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10.04.2012

09:25 Uhr

Chef-Ökonomen im Interview

„Höhere Inflation ist unvermeidlich“

VonAnke Rezmer, Andrea Cünnen, Georgios Kokologiannis

Die Chefvolkswirte von Deutscher Bank, Dekabank und Commerzbank sind überzeugt: Das billige Geld der Notenbanken wird zu Inflation führen. Im Interview erklären die Ökonomen, wie sich Anleger schützen können.

Thomas Mayer, Ulrich Kater und Jörg Kraemer auf der Couch: Die Top-Ökonomen sind überzeugt, dass die Geldflut an den Märkten zu steigenden Verbraucherpreisen führen wird. Bert Bostelmann/bildfolio für Handelsblatt

Thomas Mayer, Ulrich Kater und Jörg Kraemer auf der Couch: Die Top-Ökonomen sind überzeugt, dass die Geldflut an den Märkten zu steigenden Verbraucherpreisen führen wird.

Handelsblatt: Die Notenbanken pumpen Geld in die Märkte, und seit drei Jahren gibt es Warnungen vor Inflation. Sind Ängste berechtigt?

Jörg Krämer: Ja. Die bloße Tatsache, dass die Inflation abgesehen von den gestiegenen Energiepreisen weiter niedrig ist, heißt nicht, dass die Inflation nicht steigen wird. Anleger sollten nicht in eine Inflationsfalle tappen. Die Inflation ist nur deshalb noch nicht gestiegen, weil die im Euro-Raum hohe Arbeitslosigkeit die Lohnkosten in Schach hält. Aber wenn die Staatsschuldenkrise irgendwann ausgeschwitzt ist und die Arbeitslosigkeit nicht nur in Deutschland, sondern auch im Rest des Euro-Raums fällt, wird die Inflation anziehen.

Warum erwarten Sie Inflation, Herr Mayer, Herr Kater?

Thomas Mayer: Weil die Geldpolitik so außerordentlich inflationär ist.

Ulrich Kater: Genau. Und zudem ist sie überfordert. Es wird so getan, als könne sie gleichzeitig das Bankensystem und die Weltwirtschaft stabilisieren und die Inflation im Griff halten. Zurzeit ist das möglich, weil die Produktionskapazitäten wahrscheinlich noch unterausgelastet sind. Aber wenn sich das ändert, ist die Gefahr der Inflation groß.

Jörg Krämer ist Chefvolkswirt und Bereichsvorstand Research bei der Commerzbank. Bert Bostelmann/bildfolio für Handelsblatt

Jörg Krämer ist Chefvolkswirt und Bereichsvorstand Research bei der Commerzbank.

Aber die EZB kann doch dann die Zinsen anheben und Banken weniger Kredit geben.

Krämer: Technisch wäre es in der Tat kein Problem für die EZB, das Geld wieder einzusammeln. Aber sie ist in der Staatsschuldenkrise nahe an die Politik herangerückt. Ihr wird es nach einem Ende der Staatsschuldenkrise schwerfallen, dem Wunsch der hochverschuldeten Staaten nach mehr Inflation entschlossen entgegenzutreten. Im Durchschnitt der kommenden zehn Jahre wird sie die Inflation wohl nicht wie versprochen auf knapp zwei Prozent begrenzen können.

Kater: Das sehe ich auch so. Zinsanhebungen werden schwer durchzusetzen sein, denn Staaten werden ein Interesse daran haben, die Inflation zu erhöhen.

Wann dürfte die Inflation anziehen?

Kater: Etwa in zwei Jahren - wenn die Wirtschaftserholung weitergeht.

Und mit welcher Inflationsrate rechnen Sie?

Krämer: Drei bis vier Prozent Inflation im Euro-Raum sind realistisch - wobei die Inflationsrate in Deutschland höher sein dürfte als in den Südländern.

Mayer: Genau. Das Problem ist, dass der Norden der Euro-Zone preislich relativ zum Süden um mindestens 20 Prozent unterbewertet ist. Da der nominale Wechselkurs aber als Anpassungsmechanismus ausfällt, bleibt nur die Anpassung über relative Veränderungen des Preisniveaus. Wenn man die Preisanpassung über fünf Jahre streckt, bedeutet das vier Prozentpunkte Inflationsunterschied.

Das heißt?

