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06.01.2005

07:10 Uhr

Chemie-, Telekom- und Versicherungsaktien gelten als aussichtsreich

Aktienstrategen favorisieren defensive Branchen

VonChristian Schnell

Die europäischen Aktienstrategen haben sich festgelegt: Ihre Favoriten für das neue Jahr kommen mehrheitlich aus den Branchen Chemie, Telekom und Versicherungen. Weniger gut sieht es hingegen für den Automobil-, den Mediensektor und die Informationstechnologie aus.

HB FRANKFURT/M. Dabei war das Ergebnis der Umfrage unter einem Dutzend international agierender Banken dieses Mal nicht so eindeutig wie in den Jahren zuvor. Zu jeder der genannten Branchen gibt es auch Stimmen, die exakt das Gegenteil vorhersagen. Börsianer begrüßen indes diese Entwicklung. „Es ist am Kapitalmarkt sicherlich das Schlimmste, wenn alle die gleiche Meinung haben“, sagt Rolf Elgeti von ABN Amro.

Für eine bessere Entwicklung der Chemiewerte im Vergleich zum Gesamtmarkt sprechen bereits die jüngsten Konjunkturindikatoren des Ifo-Instituts. Danach steigt der Geschäftsklima-Index der Branche seit März ununterbrochen, während er insgesamt deutschlandweit gefallen ist. „Der Chemiesektor in Europa übertraf 2004 den Gesamtmarkt um knapp drei Prozent. 2005 könnte die Performance unseres Erachtens noch besser sein“, sagt Harald Gruber von der WestLB. Die Experten der Hypo-Vereinsbank loben zudem die gute Entwicklung bei den Verkaufspreisen, die geringe Währungsabhängigkeit sowie gute Dividendenrenditen, die im kommenden Jahr durchschnittlich drei Prozent betragen dürften.

Ähnlich positiv äußern sich viele Strategen zu Versicherungswerten. „Gerade die europäischen Versicherer sind deutlich überverkauft“, sagt Alfred Roelli von der Schweizer Privatbank Pictet. Ihre Aktien notieren nach Berechnungen von Carsten Klude vom Bankhaus M.M. Warburg derzeit um mindestens zehn Prozent unter ihrem fairen Wert. Hinzu kommt, dass die Perspektiven für das kommende Jahr als sehr gut eingestuft werden. „Für 2005 erwarten wir für die Lebensversicherer positive Impulse von den verschiedenen Rentenreformen in Europa“, heißt es bei der WestLB. Bei den Sachversicherungen sagen die Experten zumindest stabile Prämien voraus.

Wenig positive Stimmung für Autoaktien

Etwas anders sieht die Lage bei Telekom-Aktien aus. Die Analysten der Hypo-Vereinsbank haben die Branche gerade von „neutral“ auf „übergewichten“ hochgestuft. Begründung: „DerSektor hat zunehmend den Charakter eines Wachstumssektors verloren und ein defensiveres Verhalten mit stabilem Gewinnwachstum erlangt.“ Für das kommende Jahr rechnen sie mit einer durchschnittlichen Dividendenrendite von 3,8 Prozent. Diese liegt damit über der der zehnjährigen Bundesanleihe, die gestern bei 3,66 Prozent notierte. Gegenüber dem Mobilfunk und den Telekom-Ausrüstern herrscht jedoch Skepsis. „Wir glauben, dass wir im kommenden Jahr in diesen beiden Bereichen nur geringes oder gar kein Wachstum sehen werden“, schreiben die Experten von Morgan Stanley.

Weniger positiv gestimmt sind viele Analysten gegenüber Automobilwerten. Weil die Hersteller höhere Kosten auf Grund steigender Rohstoffpreise kaum an die Kunden weitergeben können, sollten Anleger nach Ansicht von Rolf Elgeti in diesem Jahr die Finger von diesen Aktien lassen. Die Experten der WestLB erwarten keine merkliche Steigerung der Zulassungszahlen und einen anhaltenden Preisdruck.

Nicht viel besser schätzen viele Experten die Lage bei den Medienwerten ein. „Das Wachstum im Jahr 2005 ist nicht mehr olympisch“, sagt Roland Ziegler von der ING-BHF Bank. Während im abgelaufenen Jahr wegen der extrem niedrigen Gewinnbasis ein dreistelliges Gewinnwachstum möglich war, dürfte sich dies 2005 stark abkühlen, zumal die Aktien als hoch bewertet gelten.

Zweigeteilt ist die Stimmung gegenüber dem Informationstechnik- Sektor. Während Pictet-Stratege Roelli bei den US-Werten zum „Übergewichten“ rät, ist er bei europäischen Werten zurückhaltender. „IT ist in Europa teuer und schlecht positioniert“, bringt er es auf den Punkt. Auch die Experten von Morgan Stanley raten zur Vorsicht. Sie begründen ihr Urteil damit, dass die Bewertungen bereits über dem Vergleichsindex MSCI Europe liegen. „Die Marktprognosen schätzen wir als zu optimistisch ein“, heißt es von dort. Beim Bankhaus Sal. Oppenheim hat man den Technologiesektor vor kurzem aus ähnlichen Gründen von „übergewichten“ auf „ein weiches Neutral“ heruntergestuft.

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