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24.10.2014

13:15 Uhr

Buffetts Investmentstil

Die Stunde der Value-Investoren

VonJessica Schwarzer

Viele Anleger haben nur auf die Korrektur gewartet, um zuzukaufen – darunter auch die Liebhaber von Substanzwerten. Wo Christoph Bruns, Gottfried Heller, Hendrik Leber oder Frank Lingohr jetzt Chancen sehen.

Warren Buffett ist der wohl bekannteste Value-Investor der Welt. dpa

Warren Buffett ist der wohl bekannteste Value-Investor der Welt.

DüsseldorfWenn es an der Börse richtig kracht, dann schauen sie ganz genau hin. Denn wenn Dax oder Dow Jones abstürzen, dann schmieren auch Aktien solider Unternehmen ab. Werte, die es eigentlich nicht verdient haben, aber in der allgemeinen Panik unter die Räder kommen. Das heißt, sie werden billiger, ihre Bewertungen immer günstiger. Und solche unterbewerteten Perlen – im Börsendeutsch Substanz- oder Value-Werte genannt – suchen Investoren wie Warren Buffett und seine Anhänger.

Value-Investoren setzen auf Aktien von Unternehmen, die an der Börse weniger wert sind als auf dem Papier, also laut ihrer Bilanz. Der Gedanke dahinter: Der Markt hat immer Recht, irgendwann wird sich der Kurs an den fairen Wert der Aktie anpassen. Langfristig ist Value eine der erfolgreichsten Anlagestrategien überhaupt, aber natürlich läuft die Strategie nicht in jedem Jahr gleich gut. Und manchmal enttäuscht auch ein vermeintlicher Substanzwert mit seinen Zahlen oder seinem Ausblick.

Dass Value-Investoren auch mal große Rückschläge hinnehmen müssen, erlebte kein geringerer als Warren Buffett in den vergangenen Tagen. Der drittreichste Mann der Welt verlor in dieser Woche Milliarden. Sowohl der Computerbauer IBM als auch der Brausehersteller Coca-Cola enttäuschten mit ihren Geschäftszahlen und die Aktien setzen zum Sinkflug an. Die Verluste für Buffetts Berkshire Hathaway summierten sich auf zwei Milliarden Dollar binnen 48 Stunden. Harte Rückschläge, mit denen Value-Investoren – so wie alle Anleger – leben müssen. 

Nicht nur wegen schwacher Zahlen, sondern vor allem wegen der drastischen Korrektur an den Weltmärkten gerieten viele Substanzwerte zuletzt kräftig unter die Räder. Deshalb wittern die Buffett-Jünger jetzt Einstiegschancen. Hat nun die Stunde der Value-Investoren geschlagen? Immerhin hat der Dax binnen fünf Wochen mehr als 13 Prozent verloren, mehr als alle anderen Indizes.

Die goldenen Regeln des Value-Investors Warren Buffett

Gezielt auswählen

Konzentrieren Sie Ihre Investments auf herausragende Unternehmen, die von einem starken Management geleitet werden.

Weniger ist mehr

Beschränken Sie sich auf Unternehmen, die Sie wirklich verstehen können. Zehn bis 20 sind in Ordnung, ab 20 ist Ärger vorprogrammiert.

Viel auf Wenige setzen

Suchen Sie sich unter Ihren guten Unternehmen die besten aus und stecken Sie den größten Teil Ihrer Investments in diese.

Langfristig denken

Denken Sie langfristig: mindestens fünf bis zehn Jahre.

Keine Panik

Volatilität kommt vor. Bleiben Sie dran.

Quelle: Robert G. Hagstrom, "Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie.", Börsenbuchverlag 2011.

„Die Korrektur, auf die ich schon seit Monaten gewartet hatte, hat nun Ende September mit Wucht eingesetzt“, sagt Vermögensverwalter Gottfried Heller. „Das ist ein gutes Zeichen, weil damit auch eine technische Bereinigung stattgefunden hat und sogar etwas Panikstimmung aufkam.“ Das war bei der vorangegangenen Korrektur im Juli nicht der Fall. „Die damalige Korrektur war nur ein kurzer Schauer, die jetzige dagegen ein reinigendes Gewitter“, sagt der langjährige Partner und Freund von Börsenaltmeister André Kostolany.

Auch Frank Lingohr wittert Einstiegschancen: „Wenn die Masse der Anleger aufgrund steigender Risikoaversion Aktien meidet, werden Aktien für Value-Investoren attraktiver“, sagt der Gründer von Lingohr & Partner Asset Management. „Value-Investoren kaufen zu solchen Zeitpunkten, weil fallende Kurse die Sicherheitsmarge erhöhen.“ Einzelne Aktien würden momentan attraktive Renditemöglichkeiten bieten. Gerade im Verhältnis zu Anleihen seien einige sehr günstig bewertet. „Schon die Dividendenrendite vieler Einzeltitel ist oftmals deutlich höher als die Rendite festverzinslicher Wertpapiere“, sagt Lingohr. „In einem solchen Umfeld sollten Anleger nicht den Fehler machen, zu stark in vermeintlich sichere Anlagen zu gehen.“

Kommentare (6)

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Herr Thomas Albers

24.10.2014, 13:33 Uhr

"Die für Value-Investoren essentielle Sicherheitsmarge auf den fairen Wert sei allerdings nur vereinzelt erkennbar."

Da hat der Mann vollkommen recht - ein Problem, warum man sich im Moment beim DAX so schwer tut: Die Notenbankaufschläge sind einfach noch zu hoch. Letzte Woche bei den Tiefständen war es auch schwierig, etwas faires zu finden, wenn man den Notenbank-Effekt ausblendet. Es ist natürlich günstiger als im Sommer, aber guten Gewissens im Brustton der Überzeugung zu sagen: "Ja, das ist es!" fällt mir dieses Jahr wirklich sehr schwer.

Niemand kann ernsthaft ausschließen, dass bei der Zinswende noch einmal wesentlich tiefere Bewertungen in Europa erreicht werden.

Herr Pom Muc

24.10.2014, 14:48 Uhr

Im Augenblick lassen die Milliardäre ihre MSM für die Aktien trommeln. Beschönigende Artikel mit wohlklingender Wortwahl. Value-Investoren. Value-Experten. Alternativlos angesichts staatlich verordneter Nullzinspolitik. Kritiklos wird die Propaganda der wirtschaftlichen "Erholung" in den USA wiedergekäut.

Ein sicheres Zeichen dass der Crash nicht weit entfernt ist.

Herr Thomas Albers

24.10.2014, 14:54 Uhr

"Alternativlos angesichts staatlich verordneter Nullzinspolitik."

Sie können ja mal die Zinsen heben und schauen was passiert... *g*

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