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07.01.2005

11:16 Uhr

China-Faktor heizt Energiepreise an

Investmentchancen bei Brennstoffen

VonUdo Rettberg

Sehr schmerzhaft wurde die Wirtschaft rund um den Globus in jüngster Zeit erneut daran erinnert, dass Energie einer der wichtigsten Produktionsfaktoren ist. So schlitterte die Weltwirtschaft in den vergangenen Jahren nicht zuletzt durch die exorbitant gestiegenen Energiepreisen in eine Krisensituation.

HB FRANKFURT/M. Zudem wurde in zahlreichen bedeutenden ökonomischen Regionen durch Stromausfälle ein enormer wirtschaftlicher Schaden angerichtet. Dass es dabei sogar in der Stromversorgung der USA – dem wohl fortschrittlichsten Industrieland der Welt – zu solchen „Blackouts“ kam, kann als Indiz dafür gewertet werden, dass die allgemeine Energie-Problematik weltweit über viele Jahre hinweg schlichtweg verkannt wurde.

Für den Kapitalanleger hat das Thema Energie zwei Seiten. Zum einen litten die Volkswirtschaften – und damit auch die Aktienbörsen – in den vergangenen Jahren unter den hohen Energiepreisen. Zum anderen erfreuten sich jene Anleger an hohen Öl-, Gas- und Kohlepreisen, die sich entweder bei Aktien von Produzenten solcher Primärenergieträger engagiert hatten oder aber an den Terminbörsen über Derivate (wie Futures, Optionen, Optionsscheine oder Zertifikate) die Spekulation auf steigende Energiepreise gewagt hatten.

Zwar ist es in jüngster Zeit mit dem Rückfall des Rohölpreises für die US-Richtmarke WTI von über 55 Dollar je Barrel bis auf 40 Dollar je Barrel zu einer merklichen Entspannung an den globalen Energiemärkten gekommen. Dennoch dürften Anleger mittel- und längerfristig weiterhin große Chancen an den Energiemärkten vorfinden. Selbst wenn der Ölpreis, wie viele Analysten vorhersagen, in den nächsten Jahren wieder deutlich unter die Marke von 40 Dollar je Barrel fallen sollte, läge er damit noch immer deutlich über dem Durchschnittspreis der vergangenen zehn Jahre.

An eine nachhaltige Entspannung an den Energiemärkten und eine Rückkehr des Ölpreises unter die Marke von 30 Dollar je Barrel glauben die meisten Analysten nicht. Die meisten Experten sind sich einig in der Auffassung, dass der jüngste Preisrutsch am Rohölmarkt der deutlich angespannten Weltwirtschaft nur vorübergehend etwas Luft verschafft. Im Durchschnitt werde der WTI-Preis im Jahresverlauf 2005 aber wohl auf einem Niveau von 40 bis 42 Dollar liegen.

Gründe für den Preisanstieg bei allen Rohstoffen identisch

Erst für die darauf folgenden Jahre wird mit einer Entspannung gerechnet, weil dann nach Meinung von Fachleuten neue Ölfelder erschlossen werden. Für das Jahr 2006 liegen die durchschnittlichen Prognosen der Fachleute in den Investmentabteilungen der Banken bei 35 bis 37 Dollar, im Jahr 2010 wird der Ölpreis ihrer Meinung nach dann auf 32 bis 34 Dollar sinken.

Nur einige wenige Banken wie Barclays (43 Dollar) rechnen für das Jahr 2010 mit einem Ölpreis von mehr als 40 Dollar pro Barrel. Einige Querdenker glauben indes, dass die angespannte geopolitische Lage dazu führen könnte, dass die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) wieder mehr Einfluss gewinnt und der Rohölpreis über die Marke von 50 Dollar klettern und dort verharren wird.

Allgemein wird davon gesprochen, dass neben Rohöl auch die Preise anderer Energieträger über dem langjährigen Durchschnitt liegen werden. Diese stehen aber oft weniger im Fokus der Wirtschaft und der Anleger am Energiemarkt. Den Grund zeigt eine Studie der Investmentbank UBS auf: Vom weltweiten Energieverbrauch entfallen demnach rund 38 Prozent auf den Energieträger Rohöl, während 26 Prozent auf Kohle, etwa 24 Prozent auf Erdgas und jeweils sechs Prozent auf Wasserkraft sowie Atomenergie entfallen.

Die Gründe für die steigenden Preise sind aber bei allen Rohstoffen die gleichen. Ein immer wieder zu hörendes Argument: Das Angebot der traditionellen und neuen Energieträger könne nicht so stark ausgeweitet werden, um mögliche Engpässe zu verhindern. Dazu kommt die Phantasie durch den politischen und wirtschaftlichen Aufschwung in China. Allein wegen der schieren Bevölkerungsgröße von mehr als 1,3 Mrd. Menschen dürfte die Volksrepublik zu einem immer stärkeren Nachfragefaktor an den internationalen Rohölmärkten werden. Auch für das bevölkerungsreiche Land Indien wird eine deutlich steigende Nachfrage prognostiziert.

Während die USA als größte Wirtschaftsmacht heute 25 Prozent des weltweit geförderten Rohöls verbraucht, liegt der Anteil Chinas bei einer ungleich größeren Bevölkerung bei lediglich etwa sieben Prozent. Beim Pro-Kopf-Verbrauch von Rohöl (siehe Tabelle) wird deutlich, dass die USA der bei weitem größte „Verschwender“ dieses Energieträgers sind, während China hier einen erheblichen Nachholbedarf aufweist.

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