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27.08.2012

08:06 Uhr

Charttechnik

Die Märkte sind in einer „Alles-oder-nichts-Phase“

Geht es nach den Charttechnikern der UBS, dann stehen den Börsen harte Wochen bevor. Sie prognostizieren nicht weniger als einen "Richtungswechsel für Europa". Und einen möglichen Kurssturz auf das Niveau von 2009.

Händler in Frankfurt. dapd

Händler in Frankfurt.

FrankfurtEuropäische Aktien sind auf kurze Sicht noch immer überkauft. Zu dieser Einschätzung sind jetzt zwei technische Analysten von der Schweizer Großbank UBS gekommen. Bis Ende September und Oktober drohen ihrer Meinung nach weiterhin Rückschläge. Die nächsten taktischen Kauf-Chancen haben Michael Riesner und Marc Müller erst für den Beginn des vierten Quartals ausgemacht.
Banken und Versicherer bewegen sich in Richtung einer neuen Alles-oder-Nichts-Situation, wie die Analysten weiter erklärten. Sie würden die Underperformance-Trends aus den Jahren 2007 und 2009 testen. Es handele sich um einen “weiteren potenziellen Richtungswechsel für Europa.”

Die schwärzesten Börsentage seit 1987

Vor 1987

Beim größten Crash der Nachkriegszeit am 19. Oktober 1987 - als Spekulationen auf Zinserhöhungen den Dow-Jones-Index um 23 Prozent einbrechen ließen - hatte es den Dax noch nicht gegeben. Der deutsche Index, in dem die 30 börsennotierten Top-Unternehmen abgebildet sind, wurde erst am 1. Juli 1988 eingeführt. Auf Dax-Basis zurückberechnet hatten sich die Verluste an diesem Tag in Frankfurt aber auf gut neun Prozent belaufen.

16. Oktober 1989

Der Dax fällt um rund 13 Prozent und folgt damit der Wall Street, wo Finanzierungs-Schwierigkeiten beim Kauf der US-Fluggesellschaft UAL einen Ausverkauf auslösten.

19. August 1991

In Reaktion auf den später gescheiterten Putsch gegen den damaligen sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow verliert der Dax gut neun Prozent.

28. Oktober 1997

Im Sog der Asienkrise verliert der Dax im Handelsverlauf bis zu 13 Prozent und schließt mit 3.567 Punkten acht Prozent niedriger.

1. Oktober 1998

Die Angst vor einem Flächenbrand im Bankenwesen nach der Schieflage eines Hedgefonds in den USA und einer Eskalation der Krisen in Asien, Japan, Lateinamerika und Russland drücken den Dax um acht Prozent ins Minus.

11. September 2001

Nach den Terroranschlägen in den USA fällt der Dax um neun Prozent.

5. August 2002 und 3. September 2002

US-Rezessionsängste drücken den Dax um 5,7 beziehungsweise 5,8 Prozent in die Tiefe. Darüber hinaus sorgt die Unsicherheit über die Lage im Irak für Aktienverkäufe.

24. März 2003

Wenige Tage nach Beginn des Irak-Krieges wachsen die Zweifel an den Finanzmärkten. Viele Anleger fürchten, der Krieg könnte sehr viel länger als von den USA erwartet dauern. Der Dax stürzt um 6,1 Prozent ab.

21. Januar 2008

Angst vor einer Rezession in den USA drückt den Dax um sieben Prozent auf 6.790 Punkte ins Minus.

15. September 2008

Die Pleite von Lehman drückt den Dax um moderate 2,7 Prozent.

06. Oktober 2008

Für den Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate muss binnen einer Woche ein zweites Rettungspaket geschnürt werden. Der Dax verliert sieben Prozent.

08. Oktober 2008

Im Sog der Finanzkrise stürzt der Nikkei -Index um über neun Prozent ab. Der Dax verliert bis zu neun Prozent. Nach einer konzertierten Zinssenkungsrunde der großen Notenbanken erholen sich die Kurse nur leicht. Der Dax schließt mit einem Minus von sechs Prozent.

10. Oktober 2008

Rezessionsängste angesichts der Finanzkrise drücken den Nikkei-Index um zehn Prozent. Der Dax verliert ebenfalls sieben Prozent.

24. Oktober 2008

Ein erneuter Absturz der Tokioter Börse drückt den Dax in der Spitze um über elf Prozent.

01. Dezember 2008

Konjunktursorgen lassen den Dax um rund sechs Prozent fallen.

