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04.04.2013

12:10 Uhr

Bruns Breitseite

Privatanleger werden bevormundet

VonChristoph Bruns

Die Bundesregierung will Privatanlegern untersagen, Hedge-Fonds zu kaufen. Dieses geplante Verbot zeigt einmal mehr: In den Augen des Staates sind die Deutschen in Kapitalmarktangelegenheiten weitgehend unmündig.

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Die Bundesrepublik will über die Vorschläge der Europäischen Union (EU) zur Regulierung der Finanzmärkte hinausgehen und den Erwerb von Single-Hedge-Fonds für Privatanleger gänzlich untersagen. Auch Dachfonds soll von 2014 an der Erwerb von Single Hedge Fonds untersagt werden.

Im Grunde passt diese Entwicklung gut in das allgemeine Bild. Vor den Wahlen soll das Aktivismusrad in Schwung gehalten werden. Da trifft es sich, dass der Begriff „Hedge-Fonds“ bei den meisten Menschen – sie sind allerdings unkundig in der Sache – negativ belegt ist und vermeintliche Punkte auf der Gutmenschskala eingefahren werden können.

Problematisch ist nur, dass es in Deutschland so gut wie keine Single Hedge-Fonds mehr gibt (einen der wenigen Single Hedge-Fonds nach deutschem Recht steuert seit vielen Jahren der Verfasser dieser Zeilen), nachdem die Regierung Schröder/Fischer die Auflegung von regulierten und registrierten Hedge-Fonds seit 2004 auch in Deutschland möglich gemacht hat.

Was ein Single Hedge-Fonds ist, das regelt in Deutschland seither das Investmentgesetz (InvG) im Paragraphen 112. Erstaunlicherweise ist dort von „Sondervermögen mit zusätzlichen Risiken“ die Rede, womit bereits dokumentiert ist, dass der Gesetzgeber das Wesen von Hedge-Fonds nicht versteht. Zugleich ist mit der unglücklichen Bezeichnung die negative Haltung des Staates zu Hedge-Fonds offen gelegt.

Wäre der Staat neutral, so hätte er die Bezeichnung „Sondervermögen mit zusätzlichen Freiheiten“ gewählt. Bei einer positiven Geisteshaltung zu Hedge-Fonds, die ja bekanntlich weltweit über robuste Mittelzuflüsse berichten, hätte der Staat auch von „Sondervermögen mit zusätzlichen Chancen“ sprechen können. Aber Chancen pflegen gegenüber scheinbarer Sicherheit bei deutschen Anlegern und den sie repräsentierenden Bundestag vernachlässigt zu werden.

Kommentare (9)

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04.04.2013, 12:29 Uhr

Ja was soll denn die Regierung machen?

Verbieten Sie es nicht, wird weiterhin bei jedem riskanten Geschäft immer wieder die Bank oder sonstiger Berater als ursächlich beschimpft. Egal ob der kunde gierig war oder nicht, die Bank ist nachher der Depp, weil sie angeblich nicht gewarnt hat. Trotz Risikobogen, Aufklärung,... Beratungsverschulden, Beratungsverschulden. heute will doch keiner mehr für seine eigene Entscheidung verantwortlich gemacht werden. Nein, heute ist man glücklich, wenns gut geht und wenns in die Hose geht, stehen Verbraucherschützer und Rechtsanwälte schon bereit. Siehe auch das Handelsblatt Online. Erst letztens waren Verbraucheranwälte wieder eine Topstory wert. Was bleibt denn der Regierung übrig, außer den Bankkunden zu bevormunden? Etwa ein Gesetz zu erlassen, dass den Verbraucher"schutz" eindämmt und den Verbraucher selbst in die Verantwortung nimmt? Sind Sie des Wahnsinns? Das glauben Sie doch selbst nicht, da würde sich die Presse geradezu drauf stürzen.

efpe

04.04.2013, 12:43 Uhr

Die grösste Waffe gegen private Vermögensbildung in Deutschland ist die hohe Kapitalertragssteuer verbunden mit dem winzigen Freibetrag. Aber sowas kann man eben auch nur wirklich unmündigen Bürgern vorsetzen, die nicht durch eigene Strategie zur Geldvermehrung orientiert, sondern durch Neidkomplexe gesteuert sind.

walter.drews

04.04.2013, 14:05 Uhr

Ich kann allen Zweiflern versichern: 90% der Deutschen sind unfähig ihre privaten Finanzen zu steuern.
Wenn man wie ich beruflich jeden Tag sieht, wieviele Provisionen und Courtagen Groß- und Normalverdiener Akademiker und Handwerker für absurde Produkte die nur Banken, Versicherern, Investmentgesellschaften und Bauträgern nützen zahlen dann verliert man den Glauben an den menschlichen Verstand. Eine Erfahrung habe ich gemacht. Die Deutschen sind nicht verstandesgesteuert. Gekauft wird bei demjenigen den man sympathisch findet und dem man "vertraut". Fakten über die Produkte werden für eine Kaufentscheidung fast nie berücksichtigt. Man kann solche Dinge eh nicht beurteilen. Es zählt nur was der Verkäufer mündlich zusagt. Man hat ja Vertrauen. Wie sagte mir noch eine Psychologin zu ihrer Entscheidung ihre Altersvorsroge einem echten Finanzhai anzuvertrauen: "Ich hatte ein gutes Gefühl und will jetzt nichts mehr ändern."

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