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08.04.2014

18:54 Uhr

Bundesbank-Präsident Weidmann

„Lange Niedrigzinspolitik darf keine Option sein“

Viele warnen vor der Gefahr einer Deflation, doch in diesem Punkt bleibt Bundesbank-Präsident Jens Weidmann gelassen. Seine Theorie: Gewinnen die Krisenländer wieder an Schwung, steigen auch die Preise.

Jens Weidmann: „Wir würden mit allen derzeit im Raum stehenden geldpolitischen Maßnahmen Neuland betreten.“ Reuters

Jens Weidmann: „Wir würden mit allen derzeit im Raum stehenden geldpolitischen Maßnahmen Neuland betreten.“

BerlinBundesbank-Präsident Jens Weidmann sieht ungeachtet der jüngst sehr niedrigen Teuerung aktuell so gut wie keine Gefahr für eine Deflation. „Das von manchen heraufbeschworene Risiko einer sich selbst verstärkenden deflatorischen Abwärtsspirale aus sinkenden Löhnen und Preisen ist gering, trotz derzeit sehr niedriger Inflationsraten im Euro-Raum“, sagte Weidmann am Dienstagabend in Berlin. „Diese sind vor allem Folge sinkender Energiepreise und der Anpassungsprozesse in den Krisenländern. Mit der zunehmenden wirtschaftlichen Erholung der Krisenländer dürfte dort auch der Preisauftrieb wieder an Schwung gewinnen.“

Der EZB-Rat habe in der Erwartung steigender Inflationsraten vergangene Woche die geldpolitischen Zügel nicht weiter gelockert, sagte Weidmann. „Wir verfolgen die Entwicklung aber sehr genau und sind gegebenenfalls zu weiteren Maßnahmen bereit, um einer zu lange anhaltenden Periode niedriger Inflationsraten effektiv zu begegnen.“ Dabei müsse berücksichtigt werden, „dass wir mit allen derzeit im Raum stehenden geldpolitischen Maßnahmen Neuland betreten würden“. Daher stellten sich Fragen nach der Effektivität solcher Maßnahmen und nach den mit ihnen verbundenen Risiken und Nebenwirkungen.

Konjunkturaussichten für die Euro-Länder

Spanien

Spanien könnte 2014 wieder um ein Prozent wachsen. Die Arbeitslosigkeit soll jedoch mit 25,7 Prozent hoch bleiben. Das Haushaltsdefizit wird auf 5,8 Prozent der Wirtschaftsleistung geschätzt.

Frankreich

Frankreichs Wachstum dürfte 2014 mit 1,0 Prozent unter dem Durchschnitt der Euro-Zone bleiben. Die Arbeitslosigkeit soll auf elf Prozent steigen.

Griechenland

Die griechische Wirtschaft soll 2014 erstmals seit sechs Jahren wieder um 0,6 Prozent wachsen. Trotz der erwarteten Besserung dürfte die Arbeitslosigkeit mit 26 Prozent vergleichsweise hoch bleiben. Bei der Verschuldung werden 177 Prozent der Wirtschaftsleistung erwartet.

Italien

Italiens Wirtschaft soll 2014 um 0,6 Prozent wachsen. Die Arbeitslosigkeit dürfte hingegen auf einen Rekord von 12,6 Prozent klettern. Der Schuldenstand bleibt hartnäckig hoch: 2015 soll er mit 132,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts leicht unter dem diesjährigen Niveau liegen.

Zypern

Um 4,8 Prozent soll das Bruttoinlandsprodukt einbrechen. Die Arbeitslosigkeit dürfte auf den Rekordwert von 19,2 Prozent steigen.

Portugal

Für Portugal erwartet die EU-Kommission 2014 ein Wachstum von 0,8 Prozent. 2015 soll die Arbeitslosenquote mit 16,5 Prozent einen Tick unter den diesjährigen Wert fallen. Der Schuldenstand dürfte nach dem Rekordwert von 129,4 Prozent im vorigen Jahr bis 2015 wieder auf 125,8 Prozent zurückgehen.

Irland

Irlands Wirtschaft dürfte 2014 mit 1,8 Prozent deutlich stärker wachsen als der gesamte Währungsraum. Bis 2015 soll die Arbeitslosenquote auf 11,2 Prozent fallen, nachdem sie 2013 noch bei 13,1 Prozent lag. Das Defizit soll 2015 auf 4,3 Prozent sinken.

Quelle

EU-Kommission

Klar sei aus seiner Sicht, dass die Risiken mit der Dauer der Niedrigzinspolitik zunehmen, während die positiven, stimulierenden Wirkungen nachlassen. „An der Niedrigzinspolitik für einen längeren Zeitraum festzuhalten, als es für die Sicherung der Preisstabilität notwendig wäre, um die Staatsschulden im Euro-Raum tragbarer zu machen, darf für uns keine Option sein.“

EZB-Präsident Mario Draghi hatte vergangene Woche den Leitzins für die 18 Euro-Länder zwar bei 0,25 Prozent belassen. Die EZB hatte aber signalisiert, dass sie im Abwehrkampf gegen eine Deflation gegebenenfalls auch die Notenpresse anwerfen und in großem Stil Wertpapiere an den Finanzmärkten aufkaufen könnte. Kritiker einer solchen Politik warnen stets vor den damit verbundenen langfristigen Inflationsgefahren. Andere Notenbanken, etwa die Fed, hatten in den vergangenen Jahren mit einer solch laxen Geldpolitik jedoch durchaus Erfolg. Wertpapierkäufe an den Finanzmärkten sind der EZB durch ihr Statut grundsätzlich erlaubt, so lange es sich nicht um Staatsfinanzierung handelt.

Von

rtr

Kommentare (11)

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Account gelöscht!

08.04.2014, 19:11 Uhr

Wird man sich hier nicht eh etwas nach der FED richten
müssen?

Da sonst billige USD-Geldeinheiten unsere Wirtschaft fluten.
Nur die Leitzinsen runter setzen bringt im Zweifel keine
Erfolge. Durch geziehlte Anleihekäufe kann doch die
Wirtschaft viel selektiver wieder in Schwung gebracht werden.

Account gelöscht!

08.04.2014, 19:15 Uhr

„An der Niedrigzinspolitik für einen längeren Zeitraum festzuhalten, als es für die Sicherung der Preisstabilität notwendig wäre, um die Staatsschulden im Euro-Raum tragbarer zu machen, darf für uns keine Option sein.“

Was soll solch ein Gerede ? Die Verschuldung der Länder ist in den letzten Jahren rasant gestiegen (trotz Gesundbeterei) und steigende Zinsen wären für viele Nationen das Todesurteil. Es gibt nur einen Weg bzw. Hoffnung: Inflation und die Vernichtung aller Forderungen (Guthaben)

Account gelöscht!

08.04.2014, 20:05 Uhr

Hauptsache, man hat das Altersvorsorgevermögen milliardenschwer entwertet. Geld, das auch für wichtige Investitionen wichtig wäre. Es wurde regelrecht verbrannt. Darum ist für mich keine der Blockparteien, die Deutschland bewusst ausverkaufen, mehr wählbar. Es gibt endlich Alternativen, die den Euro- und EU-Spuk bekämpfen wollen. Deutschland braucht neue Wege, muss raus aus dem Zahl- und Abzockdesaster.

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