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20.06.2016

14:24 Uhr

Bundesbank-Bericht

EZB-Geldflut sorgt für mehr Inflation

Die Draghi-Strategie könnte aufgehen: Nach Angaben der Bundesbank sorgt die laxe Geldpolitik für steigende Inflation in der Zukunft. In Zeiten großer Sorge vor Deflationsszenarien eine gute Nachricht.

Die Notenbank erwirbt seit März 2015 in großem Stil Staatsanleihen der Euro-Länder.  dpa

Eingagsschild an der EZB Zentrale in Frankfurt

Die Notenbank erwirbt seit März 2015 in großem Stil Staatsanleihen der Euro-Länder. 

FrankfurtDas billionenschwere Anleihenkaufprogramm der EZB kurbelt nach Untersuchungen der Bundesbank die Inflation im Währungsraum an. Allerdings liegen Berechnungen zu den konkreten Auswirkungen in einer weiten Spanne, wie die Bundesbank am Montag in ihrem Monatsbericht Juni mitteilte.

So komme ein Ansatz zu dem Schluss, dass die Käufe die Teuerung im Währungsraum 2017 um 2,5 Prozentpunkte nach oben treiben. Damit würden die Käufe dafür sorgen, dass die Euro-Zone vor einer gefährlichen Preisspirale nach unten geschützt würde. Nach einer zweiten Schätzung schaffe das Kaufprogramm im kommenden Jahr allerdings nur etwas mehr als 0,1 Punkte mehr Inflation.

Die Macht und die Mittel der EZB

Ziele

Die Europäische Zentralbank (EZB) soll Preisstabilität wahren, die Wirtschaftspolitik unterstützen und Finanzstabilität sichern.

Leitzinsanpassung

Leitzinsanpassungen sind das traditionelle Mittel, um die Wirtschaft und die Arbeitsnachfrage zu dämpfen oder zu stimulieren, und so die Lohnentwicklung und die Inflation stabil zu halten.

Negativzinsen

Negativzinsen von 0,1 Prozent berechnet die EZB den Banken für deren Guthaben bei der Notenbank. Jede Bank will ihre überzähligen Guthaben zu einer anderen Bank schieben, indem sie Wertpapiere kauft oder Kredite vergibt.

Langfristkredite

Langfristkredite vergibt die EZB seit Ende 2011 und ergänzt damit die normalen kurzfristigen Kredite. Das hilft den Banken bei der Finanzierung, da Bankanleihen teurer und für manche gar nicht mehr zu haben waren.

Pfandbriefe

Pfandbriefe und Kreditverbriefungen kauft die EZB den Banken seit Herbst 2014 ab. Auch das hilft bei der Refinanzierung und sorgt für mehr Bankguthaben bei der EZB, was die Bereitschaft zur Kreditvergabe erhöhen soll.

Käufe von Staatsanleihen

Käufe von Staatsanleihen als Mittel der Geldpolitik setzte die EZB erstmals 2010 ein, um die Renditen von Anleihen der Peripherieländer zu drücken, die damals kräftig nach oben schossen. Das gelang mit dem relativ kleinen Programm nur bedingt. Im September 2012 ersetzte die EZB dieses SMP-Programm durch das OMT-Programm. Sie erklärte sich dabei unter Bedingungen bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Bisher kam das Programm nicht zum Einsatz. Seit März 2015 erwirbt sie mit einem erweiterten Kaufprogramm im großen Stil Staatsanleihen. Der Gegenwert landet als Bankguthaben bei den Verkäufern, zum Beispiel Fonds, und als überschüssiges Guthaben auf den Zentralbankkonten der Banken. Das treibt vor allem die Kurse von Vermögenswerten wie Aktien, Anleihen und Immobilien in die Höhe. Indirekt soll das die Wirtschaft ankurbeln.

Notkredite

Notkredite (ELA) können nationale Zentralbanken des Euro-Raums ihren heimischen Banken gewähren, wenn diese nicht mehr genug gute Sicherheiten für normale EZB-Kredite haben. Die EZB muss diese ELA-Kredite genehmigen. Untersagt sie sie, etwa wenn Griechenland sich nicht mit den Gläubigern einigen kann, haben die Banken keinen Zugang zu Euro-Guthaben und Euro-Bargeld mehr, was zur Schließung und letztlich zum erzwungenen Austritt aus der Währungsunion führen kann.

Die Europäische Zentralbank (EZB) erwirbt seit März 2015 in großem Stil Staatsanleihen der Euro-Länder. Das Programm ist inzwischen auf 1,74 Billionen Euro angelegt. Die Käufe sollen die Renditen der Titel drücken, wodurch sie als Investment für Banken weniger attraktiv werden. Die Institute sollen stattdessen mehr Kredite an die Wirtschaft vergeben, was die Konjunktur stützen und somit auch die Verbraucherpreise anheizen würde. Die EZB strebt knapp zwei Prozent Inflation an - für sie der Idealwert im Währungsraum. Im Mai waren die Preise aber um 0,1 Prozent gesunken.

Die Währungshüter hatten im Dezember beschlossen, die Käufe um ein halbes Jahr bis Ende März 2017 zu verlängern. Laut Bundesbank-Berechnungen wird dies von 2016 bis 2018 etwa 0,1 bis 1,0 Prozentpunkte mehr Inflation pro Jahr bringen. Die Effekte der nochmaligen Ausweitung des Programms im März dieses Jahres seien geringer.

Von

rtr

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