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16.01.2013

13:18 Uhr

Bundesbank beugt sich Druck

Gold aus Ausland kommt nach Deutschland

Die Bundesbank hortet stapelweise Gold – das meiste im Ausland. Ist es dort sicher? Kann die Bank im Krisenfall auf die Reserve zugreifen? Die Bedenken halten sich hartnäckig. Nun reagiert die Bundesbank.

Die Bundesbank will bis 2020 rund 700 Tonnen Gold nach Deutschland zurückholen. dpa

Die Bundesbank will bis 2020 rund 700 Tonnen Gold nach Deutschland zurückholen.

Die Bundesbank reagiert auf öffentlichen Druck und holt fast 700 Tonnen deutsches Gold aus dem Ausland nach Deutschland. „Wir werden in diesem Jahr beginnen und spätestens im Jahr 2020 enden“, sagte Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele am Mittwoch in Frankfurt. „Wir wollen weiter Vertrauen schaffen.“

Ziel sei, ab 2020 die Hälfte der deutschen Goldreserven in eigenen Tresoren im Inland aufzubewahren. Die Barren, die aus dem Ausland geholt werden, sind zusammen ungefähr 27 Milliarden Euro Wert (Stand 31.12.2012).

Derzeit lagert der Großteil des Milliardenschatzes im Ausland, vor allem bei der US-Notenbank Fed. Das Edelmetall ging vor allem in den 1950er und 1960er Jahren als Bezahlung hoher deutscher Außenhandelsüberschüsse in den Besitz der Deutschen Bundesbank über.

In Deutschland gab es zuletzt im Herbst eine öffentliche Debatte über die Sicherheit des deutschen Goldes im Ausland. Der Bundesrechnungshof hatte „angesichts des hohen Werts der bei ausländischen Notenbanken gelagerten Goldbestände und der Tatsache, dass diese noch nie aufgenommen wurden“ regelmäßige Stichproben gefordert. Mancher Politiker meint, die Frankfurter Währungshüter hätten die Kontrolle über das Edelmetall aus der Hand gegeben.

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Ende 2012 umfasste der Goldschatz der Bundesbank - der zweitgrößte unter den Notenbanken weltweit - 3391 Tonnen im Wert von 137,51 Milliarden Euro. Fast die Hälfte davon (1536 Tonnen) verwahrt die US-Notenbank Fed in New York. Bei der Bank of England in London liegen 445 Tonnen, bei der Banque de France in Paris 374 Tonnen. In eigenen Tresoren verwahrt die Bundesbank in Frankfurt derzeit knapp ein Drittel des Edelmetalls: 1036 Tonnen.

Was Sie über Gold wissen sollten

Was ist Gold?

Gold ist ein seltenes Metall mit einem Schmelzpunkt von 1064 Grad Celsius. Der Siedepunkt liegt bei 2856 Grad. Die chemische Abkürzung für Gold ist „Au“ und stammt vom lateinischen Wort „Aurum“ ab. Es hat mehrere Eigenschaften, die es für die Menschheit über die Jahre nützlich gemacht hat. Gold leitet extrem gut. Außerdem reagiert es nicht mit Wasser oder Sauerstoff.

Wie viel Gold wurde in der Geschichte gefördert?

Nach Schätzungen wurden in der gesamten Menschheitsgeschichte bis heute um die 166.600 Tonnen Gold aus Minen geholt. Ein Großteil davon – etwa zwei Drittel – seit 1950.

Wie viel Gold gibt es noch auf der Erde?

Die letzten Zahlen der US Geological Society gingen im Januar 2011 von weltweit 51.000 Tonnen aus.

Wie viel Gold wird pro Jahr abgebaut?

In den vergangenen Jahren waren es etwa 2.500 Tonnen pro Jahr.

Wo wird weltweit am meisten Gold abgebaut?

