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10.01.2013

11:53 Uhr

Bruns Breitseite

Ein Gespenst steht vor der Tür: Altersarmut

VonChristoph Bruns

In Deutschland ist es Tradition, auf Vater Staat zu setzen. Doch bei der Rente wird das nicht ausreichen. Altersarmut droht. Und die ist auch Folge der selbstverschuldeten Unmündigkeit der Bürger in Sachen Kapitalanlage

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Ein Gespenst geht um in Deutschland, das Gespenst der Altersarmut. Meine erste Kolumne auf Handelsblatt Online beginnt mit diesen leicht abgewandelten Worten von Karl Marx. Ob aber die oft menetekelte Altersarmut ebenso verschwindet wie der Kommunismus dies im 20. Jahrhundert tat, wird sich zeigen müssen.

Das Problem Altersarmut ist eine Kombination aus etlichen Faktoren, von denen der demographische Wandel der Wichtigste ist. Aber auch schwach rentierliche Anlageformen gehören zu den weiteren Parametern. Anders als der Kommunismus ist die Altersarmut keine – wie Marx meinte – geschichtsinnewohnende Konsequenz, sondern Folge der selbstverschuldeten Unmündigkeit der Bürger in Sachen Kapitalanlage.

In Deutschland hat es Tradition, auf „Vater Staat“ zu setzen und seiner Führungsweisheit zu vertrauen. Riester, Rürup und viele steuerbevorzugte Anlageformen legen dafür Beweis ab.

Der Gedanke, sich an der Wirtschaft zu beteiligen, liegt eher fern. Und das Instrument der Beteiligung an der Wirtschaft trägt den Namen „Aktie“. Schon das Wort bewirkt in Deutschland überwiegend abstoßende Reaktionen.

Nun muss aber gesehen werden, dass die Unmündigkeit in Kapitalanlagefragen ihre Ursache in Faulheit und Feigheit hat, oder wie Immanuel Kant, der großer Denker aus Königsberg, es dereinst formulierte: „Es ist bequem, unmündig zu sein!“

Inzwischen ist es auch teuer, denn die Unmündigkeit der meisten Deutschen in Sachen Kapitalanlage hat zu einer enormen volkswirtschaftlichen Vermögensfehlallokation geführt, wenn man einmal von der entstandenen Staatsabhängigkeit ganz absieht. Schwachrentierliche und oft riskante Anlagen dominieren die Depotaufstellungen. Ein Übriges tut der Steuersparwahn unserer Landsleute.

Um die eklatante Fehlentwicklung mittel- bis längerfristig zu korrigieren, muss von unten neu angesetzt werden. Ein Pisa-Plan zur ökonomischen Grundbildung muss her! In den Schulen muss vermittelt werden, dass der Wohlstand Deutschlands in der Wirtschaft erarbeitet wird und sonst nirgendwo. Die Kinder müssen verstehen lernen, warum es unbedingt notwendig für Unternehmen ist, Gewinne zu erwirtschaften.

Vielleicht ist dann im Laufe von Jahren auch eine Renaissance der Beteiligung der Bürger an der Wirtschaft qua Aktienanlage wieder salonfähig. Klug war sie immer schon.

Aus Chicago

Ihr Dr. Christoph Bruns

 

Christoph Bruns ist Fondsmanager und Inhaber der Fondsboutique Loys.

Kommentare (42)

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Analyst

10.01.2013, 12:07 Uhr

Ich fände es auch besser, wenn ich meine Rentenbeiträge monatlich auf ein Kaptialanlagekonto mit Sperrcharakter gezahlt bekommen würde. Nur, was einmal so dolle angefangen hat und von Herrn Blühm mit vollen Händen ausgegeben wurde, muss wg. Generationengedöngel und so leider weitergeführt werden.
Vorschlag: Ich zahl die Hälfte und bekomme auch die Hälfte. Die fehlende Hälfte muss dann anderweitig eingespart werden z.B. bei den Subventionskatalogen. Transitionsphase: 50 Jahre. Glücklicher Begleitumstand ist eine rapide Steigerung der zur Verfügung stehenden Investitionssumme für die deutsche Volkswirtschaft.

MBoudik

10.01.2013, 12:17 Uhr

Die Probleme sind doch wie folgt:

1) Die demographische Entwicklung wird unterschätzt.
2) Die notwendigen Sparraten werden unterschätzt und können lange nicht von jedem aufgebracht werden. Eine Einmalanlage von Euro 100.000 bringt eine lebenslange Rente um Euro 400 / Monat.

3) Am „Gespenst“ der „Altersarmut“ verdienen derzeit Banken, Versicherungen etc sehr gut. Dieses Geld fehlt in der Anlage und reduziert die Rendite deutlich.

4) Die Politiker sehen sich gerne als Retter, sprich als große Umverteiler. Private Sparer haben oft das Nachsehen. Wer nichts tut, erhält die Wohnung finanziert und die Pflege finanziert. Wer eine Rente unter Euro 1000 / Monat hat, bekommt auch nicht mehr!

5) Die Lasten werden vornehmlich den Jüngeren aufgebürdet. Diese haben aber langfristig kein Vertrauen in das System oder/und wollen sich erst einmal grundlegende Dinge wie Hausstand, Ausbildung schaffen. Somit ist das Potential begrenzt, gerade wenn auch noch der Nachwuchs „finanziert“ werden muss.

6) Politiker, Beamte, Angestellte in Großunternehmen usw. haben oftmals durch Versorgungszusagen eine ausreichende Rente. Der Zeitarbeiter – am anderen Ende der Skala – aber kein Geld für die Altersvorsorge.

Ondoron

10.01.2013, 12:21 Uhr

Meine Erdkundelehrerin, die gute Frau Rosendahl von der Broermann-Schule in Oberhausen, hat uns Schülern 1974(!) eine Alterspyramide vorgelegt und kommentiert. Sie meinte schon damals, daß wir später für unsere Rente selber sorgen müssten, weil der Staat das unmöglich wird leisten können.
Frau Rosendahl hat es also mindestens schon seit 1974(!) gewußt. Die dilettantischen Politiker wissen es immer noch nicht.
Leid tun mir diejenigen, die aktuell immer noch auf Lebensversicherungen, Pensionszusagen, etc. bauen. Entsetzlich finde ich die Naivität, irgendeinem Politiker überhaupt über den Weg zu trauen. Die EU, das Euroabenteuer... dieses Schäublesche Lügen, Täuschen und Tricksen... dann der Wowereit und der Flughafen. Es ist einfach nur noch WIDERLICH. Eine Demokratie ist das jedenfalls nicht!

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