Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.06.2013

14:34 Uhr

Bruns Breitseite

Nippons großes Experiment

VonChristoph Bruns

Lange dümpelte das Wachstum in Japan vor sich hin, doch inzwischen geht es für die Wirtschaft aufwärts. Auf Deutschlands Exportunternehmen warten hier noch große Chancen - auch die Anleger dürfen hoffen.

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Über zwanzig Jahr lang darbte Japan vor sich hin. Minimales Wachstum, hohe Handelsbilanzüberschüsse, fallende Aktien- und Immobilienkurse und eine starke Landeswährung Yen prägten diese Periode. Immerhin durfte sich die alternde, aber im Durchschnitt wohlhabende, Bevölkerung Nippons einer hohen Geldwertstabilität und ausgewiesen niedriger Zinsen erfreuen.

Seit dem Atomunfall von Fukushima hat sich allerdings ein neues Denken Bahn gebrochen. Zunächst ist festzuhalten, dass Japan inzwischen ein Handelsbilanzdefizit aufweist, welches sich vor allem aus den notwendigen, inzwischen aber sehr teuren Energieeinfuhren in dieses rohstoffarme Land erklärt. Außerdem hat im letzten Jahr ein Regierungswechsel stattgefunden, in dessen Gefolge eine Neuausrichtung der japanischen Wirtschaftspolitik eingeleitet wurde.

Nach zwei als verloren empfundenen Jahrzehnten hat sich die Regierung unter dem Premierminister Shinzo Abe, der bereits von September 2006 bis September 2007 dieses Amt bekleidete, zu einem radikalen Kurswechsel entschlossen. Ziel ist es, aus dem seit 1990 bestehenden revolvierenden Zyklus aus Nullwachstum und Deflationstendenzen auszubrechen und stattdessen Wachstum und Inflation zu erzeugen.

Dementsprechend wurden die Ziele für die japanische Notenbank neu festgelegt. Nunmehr ist die Notenbank verpflichtet, Inflation zu schaffen und die Landeswährung Yen abzuwerten. Der gewählte Weg zu diesen Zielen besteht in einer Flutung der Märkte mit gedruckten Yen.

Bereits nach sieben Monaten kann die japanische Notenbank unter ihrem Präsidenten Haruhiko Kuroda erstaunliche Erfolge verbuchen. Der Yen hat seit Anfang Oktober um nicht weniger als 25 Prozent gegenüber dem US-Dollar abgewertet. Gegenüber dem Euro hat der Yen seit dem Juli des letzten Jahres sogar um circa 35 Prozent an Wert verloren.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

06.06.2013, 15:28 Uhr

Wie wurde Deutschland vor rund 30 Jahren niedergeschrieben - sehr gerne auch von Japan aus. Viele strömten gen Osten (auch einige depperte Mainstream-Deutsche), wo alles so viel besser schien. Deutschland schien dem wirtschaftl. Untergang geweiht - nur noch ein Frage der Zeit, wann es kollabieren sollte.

Warum das nicht so kam? Weil der Deutsche lernte. Internationalisierung, Aufbrechen der Deutschland-AG, Befreiung der Wirtschaft von vielen bürokrat. Hemmnissen(sicher noch nicht genug), hohe individuelle Flexibilität und Erfindergeist und nicht zuletzt eine gewisse Sturheit.

Und der Japaner? Absolut obrigkeitshöriger, selbstversessener Typ, der abends sein wahres (betrunkenes) Gesicht zeigt. Darauf hat die Welt nun mal nicht gewartet.

Und so wird auch der mentalitätsbedingte wirtschaftliche Untergang der Reiskocher weitergehen, der übrigens nichts mit der vielbeschworenen Vergreisung zu tun hat.

Jede Wette.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×