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03.05.2015

13:17 Uhr

Buch von Oliver Roth

„Keine Angst vor dem Crash!“

VonThorsten Giersch

Er hat für Borussia Dortmund gespielt und ist eines der bekanntesten Gesichter auf dem Frankfurter Parkett: Nun will Oliver Roth in seinem Buch Menschen für die Börse begeistern und erklären, wie man reich werden kann.

Oliver Roth an seinem Arbeitsplatz, wo er seit 25 Jahren aktiv ist.

Eines der Gesichter der Frankfurter Börse

Oliver Roth an seinem Arbeitsplatz, wo er seit 25 Jahren aktiv ist.

DüsseldorfNein, wie 47 sieht Oliver Roth wirklich nicht aus. Und auch nicht, dass er seit 25 Jahren an der Börse arbeitet. Sein Lächeln strahlt, auch weil er sich nach jedem Essen die Zähne putzt. Und abgesehen von den 25 Kilo, die er laut eigener Aussage in der Zeit zugelegt hat, schadet es dem gebürtigen Frankfurter auch nicht, dass er seinen hessischen Akzent an- und abschalten kann, wie es ihm beliebt: Abgesehen von ein paar TV-Moderatoren und natürlich Dirk Müller ist Oliver Roth eines der Gesichter an der Frankfurter Börse. Einer von denen, die Anlegern die Börsenwelt erklären können.

In seinem Wikipedia-Eintrag steht nur wenig von seinem langen Leben an der Börse, aber viel über sein vergleichsweise kurzes als Kicker: „Oliver Roth (Fußballspieler)“. Dabei hat ihn das Gekicke bei weitem nicht reich gemacht.

Nein, „Oli“, wie ihn alle nennen, musste schon als junger Mann was „Gescheites“ lernen. So absolvierte er erst eine Ausbildung zum Industriekaufmann und erwarb dann in den USA einen Bachelor in  Business-Administration. An der Börse hatte er da schon längst Erfahrungen gesammelt und auch nach der Zeit in den Staaten zog es ihn zurück auf das Parkett.

Nun hat Oliver Roth seine Erkenntnisse in einem Buch zusammengefasst: „Earning by Doing“ liest sich wie eine große Conclusio aus vielen der Interviews, die er in all den Jahren gegeben hat. Die guten Ratschläge haben sich kaum verändert, sondern höchstens die Beispiele, aus denen Neu-Anleger lernen können.  Es ist ein Buch für die Minderheit der Leser von Handelsblatt Online, aber (leider) für die große Mehrheit der Deutschen - nämlich all die Menschen, die noch nicht an der Börse aktiv sind oder über all die Möglichkeiten zu wenig Bescheid wissen.

So legen Sie ihr Geld erfolgreich an

Das Sparbuch

1818 von der Berliner Stadtsparkasse erstmals ausgegeben, ist das Sparbuch der Deutschen liebstes (Investment-)Kind: Rund 70 Prozent aller Bundesbürger halten daran fest. Mit Sparen hat das Sparbuch jedoch seit vielen Jahren kaum noch etwas zu tun. Das liegt an den niedrigen Zinsen. Aktuell erhält man 0,3 bis 0,5 Prozent Zinsen. Immerhin: Wenigstens die Sicherheit dieser Anlageform ist als hoch zu bezeichnen.

Fazit: Flop!

Tagesgeld, Geldmarktfonds oder Termingeld

Der Unterschied liegt hier hauptsächlich in der Laufzeit. Tagesgeld und Geldmarktfonds sind bei Ihrer Bank täglich für Sie verfügbar. Es wird in Termingelder und kurzlaufende Anleihen investiert. Bei Geldmarktfonds fallen zusätzliche Gebühren wie Aufschläge und Verwaltungskosten an. Termingeld bringt mehr Zinsen, hat aber dafür eine feste Laufzeit von mindestens vier Wochen. In der Regel erhält man für sein Festgeld bis zu 80 Prozent mehr Zinsen als auf dem Sparbuch.

Fazit: Top!

