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02.07.2017

11:53 Uhr

Britisches Pfund

Ein Banker im Auge des Brexit-Sturms

VonYvonne Esterházy
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Das Chaos um den EU-Austritt schüttelt das britische Pfund durch, in den Handelsräumen der Banken wird die Gefechtsbeleuchtung eingeschaltet. Wir haben dem Devisenhändler Russell LaScala über die Schulter geschaut.

Seit dem Brexit-Votum schwankte die britische Währung ungewohnt heftig. Reuters

Bank of England

Seit dem Brexit-Votum schwankte die britische Währung ungewohnt heftig.

Russell LaScala hat interessante Augen, das eine blau, das andere grünbraun, ganz so wie die Augen der Poplegende David Bowie – und sie blitzen auf, wenn er sich an die Nacht des EU-Referendums vor einem Jahr erinnert. Das Pfund legte damals in wenigen Stunden eine Achterbahnfahrt hin, erst getragen von der Erwartung auf einen Verbleib der Briten in der EU; doch am Ende sackte die britische Währung auf ein 30-Jahres-Tief, weil die Insel überraschend für den Austritt aus der EU gestimmt hatte. Der 51-jährige New Yorker mit den kantigen Zügen ist Co-Chef des weltweiten Devisenhandels bei der Deutschen Bank und arbeitet in der Regel hier in der Londoner Great Winchester Street.

LaScala sitzt in einem Konferenzraum im achten Stock, er trägt die Uniform der Banker, ein hellblaues Hemd und eine rot-weiß gemusterte Krawatte, er isst ein Sandwich, während er sich erinnert und dabei sparsam gestikuliert.

Es sind keine schlechten Zeiten für Devisenhändler. Nichts fürchten sie mehr als ruhige Märkte, in denen es kaum etwas zu verdienen gibt. Zwar handelt die Deutsche Bank nicht auf eigene Rechnung, doch sie verdient mit, wenn ihre Kunden rege kaufen und verkaufen. Hauptsache, es bewegt sich was, rauf oder runter, darauf kommt es an: dass sich was tut am Markt, dass man auf irgendwas wetten kann, dass es nicht ganz so schlimm kommt wie gedacht oder vielleicht noch viel schlimmer! Unruhige Zeiten, Ungewissheit – für Devisenhändler sind unklare Lagen das, was für Unternehmer stabile Verhältnisse sind: Traumbedingungen für Investitionen.

Börsen ABC

Termingeschäft

Ein Termingeschäft ist ein Geschäft, das erst zu einem bei Vertragsabschluss festgelegten zukünftigen Zeitpunkt erfüllt werden muss. Zum Beispiel muss eine bestimmte Ware oder ein Finanzinstrument vom Verkäufer erst in drei Monaten geliefert und vom Käufer vollständig bezahlt werden. Unterschieden werden unbedingte und bedingte Termingeschäfte: Bei einem unbedingten Termingeschäft geht der Käufer die Verpflichtung ein, eine bestimmte Menge des Handelsgegenstands zu einem späteren Zeitpunkt zu einem bei Vertragsabschluss festgelegten Preis vom Verkäufer zu kaufen (der Käufer geht damit eine „Long Position“ ein); der Verkäufer verpflichtet sich, zu den vereinbarten Konditionen zu liefern („Short Position“). Ein bedingtes Termingeschäft ist ein Optionsgeschäft. Termingeschäfte werden teils über Terminbörsen mit standardisierten Terminkontrakten angebahnt und abgewickelt oder außerbörslich im Handel „über den Banktresen“ (Over-the-Counter, OTC) zu frei ausgehandelten Konditionen. Mit Termingeschäften kann man finanzielle Risiken absichern (Hedging), auf Preisänderungen spekulieren (Trading) oder Preisunterschiede zwischen Märkten ausnutzen (Arbitrage).