15. März 2011

Vier Tage nach der Erdbebenkatastrophe flüchten die Anleger weltweit aus den Aktienmärkten. Die Kernschmelzen in Fukushima erschüttern das Vertrauen zusätzlich: Der Nikkei-Index schließt 10,6 Prozent im Minus, der Dax verliert zeitweise 5,6 Prozent.

8. August 2011

Die USA verlieren am Wochenende bei der Ratingagentur Standard & Poor's ihre Bestnote als Kreditnehmer. Obwohl dies keine Überraschung ist, reagieren die Anleger mit Aktienverkäufen in großem Stil. Als an der Wall Street der Dow-Jones-Index 3,4 Prozent abstürzt, beschleunigt der Dax seine Talfahrt und verliert bis zu 5,2 Prozent auf 5921 Punkte.

5. September 2011

Die Furcht der Anleger vor einer weltweiten Rezession und einer Ausweitung der Schuldenkrise in der Euro-Zone drückt den Dax um 5,3 Prozent ins Minus.

1. November 2011

Der Dax verliert rund fünf Prozent. Auslöser ist die überraschende Ankündigung einer Volksabstimmung in Griechenland über ein Rettungspaket.

29. Juni 2015

Das Scheitern der Gespräche zur Lösung der Schuldenkrise in Griechenland und die überraschende Ansetzung einer Volksabstimmung über die Forderungen der Gläubiger drückt den Dax gleich im frühen Handel um 4,6 Prozent auf 10.964,24 Punkte.

Im September stehen wichtige Zentralbankentscheidungen an, das Bundesverfassungsgericht wird sich zum ESM äußern, Spanien könnte europäische Finanzhilfen beantragen, und für Griechenland geht es wieder einmal darum, ob weitere Rettungsgelder fließen oder nicht. "Selten lagen Chancen und Risiken so eng beisammen, wie es derzeit an den Kapitalmärkten der Fall ist", sagt Aktienstratege Matthias Thiel von MM Warburg. "Zwei Punkte dürften in den kommenden Wochen ausschlaggebend sein: Wie werden die Zentralbanken und insbesondere die EZB handeln, und wie entwickelt sich die Konjunktur im Verlauf der zweiten Jahreshälfte weiter?"

Für die kommenden Tagen erwarten die Strategen noch keine großen Sprünge. Die psychologisch wichtige Marke von 7000 Punkten hatte der Leitindex zwar vorübergehend überwunden, konnte sie aber nicht verteidigen. Die Experten der Landesbank Berlin halten es für wahrscheinlich, dass noch mehr Investoren Kasse machen. Immerhin hat der Dax allein seit Juli knapp 13 Prozent an Wert gewonnen. Auf Wochensicht hat der Leitindex nun anderthalb Prozent eingebüßt. Am Freitagmittag notierte er um 6930 Zähler.

Hoffnungsanker für viele Anleger bleiben die Notenbanken. Erster wichtiger Termin: das am Freitag beginnende traditionelle Treffen führender Zentralbanker in Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming. 2010 hatte Fed-Chef Ben Bernanke auf eben diesem Treffen das zweite Anleihen-Kaufprogramm angekündigt.

Auch die EZB-Sitzung am 6. September wird in den kommenden Tagen verstärkt in den Fokus rücken. Spekulationen, wie genau der Masterplan der Zentralbank wohl aussehen wird, dürften die Märkte in den kommenden Tagen in Bewegung halten. Im Gespräch sind unterstützende Käufe von Anleihen angeschlagener Länder. Eine andere Variante wäre die Festlegung auf bestimmte Zinsschwellen, oberhalb der die EZB interveniert.

Angesichts der Spekulationen um ein neues Anleihen-Kaufprogramm der Fed werden auch die US-Konjunkturdaten einer genauen Prüfung unterzogen. Im Fokus stehen unter anderem die Konsumausgaben am Donnerstag.