Überall auf der Welt wird Gold gewonnen. Aber beinahe ein Drittel des Goldes wird in nur drei Ländern abgebaut. An der Spitze liegt China mit 13,1 Prozent, darauf folgen die USA und Australien mit jeweils 9,1 Prozent.

Was passiert mit dem Gold?

29 Prozent des abgebauten Goldes kommt im Investmentbereich zum Einsatz, also in Form von Münzen und Barren. Aus 59 Prozent wird Schmuck gemacht. 12 Prozent wird von der Industrie verarbeitet.

Wo sind die größten Absatzmärkte für Gold?

Mit 1059 Tonnen ist Indien der mit Abstand größte Absatzmarkt für physisches Gold (Münzen, Barren, Schmuck). Dahinter liegt China mit 770 Tonnen. Im Vergleich dazu abgeschlagen sind die USA mit 213 Tonnen und Deutschland mit 154 Tonnen.

Quelle: World Gold Council

Wer sind die größten Goldbesitzer?

Größte Goldbesitzer sind die Notenbanken. Die Vereinigten Staaten sitzen auf rund 8.100 Tonnen, gefolgt von Deutschland mit 3.400 Tonnen und dem Internationalen Währungsfonds mit 2.800 Tonnen. Die Notenbanken waren über Jahre Netto-Verkäufer. Seit dem vergangenen Jahr sind sie jedoch wieder Netto-Käufer. Das Interesse kommt vor allem aus den Schwellenländern.

Nun sollen die Bestände in New York schrittweise um 300 Tonnen verringert werden, den Lagerort Paris will die Bundesbank bis 2020 ganz aufgegeben. „Die gemeinsame Währung in Europa verringert die Notwendigkeit, Gold bei Partnerländern in Europa zu lagern“, erklärte Thiele. „Da im Inland zwischenzeitlich Tresorkapazitäten freigeworden sind, kann die Bundesbank das Gold von Paris nach Frankfurt verlagern.“

Den kompletten deutschen Goldschatz nach Deutschland holen will die Bundesbank nach wie vor nicht. Die Notenbank will sich die Möglichkeit bewahren, das Gold im Fall einer Währungskrise schnell in Devisen wie US-Dollar umzutauschen.

Zum genauen Zeitplan und der Art des Transports wollte sich Thiele aus Sicherheitsgründen nicht äußern. Die Kosten seien im Verhältnis zum Wert des Goldes „überschaubar, so dass wir sagen, das ist wirtschaftlich für die Bundesbank tragbar“. Eine konkrete Zahl zu den Kosten nannte Thiele nicht.

Sparen wird die Bundesbank durch den Schritt nicht: Die Lagerung des deutschen Goldes in Paris und New York ist kostenlos, die Bank of England verlangt 500 000 bis 550 000 Euro Gebühr pro Jahr. Thiele betonte zudem, der Beschluss sei „in keinsterweise Ausdruck von Zweifeln an der Verlässlichkeit“ der Partnernotenbanken: „Unser Gold lagert nur bei Notenbanken mit höchster Reputation und zweifelsfreier Identität.“


Von

dpa

Kommentare (10)

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RumpelstilzchenA

16.01.2013, 14:01 Uhr

....nur 700 Tonnen!???
und der Rest?????
Hat sich wohl aufgelöst!

zilverreiger

16.01.2013, 14:14 Uhr

Only 700 tons in 7 years?
China pulls gold out of the ground at a faster pace per year!

Account gelöscht!

16.01.2013, 14:16 Uhr

1536 + 445 + 374 = 2355 Tonnen lagern angeblich im Ausland. Davon die Hälfte zurückgeschafft macht 1177,5 Tonnen.
Transportschwund also 1177,5 - "fast 700" = gut 477,5 Tonnen.

Wahrscheinlich kommt es so genau nicht darauf an. Mit den Billionen Euros aus den diversen Retttungsschirmen können wir ja, nach gehöriger Rückzahlung, massenhaft Gold nachkaufen.

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