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18.07.2012

06:48 Uhr

Christian Noyer im Interview

„Verbindung zwischen Banken und Staaten muss durchtrennt werden“

VonMarietta Kurm-Engels, Thomas Hanke

Der französische Notenbank-Chef Noyer drängt darauf, die Probleme des Euro bei der Wurzel zu packen: Nur eine Bankenunion könne die Geldpolitik wieder flott machen - und neue Anleihekäufe der EZB verhindern.

Christian Noyer, Chef der Banque de France: „Ein Europa, das auf Geld beruht, ist nicht genug“. Bloomberg

Christian Noyer, Chef der Banque de France: „Ein Europa, das auf Geld beruht, ist nicht genug“.

ParisHandelsblatt: Herr Noyer, ist der Euro so ernsthaft in Schwierigkeiten, dass die Währungsunion auseinanderbricht?
Das ist überhaupt nicht mein Eindruck. Was wir jetzt hören, ist der letzte verzweifelte Versuch einiger Feinde des Euros, die nie an die Gemeinschaftswährung geglaubt haben. Noch unmittelbar vor ihrer Einführung haben sie behauptet, sie werde nie starten. Andere haben gesagt, die Katastrophe komme sechs Monate später. Tatsache ist, wir hatten eine fantastische Zeit mit dem Euro: keine Inflation und mehr neue Arbeitsplätze als in den USA.

Diese Phase wurde von der Finanzkrise unterbrochen ...

... die ja in den USA ihren Ursprung nahm. Wir haben dann festgestellt, dass in der Euro-Zone vor allem bei der Umsetzung der Fiskalpolitik und der Strukturpolitik Fehler gemacht wurden. Aber die sind bereits behoben oder werden noch behoben. Ich bin mir absolut sicher, dass der Euro-Raum die Krise überstehen und gestärkt daraus hervorgehen wird.

Der Chef der französischen Notenbank

Oberster Bankenaufseher Frankreichs

Bankchef Christian Noyer (61) ist seit Ende 2003 Gouverneur der Banque de France und damit sowohl Mitglied des EZB-Rats als auch oberster französischer Bankenaufseher.

Karriere bei der EZB

Im Oktober 2009 ist Noyers Amtszeit bis 2015 verlängert worden. Er war von 1998 bis 2002 Vizepräsident der EZB. Die Banque de France wurde 1800 von Napoleon gegründet. Sie ist eine der ältesten Notenbanken in Europa.

Leidenschaftlicher Segler

Dass Noyer auch bei bewegter See ruhig Blut behält, hat er im Laufe der Finanzkrise vielfach bewiesen. Sein Hobby mag dazu beitragen: Noyer ist leidenschaftlicher Segler. Im Süden der Bretagne hat er ein Segelboot liegen. Wann immer es seine knappe Zeit erlaubt, fährt er dorthin.

Das Thema des Tages ist die Schaffung einer europäischen Bankenaufsicht. Liegt hier ein Teil der ursprünglichen Probleme der Währungsunion?

Man hat während der Krise erkannt, dass die Aufsicht am besten nahe an oder in der Zentralbank angesiedelt ist oder von ihr unterstützt wird. Heute liegt die Aufsicht in 14 von 17 Euro-Ländern entweder in den Händen der Zentralbank oder in deren Nähe.

Aber was hat das mit Geldpolitik zu tun?

Wir haben ein klares Problem der Übertragung der Geldpolitik auf die Finanzierungskosten der Banken. Für die Märkte hängt der Zinssatz, den einzelne Banken zahlen müssen, von den Kreditkosten ihres Staates ab und nicht von den Sätzen, die die Zentralbank festsetzt. Das heißt, dass die Übertragung unserer Geldpolitik nicht funktioniert - für eine Zentralbank ist das nicht akzeptabel. Wir haben deshalb versucht, dem entgegenzuwirken.

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Was haben Sie dagegen unternommen?

Zuerst haben wir versucht, durch das Ankaufsprogramm für Wertpapiere die Stimmung am Markt zu drehen. Wir haben auch die Beträge drastisch erhöht, die das Eurosystem den Banken zur Verfügung stellt. Aber wir können uns nicht unbegrenzt auf ein System verlassen, in dem die Zentralbank das Bankensystem massiv mit Liquidität versorgt und auf der anderen Seite ihrer Bilanz massiv Liquidität erhält. Auf Dauer kann sie diese Mittlerrolle nicht spielen.

Kommentare (48)

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Account gelöscht!

18.07.2012, 07:05 Uhr

Eine Bankenunion kann den finalen Zusammenbruch des Schnellballprinzips unseres fiat money Systems nicht aufhalten sondern lediglich das Überleben einige Monate verlängern. Je länger wir den Crash nach hinten schieben, je mehr Billionen noch vorher in das System gepumpt werden, desto schmerzhafter und nachhaltiger wird der Zusammenbruch ausfallen. Aber daß sich die politische Elite dieser Welt mit allen Mitteln gegen den finalen Zusammenbruch wehrt, ist logisch, denn sie würden ihn wohl kaum überleben.

Ludwig500

18.07.2012, 07:06 Uhr

Man kann es sich nicht so einfach machen, die Aussagen von Herrn Noyer als dumm oder schlecht informiert zu interpretieren. Der Mann weiss wie Märkte funktionieren, was die Märkte wollen.

Er ist einfach nur Mitglied der grossen Geldallianz. Deshalb reitet er munter weiter auf dem toten Pferd, dass sich nur noch bewegt weil ihm ständig Stromstösse in Form von Rettungsmilliarden verpasst werden.

Unfassbar, was für gewissenlose Bankster auf die Schlüsselpositionen gesetzt wurden.

HansWurst

18.07.2012, 07:17 Uhr

Man kann noyer nicht als hochverraeter abtun. Wacker kaempft er fuer die interessen frankreich und den zugang der fpiigs zum deutschen einlagen sicherungsfonds, um sozialistische wohltaten seines premiers zu lasten der deutschen weiter finanzieren zu koennen.
Man wuenschte sich unsere deutschen volksverraeter wuerden so fuer unsere interessen kaempfen.

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