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24.01.2013

10:33 Uhr

Bruns Breitseite

Freundschaft zwischen Staaten gibt es nicht

VonChristoph Bruns

Gerade erst wurden die deutsch-französische Freundschaft und der Élysée Vertrag gefeiert. Doch anstatt Lobreden auf die Vergangenheit zu halten, müssen schleunigst die Konzeptionsmängel des Euro beseitigt werden.

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Die wohlgemeinten Reden sind verklungen und die vielköpfige französische Reisegemeinschaft ist auf Kosten des Steuerzahlers wieder nach Hause gereist. Es gehört zum bundesrepublikanischen Ritual, die sogenannte Deutsch-Französische Freundschaft ständig zu betonen.

Dabei ist der Ausdruck Freundschaft völlig unangebracht. Zwischen Staaten gibt es keine Freundschaft, sondern allenfalls gemeinsame Interessen. Es stünde der Politik gut zu Gesicht, diesbezüglich mehr Sachlichkeit und Nüchternheit an den Tag zu legen.

Gefeiert wurde der Élysée Vertrag, der vor fünfzig Jahren unterschrieben wurde. Aber: Freunde schließen keine Verträge, sondern vertrauen einander. Staaten schließen Verträge, weil sie sich nicht trauen.

Wie Staaten zuweilen mit Verträgen umgehen, hat man beim Euro und den Maastricht-Kriterien beobachten können. Insofern sollten jetzt nicht nostalgische Feierlichkeiten, sondern eine Rückkehr zu Vertragstreue und zwischenstaatlicher Rechtsstaatlichkeit angegangen werden.

Anstatt Lobreden auf die Vergangenheit zu halten, müssen nunmehr schleunigst die Konzeptionsmängel der europäischen Verfassung, des Euro und der Europäischen Zentralbank beseitigt werden. Für den Frieden in Europa dürfte nichts so wichtig sein wie die Wiederherstellung des Vertrauens in die Rechtsstaatlichkeit Sie ist auch Grundlage für die Schaffung von Wohlstand, der seinerseits Voraussetzung und Garant des Friedens ist.

Deutschland und Frankreich sollten sich sodann einmal ernsthaft mit der Frage beschäftigen, wie Wohlstand für alle, so wie es Ludwig Ehrhardt im Sinn hatte, zu erzielen wäre. Klar ist dies: Wer wünscht, dass die Bevölkerung signifikanter an der Wirtschaft und ihrem Wachstum beteiligt ist, als das heute der Fall ist, der muss das Instrument der Beteiligung – die Aktie – stärker in den Blick nehmen. Diesbezüglich hört man aus der Politik jedoch keine Lobreden. Stattdessen setzt man auf den Staat als Heilsbringer. Auch dies hat eine fünfzigjährige Tradition.

Aus Chicago

Ihr

 

Dr. Christoph Bruns

 

Christoph Bruns ist Fondsmanager und Inhaber der Fondsboutique Loys.

Kommentare (14)

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Account gelöscht!

24.01.2013, 10:49 Uhr

Herr Bruns hat einen illustren Vorredner. Daselbe hat schon Charles deGaulle gesagt. Und der war nicht zufällig ausgerechnet Franzose. Sic!

Schwatten

24.01.2013, 10:53 Uhr

Herr Bruns meint "...Aber: Freunde schließen keine Verträge, sondern vertrauen einander. Staaten schließen Verträge, weil sie sich nicht trauen.::" Sorry, diese Grundannahme ist falsch. Richtig ist: "Verträge schliesst man solange man sich verträgt" damit man in Situationen wo man sich nicht mehr verträgt allenfalls auf bereits verabredete Positionen zurückfällt. Dieses Primat der Rechtsstaatlichkeit ist ein europäisches Erbe, ein historisch gewachsener Erfolgsfaktor europäischen Zusammenlebens. Die alles erodierende Wahrheit derzeit ist jedoch: Dieser rechtsstaatliche Grundsatz ist mit Füßen getreten worden (no bail out - jeder haftet für seine eigenen Schulden; Verbot der Staatsfinanzierung durch die EZB bzw. Verpflichtung auf Sicherung der Währungsstabilität). Damit haben EU-Institutionen und der EU-Prozeß als solcher irreparablen Schaden genommen.

Realo

24.01.2013, 10:57 Uhr

"Wer wünscht, dass die Bevölkerung signifikanter an der Wirtschaft und ihrem Wachstum beteiligt ist, als das heute der Fall ist, der muss das Instrument der Beteiligung – die Aktie – stärker in den Blick nehmen. Diesbezüglich hört man aus der Politik jedoch keine Lobreden. Stattdessen setzt man auf den Staat als Heilsbringer."

Das hat viel mit einem Geldsystem zu tun, das nicht mehr an reale Werte und real vorhandenes und verpfändbares Eigentum geknüpft ist, sondern durch Luftbuchungen Geld aus dem Nichts schöpft. Die Geldschöpfung aus dem Nichts wird auf Dauer nicht funktionieren, die Keynesianische Schuldenmacherei, verbunden mit einem sozialistischen Staatsdenken, wird letztendlich nicht funktionieren, weil die Grundlagen nicht mehr stimmen.

Was man nicht hat, kann man nicht ausgeben. Das wollen die Linken zwar nicht einsehen, es ist aber so. Bedingungsloses Grundeinkommen macht faul, Unterstützung schuldensüchtiger Staaten führt langfristig für Gläubiger und Schuldner in die Katastrophe, Sozialismus führt zu Unfreiheit und Wohlstandseinbußen. Punkt.

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