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02.01.2014

09:29 Uhr

China

Bullenrally oder Schuldenkollaps?

Investmentbanken von Goldman Sachs bis Morgan Stanley sind euphorisch: China will seine Volkswirtschaft öffnen. Doch nicht jeder glaubt an eine programmierte Aktienrally. Wo China Probleme bekommen könnte.

Chinesische Investoren wollen die Aktien auch steigen sehen. ap

Chinesische Investoren wollen die Aktien auch steigen sehen.

DüsseldorfChinas Vorstoß zur Öffnung seiner Volkswirtschaft hat von Goldman Sachs bis hin zu Morgan Stanley Lob geerntet. Auch die Jefferies Gruppe feierte die Ankündigungen Pekings und sagte im November eine „massive” mehrjährige Bullenrally am Aktienmarkt voraus.

Diese Begeisterung teilt John-Paul Smith nicht. Wenn sich der Aktienstratege der Deutsche Bank das Land anschaut, dann sieht er nach eigenen Angaben dieselben Anzeichen für eine finanzielle Kernschmelze, die ihn den Börsen-Crash in Russland von 1998 schon Monate früher vorhersagen ließen.

DWS-Prognose: Aktienmärkte

Aktienmärkte: Mehr Volatilität

Insgesamt dürfte es ein solides Jahr an den Finanzmärkten werden. Wir erwarten verhaltene Anstiege an den Kapitalmärkten, wenn auch nicht mehr so deutlich wie 2013. Allerdings rechnen wir mit einer höheren Volatilität.

Anhaltende Niedrigzinsen

Für den Kapitalanleger gilt angesichts des Niedrigzinsumfelds und der finanziellen Repression grundsätzlich: Er muss mehr ins Risiko gehen.

Unternehmensgewinne sind die Kurstreiber

Für die Aktienmärkte sehr optimistisch ist Henning Gebhardt, Head Europe, Middle East and Africa Equities. Er sagt: „In den vergangenen Jahren standen die Aktienmärkte unter dem Einfluss von Risikoaversion und Normalisierung. 2014 dürfte sich dies wandeln. Jetzt dürften die Gewinne der Unternehmen zum Haupttreiber werden. Dies sollte den Börsen in den kommenden zwölf Monaten weiteren Auftrieb geben.“

15 Prozent sind drin

Für die Fortsetzung des Kursanstiegs spreche auch, dass viele Investoren Aktien in ihren Depots immer noch untergewichtet haben. An den meisten Aktienmärkten sollten Renditen von bis zu fünfzehn Prozent erzielbar sein.

Europäische Aktien

An europäischen Aktien führt nach Ansicht der DWS-Experten kein Weg vorbei. Aktien in Europa seien historisch gesehen immer noch sehr günstig.

Solide: Zyklische Konsumgüter und Industrie

Investoren sollten zudem überlegen, auf konjunktursensitive Branchen zu setzen und Aktien aus den Bereichen zyklische Konsumgüter, Industrie und Finanzdienstleistungen über zu gewichten.

Wachstumsprofiteure: Small-Cap-Aktien

Small-Cap-Aktien dürften ebenfalls überdurchschnittlich von dem höheren Wirtschaftswachstum profitieren und sollten daher gegenüber Large-Cap-Papieren die Nase vorne haben. Anleger sollten Aktien zinssensitiver Unternehmen aus den Bereichen Versorger und Basiskonsum tendenziell untergewichten.

Chinas Wachstum wird Smith zufolge durch himmelhohe Kredite an die Unternehmen angeheizt. Dieses hochriskante Modell müsse durch Schritte hin zu einem freien Markt und Haushaltskürzungen ersetzt werden - so wie die Maßnahmen, die Russland nach dem Staatsbankrott und dem darauf folgenden Einbruch des Micex Index um 44 Prozent zu Wachstum verhalfen, sagt er.

„Es gibt die Möglichkeit einer Schuldenfalle bei den Industriefirmen, die bereits im kommenden Jahr eine die gesamte Volkswirtschaft erfassende Finanzkrise auslösen könnten”, sagte Smith. Am Tag davor hatte er in einer Studie wegen der Erwartung einer Wachstumsverlangsamung in China für 2014 einen Rückgang bei Schwellenmarkt-Aktien um zehn Prozent vorausgesagt. „Wenn ich bei China falsch liege, dann liege ich mit allem falsch.”

Smiths Prognose eines Kursverlusts von mindestens zehn Prozent für 2013 bei Aktien aus Schwellenländern hat sich bereits als vorausschauend erwiesen. Der MSCI Emerging-Markets Index gab um 5,9 Prozent nach und blieb damit weit hinter der 22-Prozent-Rally des MSCI-Pendants für Industrieländer zurück. Der Shanghai Composite Index, die Benchmark für die Aktien der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt, verlor 7,9 Prozent und läuft auf den dritten Jahresverlust in vier Jahren zu.

Kommentare (1)

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Politinteresse

02.01.2014, 11:03 Uhr

Ich habe das Gefühl es wird nicht verstanden, sondern immer mit Wissens-Versatzstücken aus der Vergangenheit gearbeitet.

Tatsächlich gab es in der Vergangenheit nach Marktöffnung durch die Vergrößerung der Möglichkeiten, den Zustrom an Teilnehmern usw. zu Neubewertungen, die höher ausfallen. Aber im chinesischen Fall wird dies nicht oder nur kaum eintreten. Im Sinne des Spekulationniveaus ist China sehr entwickelt, ich würde sogar sagen weiter als der Westen. Da ist kaum mehr Luft nach oben.

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