Girokonto

Das Girokonto ist eher als Mittel zum Zahlungsverkehr anzusehen, als als Kapitalanlage – auch wenn es hier gelegentlich Zinsen von der Bank geben sollte. Es dient als Verrechnungsmodul für den Zahlungsverkehr, aber nicht als Liquiditätsbunker.

Fazit: Flop!

Sparpläne

Sparpläne bei Ihrer Bank taugen nicht als „liquide Mittel“, denn hierbei müssen Sie einen Sparplan befolgen und Ihr Kapital meist auf einige Jahre bei der Bank fest anlegen. Das können Sie zum Ansparen für den Führerschein Ihres Kindes machen, aber ein Aktiensparplan bei einem Aktienfonds wäre bei einer entsprechenden langen Laufzeit interessanter.

Fazit: Top/Flop!

Lebensversicherungen

Lebensversicherungen lohnen sich in der Niedrigzinsphase nicht mehr. Die Verzinsung fiel im vergangenen Jahr auf rund 2,1 Prozent. Ein Ende der Politik des billigen Geldes ist in Europa nicht in Sicht. Wer seine Versicherung in den Jahren zwischen 1995 und 2006 hat, sollte die Beiträge weiter bedienen. Denn eine höhere Verzinsung Ihres Kapitals ist derzeit kaum erzielbar. Es geht der Branche nicht gut: Versicherungskonzerne hatten in den letzten Jahren eine Abschmelzung des Eigenkapitals zu verzeichnen. Deshalb aber alte Lebensversicherungen in dieser Niedrigzinsphase mit gehörigem finanziellen Schaden zu verhökern ist nicht sinnvoll.

Fazit:

Alte Lebensversicherungen: Top!

Neue Lebensversicherungen abschließen: derzeit Flop!

Fazit

Bei Ihrer persönlichen Liquiditätsplanung geht Erhalt vor Aufbau: Das Beste, was Sie mit Ihrem Bargeld tun können, ist, in Tages-Festgeldkonten oder Geldmarktfonds zu investieren, um die Liquidität zu sichern und das Vermögen zu erhalten.

Quelle

Oliver Roth: Earning by Doing, So funktionieren die Finanzmärkte. So verdienen Sie Geld an der Börse. Strategien und Börsen-Geschichten eines Profis.

Gleich zu Beginn gibt es eine Erklärung der wesentlichen Begrifflichkeiten in alphabetischer Reihenfolge. Das wirkt sperrig, aber da muss der Leser durch. Denn ohne zu wissen, was eine "Aktie" ist oder ein „Zocker“, ist das Weiterlesen nur bedingt sinnvoll. Der Kurs allein schon hilft ganz nebenbei, Zeitungsartikel leichter zu verstehen. Dem folgt ein historischer Abriss über Börsengeschichte, der nicht zwingend nötig ist, auch wenn er gut zusammengeschrieben ist.

So richtig rund geht es ab Seite 60: Methodisch überzeugend und mit einer effizient-verständlichen Sprache gibt Roth zeitsparend Antworten auf die vermeintlich einfache Frage: Wie können Sie Ihr Geld erfolgreich anlegen? Er dekliniert die Anleger-Pyramide durch, also unten mit Girokonto, Tagesgeld und dem Sparkonto als breite Basis, gefolgt von Anleihen/Fonds, Nummer drei sind Aktien, darüber Immobilien und in der Spitze stehen Derivate. Durchaus gewagt wertet er die Anlegeklassen schwarz-weiß nach Top und Flop, aber die Begründungen sind durchaus stimmig.

Das ist für jemanden, der mit Börse regelmäßig zu tun hat, keine Rocket Science. Und vermutlich würden die Erkenntnisse auch den geübten Handelsblatt-Leser unterfordern. Aber so aufgeschrieben passt es für die eigentliche Zielgruppe des Buches: die Menschen, die Geld übrig haben, es aber bisher aus Scheu nicht an der Börse investieren wollen. Das Basiswissen, das Roth bietet, ist ein Anfang, diese Bedenken zu überwinden und die Chancen zu erkennen. Die Glaubwürdigkeit, die Roth ausstrahlt, rechtfertigt sein gedrucktes Werk.

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