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20.06.2013

10:20 Uhr

Bruns Breitseite

Verbraucherschutz gehört in die Schulen

VonChristoph Bruns

Die EU-Kommission meint, die Avantgarde im Verbraucherschutz zu sein. Doch deren Sendungsbewusstsein ist falsch und systemwidrig. Wichtig ist Transparenz. Dies sorgt dafür, dass Fehlverhalten korrigiert wird.

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Agrarkommissar der EU ist unlängst in ein Olivenölnäpfchen getreten. Sein Ansinnen, die Olivenölkännchen von den europäischen Restauranttischen zu verbannen, ist ein typisches Beispiel für die fehlende Subsidiarität innerhalb der EU. Zur Rechtfertigung verwies der rumänische EU-Agrarkommissar Dacian Cioloș auf Verbraucherschutzgründe, die bei seinem Ansinnen Pate gestanden hätten.

Insgesamt lässt sich die EU beim Verbraucherschutz von einem falschen Sendungsbewusstsein leiten. Irrigerweise meint die EU-Kommission, die Avantgarde im zwangsangeordneten Verbraucherschutz sein zu sollen. Dieser dirigistische Gedanke ist jedoch systemwidrig. Stattdessen gehört der Verbraucherschutz in die Schulen und sonst nirgendwohin.

Kinder und Jugendliche müssen in den Stand gesetzt werden, Produkte, Sachverhalte sowie Argumente und insbesondere die allgegenwärtige Werbung beurteilen zu können. Dafür sind die Bildungseinrichtungen und nicht die EU-Kommission der richtige Ort.

Eine durch Bildung aufgeklärte Bevölkerung kann selber auswählen, welches Olivenöl aus welchen Behältnissen es verzehren möchte. Hier kann sich die EU getrost darauf beschränken, für transparente Kennzeichnungen bei den Produktinhalten zu sorgen.

Es ist Transparenz, die in Wettbewerbssystemen dafür sorgt, dass Fehlverhalten aufgedeckt beziehungsweise korrigiert wird und anschließend zumeist unterbleibt. Für die Politik gilt das auch. Die Verwandtenaffäre im bayerischen Landtag wurde erst durch das Licht der Öffentlichkeit und keineswegs durch innere Einsicht der Parlamentarier zum Vorschein gebracht. Ähnliche Transparenz wäre übrigens auch bei der Bezahlung von Unterhaltungskünstlern (Talkmaster, Fußballspieler etc.) durch das öffentlich finanzierte Staatsfernsehen angezeigt.

Kommentare (7)

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galgen

20.06.2013, 11:04 Uhr

"Die EU-Kommission meint, die Avantgarde im Verbraucherschutz zu sein. " - VORTREFFLICH formuliert. Die feudalistisch bevormundente Avantgarde, die sich nun auch durch Abschütteln des IWF abschotten will, deren Glühbirnen hirnfrei und quecksilber-vergiftet sind seit der Versenkung von OSRAM.

Account gelöscht!

20.06.2013, 11:16 Uhr

Der Verbracuherschutz muß sich hierzulande hinter die Gewinninteressen der Konzerne stellen. So werden die Angaben auf den Verpackungen verkompliziert, die weltweit verbreitete Ampel bei Lebensmittel blockiert.
Man denke an die unendlich vielen Lebensmittelskandale die alle ohne wesentliche Konsequenzen blieben.
Wenn ich als Verbraucher keinen Kunstkäse möchte, so kann ich das kaum erreichen, zu groß sind die Möglichkeiten der Verscheleierung.
Gestärkte Verbraucherzentralen, Möglichkeiten der Einflußnahme durch die Verbracher (Haftung der Konzerne gegenüber Verbraucher bei falchen Angaben) sind erförderlich.

Und es steht in Anbetracht der von merkel betriebenenen unglückseligen Freihandelszone mit den USA zu befürchten, daß sich die Verbraucher dann auch nicht mehr gegen genverseuchte Lebensmittel und Monsanto-Gifte in den Lebensmitteln wehren können.

Grundproblem ist fehlende Transparenz und Lobbywirtschaft zugunsten der Lebensmittelkonzerne.

Die Bürger wissen schon, was sie möchten, sie haben nur keine Möglichkeit es durchzusetzen.

Account gelöscht!

20.06.2013, 11:44 Uhr

Sehr guter Kommentar, dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Hoffentlich haben ihn die angesprochenen Herrschaften morgen in ihrer Pressemappe!

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