Mayer: Wenn also der Süden zwei Prozent Preissteigerung hätte, was weniger wäre als in der Vergangenheit, müssten die Preise im Norden um sechs Prozent steigen. Im Schnitt kämen dann für die gesamte Euro-Zone drei bis vier Prozent Inflation heraus.

Krämer: Das ist ja schon jetzt erkennbar. In Deutschlands Städten steigen die Immobilienpreise kräftig, und die Lohnabschlüsse fallen wegen der deutlich gesunkenen Arbeitslosigkeit höher aus.

Mayer: Hinzu kommt, dass sich auch die globalen strukturellen Inflationsfaktoren drehen. Schließlich beginnen auch in den Schwellenländern, die Löhne zu steigen, und die Güternachfrage in diesen Ländern wächst.

Treiben Rohstoffe die Inflation?

Krämer: Die jahrelange Politik des billigen Geldes hat die Zinsen für qualitativ hochwertige Anleihen gesenkt und Anleger teilweise in Rohstoffe getrieben. Rohöl und andere Rohstoffe wären ohne die Niedrigzinspolitik nicht so teuer. Zuletzt hat der Konflikt um das iranische Atomprogramm den Ölpreis weiter verteuert.

Kommentare (59)

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OnkelSam

10.04.2012, 09:52 Uhr

Komm, lass uns einen neuen Hype auflegen, die Dummen sind in Deutschland noch längst nicht ausgestorben. The stupit German zweiter Versuch. So oder ähnlich könnte man das Bild der drei Männer auf dem Foto untertiteln. Man muss sich fragen, wie verantwortungslos eigentlich sogenannte Topöknomen sind, die so flapsig daherschwadronieren, weil sie offenbar glauben, damit das Geschäft des Casinos neu aufzuheizen. Da wird, wie immer, mit Ängsten den Leuten das Geld aus der Tasche gelockt, mit abstrusen Renditeversprechen. Nach dem Motto: Wenn, dann! Kaffeesatzleserei vom Feinsten ist das zur weiteren Umverteilung von unten nach oben. Einfach ekelhaft.

Zitteraal

10.04.2012, 09:56 Uhr

Erzählen Sie das der Regierung IM Erika und den Rentnern... und Arbeitern also dem Proleatriat und machen Sie denen verständlich, dass "lediglich" die Sparquote erhöht werden muss.
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Alles lacht und keiner will Sie als glaubwürdig erkennen wollen... denn: ihr Beitrag ist theoretisch zwar durchaus richtig, aber: kaum bis wenig praktikabel wenn dem Volk das Geld schneller aus der Tasche fliesst für Energiepreiserhöhungen, Lebensmittelpreissteigerungen und natürlich auch der Rest nicht billiger wird sondern im Gegenteil die Kaufkraft nachhaltig schwindet. Die Regierung IM Erika, hat den Nachhaltigkeitsfaktor aus der gesetzlichen Rente gestrichen und statt dessen eine "Mickey-Mouse-Garantie" eingebaut und als beinahe tollen Erfolg verkauft... ergo: Volksverarschung.
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Den jungen Berufsstartern hat man die Berufsunfähigkeitsrente geklaut und dafür die Beiträge erhöht. GLeichzeitig geben wir Rettungsbürgschaften in Milliardenhöhe in den Betrügerstaat Griechenland, die sich den EU-Eintritt auf nicht legitimen Weg erschlichen haben. Die Schleckermitarbeiter bekommen einen Fußtritt und die Griechen lachen sie nachhaltig aus... (zumindest diejenigen, die partizipieren konnten).
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VOLKSVERARSCHUNG
2.
DANKE FRAU MERKEL und HERR JOE A. !!!
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Warum hat die Deutsche Regierung nicht eine einzige Bank den Jordan runter geschickt? Achso Verzeihung ich wusste nicht dass die ABfall- & Schrottbank "HRE" systemrelavant ist mit Ihrem angesammelten Schrott den der Deutsche Steuerzahler für harten EURO aufkaufte... und dazu die Beinahe-PLeitebank Commerzbank (CoBa)...
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Wir brauchen eine neue Volkspartei bevor man Deutschland weiter "aushöhlt"!
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

danzka

10.04.2012, 10:12 Uhr

Die Welt 2025: Das Ende der Globalisierung

http://bit.ly/Hp2kWI

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