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10.06.2015

14:29 Uhr

Crash oder nur eine Korrektur?

Der Psycho-Dax

VonJessica Schwarzer

Die Nervosität ist greifbar, die Zweifel der Börsianer wachsen. Endet die Rally, kommt der Crash? Die Spannung ist groß. Und aus Unsicherheit kann schnell Angst oder gar Panik werden. Wie Experten die Lage einschätzen.

Auch unter großem Druck die Ruhe behalten? Kann das Anlegern angesichts des „Psycho-Dax“ gelingern?

Szene aus dem Thriller „Psycho“

Auch unter großem Druck die Ruhe behalten? Kann das Anlegern angesichts des „Psycho-Dax“ gelingern?

FrankfurtEin paar Punkte runter, ein paar Punkte hoch – der Dax pendelte am Vormittag lange Zeit um 11.000 Punkte. Schon am Vortag war die psychologisch wichtige Marke gefallen, das erste Mal seit Mitte Februar. Bis auf 10.864 Punkte stürzte der Dax am Dienstagmittag ab, erholte sich dann aber wieder und schloss bei 11.001 Punkten. Mittlerweile notiert er sogar wieder bei knapp 11.100 Punkten. Trotzdem bleibt die bange Frage: War es das? Oder fällt der Dax bis auf 10.000 Punkte zurück oder vielleicht sogar darunter? Erleben wir gerade „nur“ eine Korrektur oder ist das der Anfang vom Ende, der große Crash?

Diese und andere Sorgen treiben Börsianer um. Die Nervosität ist denkbar hoch. Auch wenn auf viele empfindliche Rücksetzer in den vergangenen Wochen stets eine kleine Erholung folgte, schwindet das Vertrauen in die Rally. Sorgen um steigende Zinsen, das griechische Schuldendrama und die Ukraine-Krise belasteten die internationalen Börsen.

Ist die Nervosität vielleicht zu groß? „Nein, denn die Gefahren sind größer als 2010 oder 2012“, ist Fondsmanager und Crash-Prophet Max Otte überzeugt. „Die Ukraine birgt die Gefahr einer ganz großen Krise.“ Christoph Bruns ist weniger pessimistisch. „Der Dax war zuletzt reichlich zappelig“, sagt der Fondsmanager und Mitinhaber der Fondsgesellschaft Loys. „Mit Blick auf die Zukunft ist die Dax-Korrektur überzogen, denn an der Alternativlosigkeit der Aktien hat sich zuletzt nichts Wesentliches geändert.“ Dass die Schwankungen so heftig ausfallen, hat laut Bruns vor allem einen Grund: Die Dax-Aktien sind überwiegend in ausländischer Hand. „Der Dax wird international als Spekulationsobjekt geliebt, weil die Liquidität hoch ist“, sagt er.

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

Doch vor allem die aktuellen politischen Probleme und Krisen führen immer wieder zu Turbulenzen am Markt. Themen, die eigentlich kaum noch eine Rolle zu spielen schienen, werden plötzlich wieder sehr heiß gekocht. „So ist die Börse. Mal werden Dinge unter den Tisch gekehrt, mal überbetont“, sagt Otte. „Aber die Gefahren sind derzeit sehr real.“

Besonders das andauernde Verhandlungspoker um die griechischen Schulden macht Anleger mürbe. Am Mittwochabend geht das Ringen um eine Griechenland-Lösung in eine neue Runde: Kanzlerin Angela Merkel, der französische Staatschef François Hollande und der griechische Regierungschef Alexis Tsipras wollen versuchen, einen Kompromiss im Streit um die Forderungen der Gläubiger an Griechenland zu finden. Die Geldgeber fordern von der griechischen Regierung Reformen für weitere milliardenschwere Finanzhilfen. Gibt es nicht bald einen Kompromiss, droht die Staatspleite.

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Dass das Drama um Griechenland Anleger immer wieder aufs Neue verunsichert, verwundert Experten für Börsenpsychologie nicht. „Der Mensch denkt ja gerne in Bildern, in Repräsentativitätsheuristiken, was meistens ganz gut funktioniert“, sagt Dirk Schiereck, Professor an der Uni Darmstadt. „Aber in Situationen, in denen uns die Bilder ausgehen, weil es keine passenden historischen Erfahrungen gibt, reagieren wir dann häufig heftiger, als es rückblickend angemessen wäre. Das könnte auch gegenwärtig so sein.“

Kommentare (17)

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Account gelöscht!

10.06.2015, 15:05 Uhr

Wenn sich eine deutsche Grün-Sozialistische Kanzlerin Merkel im schwarzen Unionskleid hinstellt und verkündet, dass Deutschland in Zukunft keine Rolle mehr in der Weltwirtschaft spielen wird, weil diese Kanzlerin unter ihrer Grün-Sozialistischen und damit marktfeindlichen Ideologie aus Kohle, Gas und Oel aussteigen will und aus der Kernkraft schon kräftig aussteigt, dann würde ich als Anleger, der in deutsche Unternehmensaktien investiert auch sehr sehr vorsichtig.
Die Erneurbaren Energien inkl. der nicht vorhandenen Speicher sind und bleiben auch mit Speicher ein mangelhaftes Marktprodukt, dass nur durch staatliche Subventionsgesetztgebung = EEG/Energieeinsparverordnung aufrecht erhalten werden kann bis der komplett Zusammenbruch unserer Volkswirtschaft diesen Grün-Sozialistischen Energiewende/CO2 freien Schauspiel ein Ende Bereitet. Entweder der Bürger in Deutschland wacht endlich auf und jagt diese Grün-Sozialistischen Ideolgiefanatiker vom Hof oder der Bürger wird sich in einer neuen Mangel und Armut Diktatur wiederfinden. Danke!

Account gelöscht!

10.06.2015, 15:23 Uhr

Cool bleiben. Gaaanz coool. Wer zuckt ... verliert.

Herr Jordache Gehrli

10.06.2015, 15:52 Uhr

Das ganze erinnert mich an Zeiten des "Neuen Marktes".....da sind auch alle Kleinanleger in eine bereits "äußerst ambitioniert bewertete" Börse reingequatscht worden (so wie heute...).....anschließend kam das böse Erwachen!!!

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