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04.08.2015

18:43 Uhr

BRIC-Staaten in Gefahr

Experten warnen vor Konstellation für „perfekten Sturm“

VonFrank Wiebe

Die große Zeit der Schwellenländer als Lokomotive der Weltkonjunktur ist vorbei. Der internationale Großbanken-Verband IIF warnt vor mehreren gefährlichen Entwicklungen. Schuld daran ist auch die US-Notenbank.

Die geldpolitische Wende in den USA setzt die Schwellenländer unter Druck. Anleger ziehen ihr Kapital ab. dpa

Die geldpolitische Wende in den USA setzt die Schwellenländer unter Druck. Anleger ziehen ihr Kapital ab.

New YorkDer internationale Großbanken-Verband IIF warnt vor schwer wiegenden Problemen in den Schwellenländern. Die Experten sprechen von einem „perfect storm“ – eine Metapher für das Zusammentreffen von mehreren widrigen Entwicklungen. Managing Director Hung Tan fordert eine „Reform-Agenda, um die Chancen auf künftiges Wachstum zu verbessern“ und eine „starke Wirtschaftspolitik, um ihre Verwundbarkeit abzumildern“. Das IIF beobachtet traditionell sehr genau vor allem die Kapitalströme in die und aus den Schwellenländern.

Das IIF nennt vier Faktoren, die auf verhängnisvolle Weise zusammenwirken: den Abfluss von Kapital, eine teilweise hohe Verschuldung der Unternehmen, den Verfall der Rohstoffpreise und den Rückgang der Exporte insgesamt.

Damit bestätigt sich erneut, dass die große Zeit der Schwellenländer als Lokomotive der Weltkonjunktur vorbei ist und für eine Weile auch nicht wieder kommt. Die Faszination für die so genannten BRIC-Länder – Brasilien, Russland, Indien und China – hat ohnehin bereits stark abgenommen. Brasilien leidet unter wirtschaftlicher Schwäche und sozialen wie auch politischen Problemen.

Russland ist zu stark vom Ölpreis abhängig und hat sich politisch ins Abseits manövriert und sich damit Sanktionen eingehandelt. China stellt sich von starkem, exportgetriebenem Wachstum auf eine ruhigere, mehr binnenorientierte Wirtschaft um – was grundsätzlich der richtige Weg ist, aber auch zu Komplikationen führt. Außerdem scheint sich dort eine interne Immobilien- und Kreditblase gebildet zu haben, über deren Ausmaß die Experten noch streiten. Einzig Indien bietet neben vielen Problemen unter der – wenn auch politisch umstrittenen – Regierung Modi jedenfalls auch Lichtblicke.

Den Abfluss von Kapital, der mit einen entsprechenden Kursrückgängen verbunden ist, führt das IIF vor allem auf die anstehende Zinserhöhung der US-Notenbank (Fed) zurück. Wie schon 2013, als die Fed das erste Mal eine Straffung der Geldpolitik andeutete, fließt jetzt amerikanisches Geld zurück in die Heimat. Wichtige Faktoren dabei sind auch die Erholung der US-Wirtschaft und die Stärke des Dollars: Der Greenback hat laut IIF in den vergangenen drei Jahren gegenüber anderen Währungen, gewichtet nach Handelsvolumen, um 20 Prozent zugelegt und damit ein Zehnjahres-Hoch erreicht.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

04.08.2015, 18:59 Uhr

Lokomotive waren sie nie.

Letztlich war der gesamte Aufschwung dort auch nur ein Produkt der Fed-Politik des leichten und dazu billigen Geldes. Der damit jahrelang befeuerte US-$-Carrytrade kam damals bis etwa 2013, dem Datum erster Taperansage, den BRICS zugute.

Zweifach - hier und drüben - gehebelt landete es auf der Suche nach Überrendite vor allen Dingen dort und entfachte den jahrelangen Boom.

Ab 2013 ging es retour. Mittlerweile sind auch die nervenstärksten Investoren auf dem Rückzug - und sorgen ganz natürlich für schlechte Zeiten dort.

Herr Marc Otto

05.08.2015, 09:24 Uhr

Einfach herrlich.

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Hauptsache Bewegung in den Märkten, denn so kann man wenigstens Kasse machen. Eine herrlich Welt, wo immer Bewegung ist.

Herr Tom Schmidt

05.08.2015, 10:27 Uhr

Zitat: "Die Schuldensituation in den Schwellenländer ist nach Einschätzung der Experten vor allem bei den Unternehmen außerhalb des Bankensektors gefährlich. "

Man kann sich nur schief lachen. Da will jemand wieder gerettet werden! Natürlich! Die Schulden sind brandgefährlich, aber die Ursache liegt natürlich nicht im Bankensektor!!! Neine!!!! Wie auch!!! Schon wieder haben es die Idioten aus der Realwirtschaft verk... Trotz der hervorragenden Banker, die anscheinend das ganze Wachstum generieren (z.B. 7 % in China, während die Realwirtschaft schrumpft). Und was dann folgt, konnte ja niemand wissen...

Ich möchte an eine Parallele erinnern: 2004 kam die Deutsche Bank zu Kanzler Schröder und wollte Staatshilfen (er lehnte ab, kümmerte sich aber nicht mehr darum). Die Staatshilfen waren dann 5 Jahre später fällig... also... die Zeit läuft ab jetzt...

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