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15.11.2012

12:26 Uhr

Chefstratege im Interview

„Inflation trifft Vermögende hart“

VonJörg Hackhausen

Unser Geld basiert allein auf Vertrauen. Doch was passiert, wenn das Vertrauen schwindet? Christophe Bernard, Chefstratege von Vontobel, sieht dafür Anzeichen. Er erklärt, wie die Reichen ihr Geld in Sicherheit bringen.

Christophe Bernard: Der Franzose ist Chef-Anlagestratege der Zürcher Privatbank Vontobel.

Christophe Bernard: Der Franzose ist Chef-Anlagestratege der Zürcher Privatbank Vontobel.

Herr Bernard, wer garantiert, dass das Geld in Zukunft noch etwas wert sein wird?

Niemand. Unser Geld basiert allein auf Vertrauen. Es ist für uns selbstverständlich, dass wir damit zum Bäcker gehen können, und es gegen ein Brot eintauschen können. An sich ist eine Banknote gar nichts wert – im Gegensatz zu Silber- oder Goldmünzen, die einen Materialwert aufweisen.

Papiergeld, das sich aus dem Nichts schaffen lässt, ist eine sehr neue Erfindung ist. Kann das auf Dauer funktionieren?

Wir wissen es noch nicht. Die Zukunft wird es zeigen.

Früher waren die Währungen mit Gold unterlegt, einem Edelmetall, das sich nicht beliebig vermehren lässt. Dahinter steckte ein echter Wert, und es konnte auch niemand so viel Geld drucken, wie er wollte.

Es ist richtig, die Entkoppelung der Währungen von Gold ist relativ neu, es gibt sie erst seit 40 Jahren. Gold ist dagegen schon um 560 vor Christus unter König Krösus von Lydien als Zahlungsmittel eingeführt worden – und hat seine Kaufkraft seitdem einigermaßen behalten. In Babylon konnten sie ungefähr 350 Brotlaibe für eine Feinunze kaufen. Das ist heute immer noch in etwa so.

Brauchen wir einen neuen Goldstandard?

Die Koppelung an Gold wäre aus heutiger Sicht unvernünftig. Eben weil die Menge an Gold, die gefördert werden kann, begrenzt ist. Wenn davon die Geldmenge abhinge, würde man das Wachstum künstlich bremsen. Großbritannien hatte während des Ersten Weltkrieges die Goldpreisbindung praktisch aufgeben. Als man nach dem Krieg versuchte, das Pfund wieder an Gold zu binden, gab es eine massive Deflation. Die Folge des sturen Festhaltens an Gold waren zwei Millionen Arbeitslose. Auf diese Zeit bezieht sich der bekannte Ausspruch von Keynes, Gold sei ein 'barbarisches Relikt'.

Damit eine Papierwährung stabil ist, müssen Politik und Notenbank sehr diszipliniert vorgehen. Kann das überhaupt funktionieren?

Immerhin hat die deutsche Bundesbank gezeigt, dass es funktionieren kann. Hätte die Deutsche Mark einen festen Bezug zu Gold gehabt, hätte Deutschland diese Wirtschaftsleistung höchstwahrscheinlich nicht erbringen können. Eigentlich ist Papiergeld die beste Lösung, um Wachstum und Inflation zu steuern. Dazu muss die Notenbank allerdings unabhängig sein. Ich gebe zu: Die Bundesbank war und ist da eher die Ausnahme.

Die Regel war in den vergangenen Jahren, dass Notenbanken die Märkte mit schier unendlich viel billigem Geld beglückt haben. Finden Sie das richtig?

Wenn die Notenbanken seit 2008 nicht massiv gegengesteuert hätten, hätten wir eine Depression, mit unkalkulierbaren Risiken. Es war bis dato richtig, diese Maßnahmen zu treffen. Aber ich bin gespannt, wie man einerseits die Schuldenberge abtragen und andererseits die massiv ausgeweiteten Bilanzen der Zentralbanken zurückfahren will.

Kommentare (44)

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15.11.2012, 12:49 Uhr

Wir werden für dei armen Reichen sammeln gehen müssen.

Dafür, daß sie ohne zu arbeiten auch weiterhin von einem sich stetig vermehrenden Reichtum leben können.

Auf Kosten derer, die arbeiten!

Account gelöscht!

15.11.2012, 12:51 Uhr

Und auch das ist noch immer die halbe Wahrheit...."trifft hart" ist wohl etwas mager formuliert. Wieso sagt niemand dass man fast alles verlieren wird? und nicht nur der Vermögende wird Federn lassen sondern auch jene die fast nichts mehr haben....

Aber wie sagte Frau Merkel?
"Die Vermögen der Spaerinnen und Sparer sind sicher..."
Spätestens als dieser Satz dieser verlogenen Propaganda-Maschine kam, hätte jedem die Alarmsirene angehen müssen....das ist bald 2 Jahre her und viele haben es nicht geschnallt auf was wir zusteuern und wie krass wir verdummbeutelt werden.

Die Show geht erst noch los, bislang ist noch nichts passiert...keine Sorge ;)

Account gelöscht!

15.11.2012, 13:02 Uhr

Ja, die Inflation trifft die Vermögenden hart, die weniger Vermögenden noch härter und knüppelhart die, die sich die Mieten nicht mehr leisten können.

Wollen wir das? Statt Schuldenschnitt und kontrollierte Kapitalumverteilung wird eine unkontrollierte Inflation bevorzugt? Mit allen negativen Folgen für die gesamte Bevölkerung und die Wirtschaft?!

Es gibt alternativen die ohne diese Schrecken funktionieren und von der 99% profitieren und nur 1% nicht. Als Beispiel wäre hier Plan-B der Wissensmanufaktur zu nennen, aber es gibt noch andere Alternativen.

Ein paar Wochen Zeit haben die Herren der Parasitenkaste noch. Falls es bis dahin nicht zu einer vernünftigen Lösung gekommen ist, werden wir - die Bevölkerung der Europäischen Union die Sache richten.

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