Analysten-Prognose für 2012 (Jahresendstand)

Baader Bank

Dax: 6.800; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,5%; Euro/Dollar: 1,30 $

Quelle: Handelsblatt-Kapitalmarkt-Umfrage vom 29.12.2011

Bank Julius Bär

Dax: 6.700; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,25%; Euro/Dollar: 1,46 $

Bank Sarasin

Dax: 6.800; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 3,0%; Euro/Dollar: 1,35 $

Bankhaus Lampe

Dax: 7.200; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,5%; Euro/Dollar: 1,38 $

Bayerische Landesbank

Dax: 6.600; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,4%; Euro/Dollar: 1,45 $

Berenberg Bank

Dax: 7.000; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 3,2%; Euro/Dollar: 1,40 $

Bethmann Bank

Dax: 6.200; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,25%; Euro/Dollar: 1,35 $

BHF-Bank

Dax: 6.350; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,4%; Euro/Dollar: 1,30 $

BNP Paribas

Dax: 6.400; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,4%; Euro/Dollar: 1,40 $

Citi

Dax: 7.000; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 1,5%; Euro/Dollar: 1,26 $

Commerzbank

Dax: 6.400; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,4%; Euro/Dollar: 1,25 $

DekaBank

Dax: 6.500; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,6%; Euro/Dollar: 1,40 $

Deutsche Bank

Dax: 6.600; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 3,0%; Euro/Dollar: 1,35 $

DZ Bank

Dax: 6.600; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,0%; Euro/Dollar: 1,40 $

Ellwanger & Geiger

Dax: 6.200; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,85%; Euro/Dollar: 1,23 $

Fürst Fugger Privatbank

Dax: 6.250; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,65%; Euro/Dollar: 1,22 $

Haspa

Dax: 6.250; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 3,0%; Euro/Dollar: 1,30 $

Hauck & Aufhäuser

Dax: 6.300; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,7%; Euro/Dollar: 1,35 $

Helaba

Dax: 7.000; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,8%; Euro/Dollar: 1,45 $

HSBC Trinkaus

Dax: 5.700; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,6%; Euro/Dollar: 1,44 $

JP Morgan

Dax: 6.850; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,0%; Euro/Dollar: 1,38 $

LBBW

Dax: 7.500 (vorher: 6.500); Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,5%; Euro/Dollar: 1,30 $

M.M.WArburg & Co.

Dax: 6.000; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,5%; Euro/Dollar: 1,25 $

National Bank

Dax: 7.000; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,4%; Euro/Dollar: 1,30 $

Natixis

Dax: 6.500; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,2%; Euro/Dollar: 1,35 $

Nomura

Dax: 7.600; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: k.A.; Euro/Dollar: 1,25 $

NordLB

Dax: 6.100; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,7%; Euro/Dollar: 1,25 $

Postbank

Dax: 7.250; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,5%; Euro/Dollar: 1,25 $

Royal Bank of Scotland

Dax: 7.380; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 1,6%; Euro/Dollar: 1,37 $

Santander Cons. Bank

Dax: 6.500; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,8%; Euro/Dollar: 1,35 $

Société Générale

Dax: 5.500; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,1%; Euro/Dollar: 1,30 $

Syz & Co.

Dax: 6.500; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,5%; Euro/Dollar: 1,25 $

UBS

Dax: 6.300; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,4%; Euro/Dollar: 1,25 $

VP Bank

Dax: 6.600; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,35%; Euro/Dollar: 1,30 $

West LB

Dax: 6.600; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,7%; Euro/Dollar: 1,40 $

WGZ-Bank

Dax: 6.600; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,3%; Euro/Dollar: 1,30 $

Von Reuters befragte Analysten rechnen nach einer Stagnation im Vormonat nun mit einem leichten Plus im Juli. Der private Verbrauch gilt als die Hauptstütze der weltgrößten Volkswirtschaft. Am Freitag liefert dann noch der Stimmungsindikator der Einkaufsmanager aus dem Großraum Chicago Hinweise auf die Perspektiven für die US-Konjunktur.

Kommentare (11)

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pensionskonto

26.08.2012, 18:32 Uhr

Börsen haben doch schon lange nichts mit Realwirtschaft zu tun. Massive Liquidität und der Präsidentschaftszyklus sind aktuell bestimmend. Algo trader und die Korrelation zu Dow bestimmen das Bild. Der Rest verliert.

Robby675

26.08.2012, 18:41 Uhr

Sie werden nicht müde, den Kapitalmarkt mit solchen Gerüchten in Panik bringen zu wollen, in der Hoffnung, dabei ein gutes Geschäft zu machen. Da es immer die Gleichen sind, diesmal ohne Namensnennung. Vielleicht klappt es.

Account gelöscht!

26.08.2012, 18:43 Uhr

Nun ja, diese Aussage kommte ja vom UBS. War dies nicht die Bank, die diese Meldung verursachte?

"Aktienmarkt - UBS-Händler verspekuliert 1,5 Milliarden Euro"

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