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17.05.2012

07:41 Uhr

BRIC-Staaten

„Polen ist attraktiver als Brasilien“

VonRolf Benders

Während ein Großteil der Investorengemeinde gebannt auf die BRIC-Staaten schaut, hält Ruchir Sharma den Hype für überzogen. Für den Morgan-Stanley-Experten liegen die spannenden Länder im Osten Europas.

Ruchir Sharma ist Experte für Schwellenländer. Kai Nedden Für Handelsblatt

Ruchir Sharma ist Experte für Schwellenländer.

Handelsblatt: Herr Sharma, die Investorengemeinde schaut immer noch wie gebannt auf die BRIC-Staaten. Ist das gerechtfertigt?

Ruchir Sharma: Nein. Das Konzept ist von gestern. Die Wachstumsraten werden fallen.

Warum das?

Alle Staaten in den Emerging Markets sind von einer Geldschwemme und vom Rohstoffboom nach oben getrieben worden. Alle sind gleichzeitig im Schnitt mit 7,5 Prozent gewachsen. Und die BRICs - also Brasilien, Russland, Indien und China - standen am stärksten im Rampenlicht, auch wegen des guten Marketings. Das endet nun.

Was macht Sie Sie so sicher?

Der zentrale Faktor ist China. Das Land hat einen kapital- und rohstoffintensiven Boom hinter sich. Die Nachfrageexplosion aus China hat die Rohstoffpreise massiv anziehen lassen, weil in den zwei Jahrzehnten davor zu wenig in die Exploration von Rohstoffen investiert worden war. Die größten Profiteure dieses Rohstoffbooms waren die anderen BRICs.

Was passiert jetzt?

Der Rohstoffboom geht zu Ende. Die Luft geht langsam aus dieser Blase raus. Das hat damit zu tun, dass China langsamer wachsen wird und sich auf höherwertigere Produktion mit weniger Rohstoffverbrauch konzentrieren wird. Gleichzeitig hat die Menschheit Wege gefunden, neue Vorkommen für viele Rohstoffe zu finden oder bestehende besser zu nutzen. Fallende Rohstoffpreise treffen die Lieferanten, in diesem Fall Brasilien und Russland.

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Aber die Rohstoffgurus erzählen uns doch, der Boom werde quasi nie enden...

Wir haben uns die Rohstoffpreisentwicklung über die Jahrzehnte genau angesehen. Zwei schwachen Jahrzehnten folgt immer ein starkes Jahrzehnt, an dessen Ende die Menschen immer glauben, die Preise würden stetig weiter steigen. Aber das stimmt eben nicht.

Gilt das auch für Gold?

Gold ist eine andere Sache. Der Preis von Gold basiert viel mehr auf spekulativer Nachfrage. Denn Gold wird kaum „verbraucht“ und es wird als Wertbewahrungsmittel eingesetzt.

Wie ist ihr Szenario für China?

Die Mehrheit der Wall Street rechnet mit acht oder neun Prozent Wachstum in China. Ich denke, in den nächsten fünf Jahren wird es eher bei sechs Prozent liegen. Die Wirtschaft hat einfach einen Reifegrad erreicht, der das Wachstum bremst.

Kommentare (2)

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17.05.2012, 09:38 Uhr

Nicht nur im Osten Europas, sondern auch noch weiter östlich, also Russland, China, halt der ganze ost- und südostasiatische Raum. Aber auch Indien und Afrika sollte nicht vergessen werden.

Herr_Rossi

17.05.2012, 12:07 Uhr

Da weiß man nicht, wer seichter ist: der, der solche Aussagen macht, oder der, der so ein Interview veröffentlicht.

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