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31.01.2014

19:52 Uhr

Briefwechsel in Washington

Dammit, Janet!

VonJan Mallien

An seinem letzten Arbeitstag schreibt Fed-Chef Ben Bernanke einen Brief an seine Nachfolgerin Janet Yellen. Er hat ein paar Tipps für sie auf Lager – und erzählt von seinem größten Anfängerfehler.

Mit besten Grüßen von Ben: „Lass Dir verdammt nochmal nicht reinreden, Janet“ Getty Images

Mit besten Grüßen von Ben: „Lass Dir verdammt nochmal nicht reinreden, Janet“

Dear Janet,

Heute war mein letzter Arbeitstag bei der Fed. Bevor ich morgen nach Florida in den Urlaub fliege, wollte ich Dir noch ein paar Tipps mit auf den Weg geben.

Zunächst einmal lass Dir gesagt sein: Es kommt immer anders, als man denkt. Als ich vor acht Jahren anfing, hatte ich gedacht, ich könnte mir einen lauen Lenz machen. Nach dem anstrengenden Professorenjob wollte ich endlich ein bisschen ausspannen. Was bot sich da mehr an, als der Chefposten bei der Fed? Das war 2006: Die Wirtschaft brummte, die Preise waren im Griff und die Arbeitslosigkeit lag bei schlappen 4,6 Prozent. Eigentlich brauchte man die Zentralbanken gar nicht. Okay, wir mussten ab und zu die Leitzinsen rauf und runter schieben. Aber das hat mein Vorgänger Alan Greenspan von der Badewanne aus gemacht.

Das harte Leben fing erst zwei Jahre später an. Ich kann Dir genau sagen wann: Am 15. September 2008. Da ist die Investmentbank Lehman Brothers von einem auf den anderen Tag Pleite gegangen. Wir saßen ganz schön im Schlammassel! Auf einmal spielten alle verrückt: Die Politiker, die Börsen und die Banken. Aber ich habe zum Glück die Nerven bewahrt. In solchen Situationen musst Du klare Kante zeigen! Uns drohte eine noch größere Krise als 1929.

Ich habe mich dann zu außergewöhnlichen Schritten entschieden. Wir haben den Leitzins auf ein historisches Tief gesenkt. Aber nur mit dem Leitzins kannst Du da wenig machen. Also kauften wir Immobilienpapiere und Staatsanleihen. Mehrere Billionen haben wir dafür ausgegeben. Ein paar kleingeistige sogenannte Experten haben mir deshalb den Spitznamen "Helicopter Ben" verpasst. Auf so was darfst Du nicht viel geben. Im Rückblick kann ich nur sagen: Es war goldrichtig.

Quantitative Lockerung in den USA

Konzept

In der Finanzkrise hat die Fed die Zinsen auf 0 bis 0,25 Prozent gesenkt. Da sie damit an ihre Grenze stößt, ist sie dazu übergegangen Anleihen und Vermögenswerte zu kaufen.

Ziel

Mit dem Leitzins kann die Fed vor allem die kurzfristigen Zinsen beeinflussen. Wichtiger für Investitionen sind jedoch die langfristigen Zinsen. Durch Anleihekäufe will die Fed diese drücken.

QE I

Der damalige Fed-Chef Bernanke kündigt im März 2009 an, dass die US-Notenbank Anleihen und Wertpapiere im Volumen von einer Billion US-Dollar kauft.

QE II

Im November 2010 legt die Fed ein zweites Programm auf. Bis zum zweiten Quartal 2011 will sie für weitere 600 Milliarden US-Dollar US-Staatsanleihen kaufen.

Operation Twist

Im September 2011 entschließt sich die Fed, kurzläufige Staatsanleihen (bis drei Jahre Laufzeit) im Volumen von 400 Milliarden US-Dollar zu verkaufen. Im Gegenzug will sie das Geld in langläufige Staatsanleihen investieren.

QE III

Im September 2012 beschließt die Fed ein drittes Anleihekaufprogramm. Pro Monat will sie für 40 Milliarden US-Dollar Staatsanleihen kaufen. Im Dezember 2012 erhöht sie den Wert auf 85 Milliarden US-Dollar.

Tapering

Inzwischen hat die neue Fed-Chefin Janet Yellen damit begonnen, das monatliche Volumen der Anleihekäufe herunterzufahren. Am 29. Oktober hat sie beschlossen, die Anleihekäufe auf Null zu senken..

 

Mein Kollege Mario Draghi aus Frankfurt war viel zurückhaltender. Zu nennenswerten Anleihekäufen hat sich dieser Zauderer bis heute nicht durchringen können. Wie Du siehst, läuft unsere Wirtschaft viel besser als die in der Euro-Zone. Dein Job wird es nun sein, mein Lebenswerk zu vollenden. Lass Dir verdammt noch mal nicht reinreden, Janet. Auch nicht von Deinem Mann. Er hat einen Nobelpreis gewonnen, aber seien wir ehrlich: Von Geldpolitik hat er doch keine Ahnung!

Nun geht es darum, die expansive Geldpolitik langsam zurückzuführen. Ich rate Dir dabei zur Vorsicht. Besser ein bisschen mehr Inflation als Unsicherheit an den Märkten. Wenn Du den Übergang schaffst, werden es Dir die zukünftigen Zentralbank-Chefs danken. Die haben dann wieder einen ruhigen Job.

 

Best,

Ben

PS: Du kennst ja meine Telefonnummer, falls Du Rat brauchst.   

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

31.01.2014, 20:37 Uhr

Selten so gelacht. Geht`s noch dümmer?

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