Quelle: Bundesbank.de

Terminkontrakt

Ein Terminkontrakt hat ein standardisiertes unbedingtes Termingeschäft zum Inhalt, das über eine Terminbörse vereinbart und abgewickelt wird. Terminkontrakte gibt es für zahlreiche Handelsgegenstände wie zum Beispiel Weizen, Gold, Devisen, Staatsanleihen oder Aktien. Die Details eines börsennotierten Terminkontrakts wie zum Beispiel die genaue Spezifikation des unterliegenden Handelsgegenstands, die Kontraktgröße und seine Laufzeit sind standardisiert. Ein Terminkontrakt ist ein Derivat: Seine Preisentwicklung hängt maßgeblich von der Preisentwicklung des unterliegenden Handelsgegenstands, dem „Basiswert“, ab. Terminkontrakte, werden zur Absicherung gegen das Risiko von Preisschwankungen eingesetzt („Hedging“), zur Spekulation auf eine erwartete Preisentwicklung des Basiswerts (Trading) oder um Preisunterschiede zwischen Märkten auszunutzen (Arbitrage). Terminkontrakte (englisch: Futures) sind von Optionskontrakten (bedingten Termingeschäften) zu unterscheiden.

Derivat

Als Derivat wird in der Bankensprache ein Finanzinstrument bezeichnet, dessen Preis von der Preisentwicklung einer zugrunde liegenden Bezugsgröße, dem sogenannten Basiswert, abhängt. Basiswerte sind zum Beispiel Aktien, Aktienindizes, Staatsanleihen, Währungen, Zinssätze, Rohstoffe wie Weizen und Gold, ferner auch Swaps. Derivative Finanzinstrumente können als unbedingte Termingeschäfte oder als Optionsgeschäfte ausgestaltet sein, sie werden teils an Terminbörsen mit standardisierten Konditionen gehandelt, teils außerbörslich (Over-the-Counter, OTC) zu frei ausgehandelten Bedingungen. Preisänderungen im Basiswert führen in bestimmten Situationen zu erheblich stärkeren Preisänderungen der jeweiligen Derivate. Mit Derivaten kann man finanzielle Risiken absichern (Hedging), auf Preisänderungen spekulieren (Trading) oder Preisunterschiede zwischen Märkten ausnutzen (Arbitrage).

Optionsgeschäft

Ein Optionsgeschäft ist ein bedingtes Termingeschäft, bei dem der Käufer ein Wahlrecht (Option) bezüglich eines zugrunde liegenden Basiswerts erwirbt. Basiswerte sind zum Beispiel Aktien, Anleihe-Terminkontrakte oder Rohstoffe. Unterschieden werden Kauf- und Verkaufsoptionen. Der Käufer einer Kaufoption erwirbt das Recht, den Basiswert zu einem zukünftigen Zeitpunkt zu einem vorab festgelegten Preis zu kaufen; der Käufer einer Verkaufsoption erwirbt entsprechend das Recht, den Basiswert zu verkaufen. Der Käufer kann dieses Recht aber auch ungenutzt lassen, wenn ihm dies günstiger erscheint. Demgegenüber hat der Verkäufer einer Kauf- bzw. Verkaufsoption kein Wahlrecht, er muss als „Stillhalter“ das Geschäft erfüllen, wenn der Käufer seine Option ausübt. Für das Wahlrecht (die Option) zahlt der Käufer dem Stillhalter bei Vertragsabschluss eine Prämie. Käufer können Optionsgeschäfte nutzen, um sich gegen unerwünschte Preisentwicklungen des Basiswerts abzusichern (Hedging) oder um auf Preisentwicklungen zu spekulieren (Trading). Dem Verkäufer geht es in erster Linie um die Vereinnahmung der Prämie. Unterschieden werden börsliche Optionsgeschäfte mit standardisierten Optionskontrakten und außerbörsliche Optionsgeschäfte. Bei einer „europäischen Option“ kann der Käufer sein Wahlrecht nur am Ende der vereinbarten Laufzeit des Optionsgeschäfts ausüben, bei einer „amerikanischen Option“ zu jedem Zeitpunkt während der Laufzeit.

Seit dem Brexit-Votum schwankte die britische Währung ungewohnt heftig: 12 Prozent Verlust gegenüber dem Euro, fast 20 Prozent gegenüber dem Dollar! Und auch seither immer wieder diese Ausschläge, je nachdem, ob die Politik das eine oder andere entscheidet. So war das Pfund im Oktober 2016 nur noch 1,20 Dollar wert, als Premierministerin Theresa May während des Parteitags der Tories einen „harten Brexit“ ankündigte, also den konsequenten Austritt Großbritanniens aus EU-Binnenmarkt und -Zollunion – weil sie sich zu einer strikt regulierten Einwanderungspolitik verpflichtet fühlte.

Und beim mysteriösen Flash Crash am 7. Oktober brach das Pfund zu Beginn des asiatischen Handels sogar um 6,1 Prozent ein, fiel in nur zwei Minuten auf 1,18 Dollar.

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