08.2013, 07:53 Uhr

Die Problem mit den BRICS war schon seit 2-3 Jahren bekannt, insbesondere was China angeht (und von China hängen die "Rohstoffbrics" ab). Übersetzt in Deutsch dürfte dieser Artikel (und die anderen zum Thema, die sich beim HB gerade ZUFÄLLIG häufen) daher eher lauten:

"Leute, die Insider haben inzwischen glücklich ihr Geld abgezogen. Ihr dürft (und solltet) jetzt auch (dann können die Insider in einem bis ein paar Jahren nämlich auch wieder billig dort investieren und das Spiel mit dem Seifenblasen beginnt von vorne)"

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