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30.03.2014

15:06 Uhr

Buchrezension

Reich sein ohne Sünde

VonSara Zinnecker

Mit Paris Hilton kann der frühere Abt Gregor Henckel-Donnersmarck rein gar nichts anfangen: Das It-Girl protze nur mit ihrem Geld. Wie rechtschaffender Reichtum funktioniert, erklärt der Geistliche jetzt in einem Buch.

Gregor Henckel-Donnersmarck ist Priestermönch im Zisterzienser-Orden und Altabt im Stift Heiligenkreuz.

Gregor Henckel-Donnersmarck ist Priestermönch im Zisterzienser-Orden und Altabt im Stift Heiligenkreuz.

DüsseldorfSie ist jung, mischt auf jeder Party mit – und hat dank einer perfekten Selbstvermarktung in den letzten Jahren mehrere hundert Millionen Dollar verdient: Paris Hilton, Urenkelin des Hotelpatriarchen Conrad Hilton, hat ihren Reichtum wie kaum ein anderer zum Selbstzweck inszeniert.

Für Gregor Henckel-Donnersmarck, Priestermönch im Orden der Zisterzienser und Onkel des bekannten Regisseurs, liegt genau da das Problem: Wer mit seinem Geld nur herumprotze, es nicht für einen guten Zweck arbeiten lasse, dem fehle es einer der wichtigsten christlichen Tugenden, der Demut. Es ist das erste ‚No Go‘ im neuen Buch des Geistlichen „Reich werden auf die gute Art“.

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

Auf insgesamt 186 Seiten erklärt der Autor, wie sich weltliche Laster – Gier, Unehrlichkeit, Selbstüberschätzung – negativ auf den wirtschaftlichen Erfolg des einzelnen auswirken. Aus einem christlich-ethischen Blickwinkel führt er aus, wie es sich besser machen ließe und welche Eigenschaften derjenige mitbringen sollte, der finanziell vorankommen will. 

Dabei schöpft der Geistliche die zentrale These des Buchs, nämlich dass wirtschaftliches Denken keineswegs in Konflikt mit einem aufrichtigen Leben steht, aus eigener Erfahrung: Vor seinem Eintritt in den Orden, hat Henckel-Donnersmarck sieben Jahre lang als Manager in der freien Wirtschaft gearbeitet. Nicht zuletzt spricht dieser Realitätsbezug, der über weite Strecken des Buches gegeben ist, für die Lektüre des Buches.

Gier, Unehrlichkeit, Übereifer

Warum und wie genau aber schaden Gier, Unehrlichkeit und übertriebener Eifer dem wirtschaftlichen Erfolg des Einzelnen?  

Für den Autor verliert der Gierige vor lauter Dollarzeichen auf der Stirn die eigentliche Sache, die Geschäftsidee, aus den Augen – und damit die Grundlage für einen langfristigen wirtschaftlichen Erfolg. Den Lügner hingegen sieht Henckel-Donnersmarck als eine grundlegend misstrauische, ängstliche und befangene Type. Wo aber Vertrauen fehlt, kann sich in den Augen des Autors kein florierendes Geschäft entwickeln.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

31.03.2014, 10:12 Uhr

'Miss Hilton ... hat dank einer perfekten Selbstvermarktung in den letzten Jahren mehrere hundert Millionen Dollar verdient.' Man kann ihr das doch nicht übel nehmen! Es wirft lediglich ein Schlaglicht auf unsere Zeit. Der Autor sollte lieber bei denen missionieren, deren Verhalten diesen Zugewinn ermöglicht hat. Miss Hilton hat lediglich sehr systemkonform erfolgreich vermarktet, was sie zu bieten hat.

Account gelöscht!

31.03.2014, 12:35 Uhr

Ääähm, Miss Hilton hat was zu bieten ? Das ist mir neu.

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