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16.05.2013

10:25 Uhr

Bruns Breitseite

Ausländische Aktionäre lieben es deutsch

VonChristoph Bruns

63 Prozent der Dax-Aktien sind in ausländischer Hand. Die Deutschen machen tendenziell einen Bogen um die Beteiligung an der ihrer Wirtschaft und setzten stattdessen lieber auf renditeschwache Anlagen. Ein Fehler.

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Die im Dax vertretenen Unternehmen werden überwiegend von ausländischen Anlegern gehalten, das zeigt eine Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young zum Jahr 2012. Deutsche Investoren besitzen demnach lediglich 37 Prozent der Dax-Aktien, mit weiter sinkender Tendenz. Von Ausländerfeindlichkeit kann also beim Dax nicht die Rede sein.

Wenn Deutschland bei der Anwerbung hoch qualifizierter junger Zuwanderungswilliger ebenso erfolgreich wäre, wie die Dax-Unternehmen bei ihren Bemühungen, ausländische Aktionäre zu gewinnen, dann müssten wir uns um die demographische Problematik weniger Sorgen machen. An den Börsen spielen patriotische oder nationale Gedanken glücklicherweise keine bedeutende Rolle. Vielmehr geht es um wahrgenommene wirtschaftliche Attraktivität und Vorteilhaftigkeit. Offenbar sind deutsche Unternehmen im Ausland als Kapitalanlage beliebt. Die Kursentwicklung der vergangenen Jahre hat den Ausländern Recht gegeben und charakterisiert sie als kluge Investoren.

Nun stellt sich jedoch die Frage, warum in einem Land, dessen Wohlstand und Einfluss in der Welt ausschließlich seiner wirtschaftlichen Potenz geschuldet ist, die eigenen Bürger tendenziell einen Bogen um die Beteiligung an ihrer Wirtschaft machen? Und man darf getrost annehmen, dass ausländische Aktien ebenso wenig in den Depots der Deutschen liegen wie heimische Dividendenpapiere.

Schlimmer noch: Anstatt sich an der Wirtschaft qua Aktie zu beteiligen, bevorzugen deutsche Anleger renditeschwache und zudem risikoreiche Anlagen. Ein Blick in die entsprechende Vermögensstatistik der Bundesbank reicht aus, um diesen Befund zu erhärten. Auch die in Deutschland überbeliebte Anlage in Gold gehört zu den Anomalien hiesiger Anlagekultur. Von der Staatslenkung der Kapitalanlagen in Richtung Solar-, Wind- und Biogasanlagen soll gar nicht weiter geredet werden. Überhaupt spielt der Staat auf dem Feld der Kapitalanlagen eine volkswirtschaftlich wertvernichtende Rolle, sofern man Opportunitätskosten mit bedenkt.

Kommentare (1)

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16.05.2013, 12:57 Uhr

Die Deutschen sind nunmal eher bodenständig, sicherheitsorientiert, verlässlich, nachhaltig, konstant, solide. Alles schöne Werte, die gut tun.

Börsenkurse bilden aber bei aller 'technischen Analyse' lediglich tagesaktuelle Stimmungen und Meinungen ab - mit teils abenteuerlicher und höchst irrationaler Volatilität.

Im Kern ist dieses Meinungsgeschacher mehr als unsolide, deshalb werden sich die Deutschen den Börsen AUF EWIG nur nachrangig bedienen.

Gleichwohl dokumentieren Eigentumsrechte aber Mitspracherechte, also MACHT und EINFLUSS über unsere Wirtschaft. In den Betrieben wird wirtschaftliche Kultur definiert.

Ich finde es wichtig, diesen Einfluss auch UNSEREN WERTEN gemäß zu erhalten. Ddurch ist gewährleistet, dass wir uns in der Arbeit auch WOHL FÜHLEN können.

Wir sollten einen DEUTSCHLAND-FONDS auflegen, der steuerlich gefördert Anlegergelder sammelt. Er könnte sich dann und wann mit Minderheitsbeteiligungen in unserer Industrie als Ankeraktionär einbringen, um ein Mitspracherecht zu sichern.

Unsere Wirtschaft ist zu schade dafür, um sie dem deppernden Angelsachsen-Kapital - das in primitivster Weise nur den schnellen egozentrischen Deal sucht - schutzlos zum Raubbau auszusetzen.

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