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20.03.2013

10:10 Uhr

Bruns Breitseite

Zypernkrise als Augenöffner

VonChristoph Bruns

Auch wenn das große Bild gleich bleibt, nimmt die Feinsteuerung der Euro-Rettung doch neue Konturen an. Sparer müssen sich künftig genau ansehen, welcher Bank sie den Kredit ihrer Spar- und Termineinlagen geben wollen.

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Offenbar hat die Politik in Berlin erkannt, dass die fortgesetzte Rettung ausländischer Banken und Länder durch deutsche Bürgschaften, Kredite und Zahlungen für das Wahlvolk in einem Wahljahr so nicht länger goutierbar ist.

Angesichts des großen privaten Reichtums in den Krisenländern schwenkte Berlin nun um und verlangte eine Beteiligung dieses Reichtums an den Rettungsaktionen. Hierfür gebührt der Bundesregierung Lob, nicht Häme, wenngleich man auf die Einhaltung der Rechtstaatlichkeit bezüglich der Einlagensicherung für 100.000 Euro pro Person hätte beachten sollen. Schade, dass die Bunderegierung nicht schon früher derartige Modelle favorisiert hat.

Derweil ist das aufgekommene Gegacker in den Medien und Internetforen nicht ohne Heuchelei. Jedermann weiß doch, dass die Sparer in den Ländern des Westens bereits in den vergangenen drei Jahren durch die sogenannte finanzielle Repression um einen Teil ihrer Spareinlagen gebracht worden sind. Genau besehen sind die nominalen Kurzzeitsparer neben den Steuerzahlern die Hauptleidtragenden der Finanzkrise.

Während der Vermögensraub durch Steuern schwarz auf weiß auf dem nächsten Kontoauszug abzulesen ist, bleibt die elegantere Methode des Vermögensraubs durch negative Realzinsen eher unbemerkt, weil schleichend. Grob gesprochen: Dem rational denkenden Menschen kann es recht einerlei sein, ob er ein Minus von fünf Prozent durch Kaufkraftverlust oder durch eine einmalige Zusatzsteuer in dieser Höhe erleidet.

Die deutsche Bundeskanzlerin hat die Interessen Deutschlands zu vertreten. Den Fehler der verfrühten Einführung des Euro kann sie heute nicht mehr ändern. Ein Zurück zur D-Marl ist aber romantische Illusion, ein vergebliches Beschwören der vermeintlich guten alten Zeiten.

Kommentare (22)

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Numismatiker

20.03.2013, 10:36 Uhr

"Dem rational denkenden Menschen kann es recht einerlei sein, ob er ein Minus von fünf Prozent durch Kaufkraftverlust oder durch eine einmalige Zusatzsteuer in dieser Höhe erleidet."

Zu dumm nur, daß der Sparer letztendlich wohl durch beides enteignet wird. Aber so weit denkt Herr Bruns nicht.

observer

20.03.2013, 10:36 Uhr

Merkel hat einen grossen Fehler begangen


Merkel hat der EU ein Ei gelegt, denn sie hat aus wahltaktischen Gründen gemeint, die "bösen" russischen Kontoinhaber dürfen nicht durch den Bundesbürger gerettet werden, die ihr "Schwarzgeld" in Zypern bunkern. Eine entsprechende Medienkampagne läuft ja schon länger und hat die Bild-Leser aufgehetzt. Deshalb besteht sie auf die Enteignung der Bankguthaben, um die Russen zu treffen, weil sie meint das kommt bei den deutschen Wählern gut an.

Merkel sagte noch am Montag, die Einleger der Banken in Zypern müssten einen Beitrag zur Rettung der Institute leisten "... und nicht nur die Steuerzahler anderer Länder - und ich finde, das ist richtig." Die Bundesregierung hätte auf eine Einleger-Beteiligung gedrungen.

Nur, sie spielt wohl kein Schach und denkt keine zwei Züge voraus. Der Schuss ging nach hinten los. Denn, nicht nur sind die Menschen in Zypern jetzt aufgebracht und wütend auf die EU, auf Deutschland und die eigenen Regierung, die Russen auch. Die lassen sich nicht einfach so Milliarden stehlen zur Rettung der EU und des Euro. Es kann jetzt sein, Moskau macht ein Angebot und springt ein. Die zypriotische Regierung und das Parlament haben die Nötigung aus Brüssel satt und wenden sich den Russen zu, bitten sie um Hilfe.

Politikverdrossen

20.03.2013, 10:38 Uhr

Die ganze Misere beginnt damit, dass man Banken für systemrelevant erklärt und nicht in Konkurs gehen lassen möchte. Und da man schon den "Vertrauensverlust" fürchtet, ist selbst die kleinste zypriotische Sparkasse mittlerweile systemrelvant. Mit dem Konkurs hat man den zentralsten Punkt der Marktwirtschaft ausgehebelt, nämlich dass Misswirtschaft bestraft wird. Stattdessen wird Versagen belohnt, die EU, die EZB und der IWF kommen in einer gönnerhaften Manier an und hauen alle raus...

Jeder Insolvenzverwalter oder Sanierer weiß, dass ein entstandener Schaden von den bisherigen Kapitalgebern zu tragen ist. Und zwar in der Reihenfolge: Managementvergütungen, Eigenkaiptalgeber, Nachranggläubiger, ungesichterte Anleihegläubiger, zuletzt Bankeinlagen. Frisches Geld dient dem künftigen Geschäft, nicht der Rettung wertloser Positionen.

Wer diese Rangfolge auf den Kopf stellt und Altkapitalgeber schmerzfrei stellt mit dem windigen Argument, das Finanzsystem nicht gefährden zu wollen, der ruiniert die Marktwirtschaft komplett.

Dass wir im Jahre 5 nach der Lehmann-Pleite immer noch kein Vorinsolvenz- oder sonstiges geordnetes Restrukturierungs- oder Abwicklungsverfahren haben und ein Bankenproblem immer noch mit dem großen Geldkoffer zulasten der Steuerzahler lösen ist der eigentliche Skandal und zeigt, dass die EU und EZB schon rein intellektuell nicht in der Lage sind, das Problem zu lösen.

Wer die rote Karte abschafft und dadurch die Verrohung des Spiels provoziert, der schafft ein viel größeres Vertrauensproblem.

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