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25.04.2013

15:37 Uhr

Bruns Breitseite

Amerikanische Kapitalmarktdominanz

VonChristoph Bruns

Wer das Wesen und die Abläufe der Finanzmärkte verstehen will, tut gut daran, sich mit den Größenverhältnissen an den Börsen vertraut zu machen. Die Amerikaner dominieren die Märkte, die Europäer sind das selber schuld.

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Schaut man sich den Morgan Stanley Capital Index Welt (kurz: MSCI Welt), den etablierten Weltaktienmarktindex an, so sticht das herausragende Gewicht der USA mit rund 54 Prozent sogleich hervor. Deutsche Aktien sind in diesem Index derzeit mit circa 3,5 Prozent und damit etwas geringer als Frankreich oder etwa die Schweiz gewichtet.

Großbritannien, das vor 100 Jahren noch die Weltaktienmärkte anführte, besitzt derzeit noch eine Gewichtung von etwa 8,5 Prozent. Von einem Rule Britannia ist die Welt heute angesichts des stetigen seitherigen Bedeutungsverlustes Großbritanniens weit entfernt.

Stattdessen dominieren die Vereinigten Staaten die weltweiten Finanzmärkte, denn im Derivate-, im Rohstoff-, im Zins- und Fondsbereich ist das Bild mutatis mutandis ganz ähnlich. In der berühmten Aussage des Thomas Hobbes, „auctoritas, non veritas facit legem“ offenbart sich der Nutzen eines großen Finanzmarktes.

Größe schafft Macht und Macht schafft Recht. Es ist beileibe kein Zufall, dass der oben genannte Aktienindex aus den USA stammt. Ebenso wenig ist es Zufall, dass die Ratingagenturen und die Bilanzierungsstandards im Wesentlichen amerikanischen Zuschnitts sind. Selbst die Medien- und Berichterstattungsstandards an den Börsen haben sich im Laufe der Jahre deutlich amerikanisiert. Um dies zu sehen, genügt es, auf die Anzahl der Anglizismen zu schauen, mit denen dort täglich ohne weitere Reflektion herumgeworfen wird.      

Kommentare (5)

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JJJ

25.04.2013, 16:02 Uhr

Der hats drauf, schreibt auch tolle Bücher.

Chicago ist eine tolle Stadt. Schöne Grüße!

Mobius

25.04.2013, 17:23 Uhr

Man könnte auch anfügen, dass der tolle amerikanische Finanzmarkt auch die größte jemals beobachtete Finanzkrise ausgelöst hat, an der die Welt heute noch kaut. Man könnte auch anfügen, dass der Finanzsektor in den USA mehr Gewinn macht als die Realwirtschaft. Man könnte auch anfügen, dass die cleversten Studenten nicht in die Forschung gehen, um eine bessere Welt zu entwickeln, sondern lieber Trading-Algorithmen schreiben, um den Kleinanleger zu verarschen.


Die Diskussion um die richtige Größe des Finanzsektors und des Kapitalmarktes, der notwendigen Regulierung und der schädlichen Überregulierung, ist zu komplex als das einseitige Stimmungsmache hier hilfreich wären. Einen sinnvollen Beitrag in dieser Diskussion stellt dieser Artikel leider nicht da.

Da der Autor Fondsmanager ist, verwundert natürlich seine einseitige Position nicht - und zeigt, dass man das wirklich komplexe Thema klügeren und weitsichtigeren Akteuren überlassen sollte.

Account gelöscht!

25.04.2013, 20:11 Uhr

@Mobius

Sehr sinnhafter und tiefentransparenter Kommentar.

Sie haben meine volle Zustimmung.

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