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16.12.2014

12:19 Uhr

Bundesbank-Chef

Weidmann hält sinkende Preise für möglich

Die Teuerungsrate könnte auch in Deutschland bald unter die Null-Linie geraten, warnt Bundesbank-Präsident Weidmann. Die Gefahr einer Deflation will er allerdings nicht an die Wand malen.

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann: „Die Inflationsrate könnte in den nächsten Monaten sogar unter Null sinken“. Reuters

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann: „Die Inflationsrate könnte in den nächsten Monaten sogar unter Null sinken“.

FrankfurtDer rasant fallende Ölpreis droht nach Einschätzung der Bundesbank die Teuerungsrate auch in Deutschland bald unter die Null-Linie zu drücken. Die bereits gesenkten Inflationsprognosen der Notenbanken dürften wegen des Verfalls der Preise für das Schmiermittel der Weltwirtschaft sogar noch unterschritten werden, sagte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann am Montagabend vor dem Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten (ICFW). „Die Inflationsrate könnte in den nächsten Monaten sogar unter Null sinken.“

Ein Argument für eine starke Gegenreaktion der EZB – etwa in Form der von EZB-Chef Mario Draghi in Aussicht gestellten breit angelegten Staatsanleihenkäufe – sieht Weidmann dennoch nicht. Er erwartet, dass die Teuerungsrate für einige Zeit auf sehr niedrigem Niveau bleiben wird, dann aber allmählich steigt.

Die Ölpreis-Talfahrt hatte sich zuletzt beschleunigt. Nicht nur der Fracking-Boom in den USA steht hinter dem Preisrutsch. Auch eine weiterhin eher flaue Weltkonjunktur, die die Öl-Nachfrage begrenzt, und die anhaltende Uneinigkeit der OPEC-Staaten bei den Förderquoten sind Gründe für den Rückgang. Der Preis für die Nordsee-Sorte Brent fiel erstmals seit Juli 2009 unter die Marke von 60 Dollar je Fass (159 Liter).

Die Gefahr einer Deflation - also einer Abwärtsspirale aus fallenden Preisen, schrumpfender Verbraucher-Nachfrage und rückläufigen Firmen-Investitionen - will Weidmann aber nicht an die Wand malen: „Eine für einige Monate unter Null liegende Inflationsrate stellt für mich noch keine Deflation dar.“ Dies wäre seiner Ansicht nach erst der Fall, wenn die Erwartungen fallender Preise sich hochschaukeln und dazu führen, dass ein sich selbst verstärkender Abwärtssog aus Teuerungsraten unter Null, schrumpfender Wirtschaftsleistung (BIP) und fallenden Löhnen entstehe. „Dieses Risiko ist weiterhin gering“, so Weidmann.

Kommentare (6)

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Herr Tobias Wahrsager

16.12.2014, 12:44 Uhr

Jahrelang war der Faktor Energie im sogenannten Warenkorb des statistischen Bundesamtes arg unterbewertet. Die sogenannte hedonistische Methode, mit der unsere ach so objektiven Beamten den technischen Fortschritt preisdämpfend von der wirklichen Geldentwertung abzogen, tat ein übriges, um die Inflationsrate zu schönen. Nun, wo die Erdölpreise kräftig fallen, wird der Faktor Energie bestimmt äußerst stark im Warenkorb gewertet. Seltsam nur, dass ich bei meinem Einkauf von Jahre zu Jahr immer nur mit stark steigenden Preisen zu tun habe. Edel, edel, wie die Dinge laufen in unserer halben Bananenrepublik Germania.

Herr Thomas Albers

16.12.2014, 12:50 Uhr

"Umfassende Staatsanleihekäufe könnten ungeachtet der geldpolitischen Motivation als Solvenzgarantie für hochverschuldete Staaten verstanden werden, mit weitreichenden Folgen für die Geldpolitik“, warnte Weidmann."

Ganz genau so wird es schon seit einiger Zeit verstanden. Der einzige Grund für diese gemessen am Risiko niedrige Renditen in Griechenland, Frankreich und Italien ist die EZB.

Frau Ich Kritisch

16.12.2014, 13:06 Uhr

Zitat: "Auf der Seite der Unternehmen macht sich der Preisverfall darüber hinaus in geringeren Produktionskosten bemerkbar."

öhm - das betrifft doch nur die Chemieindustrie und beim Rest die Heizung. der Strompreis ist nämlich nicht gesunken.

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