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11.04.2014

15:52 Uhr

Bundesbank-Präsident

Weidmann glaubt nicht an Deflationsspirale

Experten warnen vor der Gefahr einer Deflationsspirale im Euroraum, doch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann bleibt gelassen. Er rechnet damit, dass sich die konjunkturelle Lage weiter verbessert.

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann sieht keine Anzeichen für eine breit angelegte Deflation. dpa

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann sieht keine Anzeichen für eine breit angelegte Deflation.

WashingtonBundesbankchef Jens Weidmann hat die vom Internationalen Währungsfonds (IWF) geäußerten Befürchtungen vor einer Deflation im Euroraum zurückgewiesen. „Das Risiko ist sehr gering“, sagte Weidmann am Freitag am Rande der Frühjahrstagung von IWF und Weltbank in Washington. Für die niedrige Inflation seien die rückläufigen Energiepreise und die „notwendigen strukturellen Anpassungsbemühungen“ in Krisenländern der Eurozone verantwortlich. Auf eine selbstverstärkende Abwärtsspirale aus sinkenden Preisen und Löhnen deute „nichts“ hin. Die langfristigen Inflationserwartungen seien „solide verankert“, sagte er.

Zwar sei eine expansive Geldpolitik angesichts der mittelfristigen Aussichten für Konjunktur und Preisentwicklung „sicher auch gerechtfertigt“, erklärte Weidmann. Eine weitere Lockerung sei zum gegenwärtigen Zeitpunkt aber nicht erforderlich. „Wir betreiben Geldpolitik ja nicht mit Blick in den Rückspiegel, sondern mit Blick nach vorne“, sagte der Bundesbankchef. Mit der erwarteten Verbesserung der konjunkturellen Lage in der Eurozone werde auch die Inflationsrate wieder ansteigen. Weidmann verwies allerdings darauf, dass die Europäische Zentralbank (EZB) bei einem zu langen Zeitraum niedriger Inflation zu „weiteren Maßnahmen“ bereit sei.

Konjunkturaussichten für die Euro-Länder

Spanien

Spanien könnte 2014 wieder um ein Prozent wachsen. Die Arbeitslosigkeit soll jedoch mit 25,7 Prozent hoch bleiben. Das Haushaltsdefizit wird auf 5,8 Prozent der Wirtschaftsleistung geschätzt.

Frankreich

Frankreichs Wachstum dürfte 2014 mit 1,0 Prozent unter dem Durchschnitt der Euro-Zone bleiben. Die Arbeitslosigkeit soll auf elf Prozent steigen.

Griechenland

Die griechische Wirtschaft soll 2014 erstmals seit sechs Jahren wieder um 0,6 Prozent wachsen. Trotz der erwarteten Besserung dürfte die Arbeitslosigkeit mit 26 Prozent vergleichsweise hoch bleiben. Bei der Verschuldung werden 177 Prozent der Wirtschaftsleistung erwartet.

Italien

Italiens Wirtschaft soll 2014 um 0,6 Prozent wachsen. Die Arbeitslosigkeit dürfte hingegen auf einen Rekord von 12,6 Prozent klettern. Der Schuldenstand bleibt hartnäckig hoch: 2015 soll er mit 132,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts leicht unter dem diesjährigen Niveau liegen.

Zypern

Um 4,8 Prozent soll das Bruttoinlandsprodukt einbrechen. Die Arbeitslosigkeit dürfte auf den Rekordwert von 19,2 Prozent steigen.

Portugal

Für Portugal erwartet die EU-Kommission 2014 ein Wachstum von 0,8 Prozent. 2015 soll die Arbeitslosenquote mit 16,5 Prozent einen Tick unter den diesjährigen Wert fallen. Der Schuldenstand dürfte nach dem Rekordwert von 129,4 Prozent im vorigen Jahr bis 2015 wieder auf 125,8 Prozent zurückgehen.

Irland

Irlands Wirtschaft dürfte 2014 mit 1,8 Prozent deutlich stärker wachsen als der gesamte Währungsraum. Bis 2015 soll die Arbeitslosenquote auf 11,2 Prozent fallen, nachdem sie 2013 noch bei 13,1 Prozent lag. Das Defizit soll 2015 auf 4,3 Prozent sinken.

Quelle

EU-Kommission

Die Teuerung in den 18 Euro-Ländern war im März auf nur noch 0,5 Prozent gefallen. Der Währungsfonds warnte die Eurozone in seinem am Dienstag veröffentlichten Konjunkturausblick vor einer Deflationsspirale aus fallenden Preisen bei gleichzeitig sinkender Nachfrage. IWF-Chefin Christine Lagarde drängte die Europäer am Donnerstag zur Eile. Beim Kampf gegen eine drohende Deflation gelte die Maßgabe „je eher, desto besser“, sagte sie.
EZB-Chef Mario Draghi hatte vergangene Woche Befürchtungen vor einer Deflation ebenfalls zurückgewiesen. Allerdings schloss er unkonventionelle Maßnahmen wie einen großangelegten Aufkauf von Staatsanleihen zur Bekämpfung der sinkenden Preise nicht aus.

Kommentare (1)

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11.04.2014, 16:36 Uhr

Vielleicht sollten die Herrschaften mal Nachrichten lesen. Heute: Großhandelspreise in D sinken weiter und Spanien ist in der Deflation schon angekommen.

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