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08.09.2013

14:03 Uhr

Crowdinvesting

Die Suche nach dem nächsten großen Wurf

VonRaphael Moritz

Beim Crowdinvesting beteiligen sich viele kleine Investoren mit geringen Geldbeträgen an Start-Ups. Sie hoffen darauf, das neue Facebook oder Amazon zu entdecken. Doch die Anlageform birgt Risiken.

Gemeinsam stark: Wenn viele Investoren zusammenlegen, ergibt sich schnell eine große Summe. Getty Images

Gemeinsam stark: Wenn viele Investoren zusammenlegen, ergibt sich schnell eine große Summe.

Hamburg/DüsseldorfDas Geld ist weg: Das Hotelbuchungsportal betandsleep wird abgewickelt. 161 Investoren haben damit ihre Beteiligungen von insgesamt 100.000 Euro verloren. Schon nach einem Jahr ist Schluss. Nach Angaben der Firmengründer ist es in den weiteren Finanzierungsrunden nicht gelungen, frisches Kapital einzusammeln. Das Startkapital für die Unternehmensgründung kam aus der „Crowd“.

Viele Privatinvestoren sind derzeit auf der Suche nach Alternativen zu zinsarmen Sparprodukten. Handelsblatt Online zeigt in einer wöchentlichen Serie „Wie werde ich Finanzprofi?“, wie Anleger ihr Finanzwissen erweitern, wie sie von gemeinschaftlichen Anlagemodellen profitieren und sich vor Bauernfängern schützen. Diesmal unter der Lupe: Crowdinvesting.

Crowd bedeutet übersetzt Masse oder Schwarm. Das System funktioniert so: Viele kleine Investoren, also die Crowd, beteiligen sich mit geringen Geldbeträgen an Start-Ups. Sich bei der Masse von Kleinanlegern Geld zu beschaffen, ist für die jungen Unternehmen einfacher und meist erfolgreicher als eine einzelne Großbank um einen Kredit zu bitten. Seit rund zwei Jahren existiert in Deutschland eine Crowdinvesting-Szene, dominiert von wenigen großen Anbietern.

Die drei größten Crowdinvesting-Plattformen

Seedmatch

Mit 20 Millionen Euro investiertem Kapital ist Seedmatch der Branchenführer (fast 70 Prozent Marktanteil). Die GmbH existiert seit 2011. Der Rekord liegt bei drei Millionen Euro eingesammeltem Kapital in 133 Stunden. Im Schnitt investiert jeder Investor auf der Plattform etwa 2000 Euro. Mindestens 250 Euro müssen investiert werden, maximal 10.000 Euro. Der Einsatz wird als partiarisches Nachrangdarlehen gewährt. Dabei gibt es verschiedene Zinsmodelle (Festzins sowie variable Bonuszinsen), über die Investoren unter anderem eine anteilige Beteiligung am Gewinn des Unternehmens erhalten. Wird die Firma verkauft, erhalten die Anleger ihren Anteil des Gewinns. Bei einer Anschlussfinanzierung verwässern unter Umständen die Anteile der Miteigentümer. Mehrheitsbeteiligungen sind ausgeschlossen.

Bekannte Firmen, die sich über Seedmatch finanziert haben sind zum Beispiel: Gini (Online Dokumentenablage), Tamponsforyou (Tamponverpackungen als Werbeträger), Sugarshape (BHs für größere Oberweiten) und Bringmeback (Internet-Fundbüro). Stand: Dezember 2014.

Innovestment

Weit hinter dem Branchenriesen liegt Innovestment mit 15 Prozent Marktanteil. Die Firma wurde 2011 gegründet und hat bisher 19 Projekte erfolgreich finanziert. Der Clou bei Innovestment: Die Höhe der Beteiligung wird mithilfe einer Auktion ermittelt.

Die Bilanzsumme der GmbH betrug im Jahr 2011 nur rund 13.500 Euro bei einem Jahresfehlbetrag von mehr als 22.000 Euro.

Companisto

Gemeinsam mit Seedmatch und Innovestment gehört Companisto (Marktanteil: 13 Prozent) zu den größten drei des Marktes. Sie vereinigen 93 Prozent des Finanzierungsvolumens auf sich.

Bei Companisto beträgt die Mindestinvestition nur 5 Euro. Wie auch bei den anderen Crowdinvesting-Plattformen wird die Investitionssumme als partiarisches Nachrangdarlehen gewährt. Anstatt Zinsen gibt es eine Beteiligung am Unternehmen.

Stand: September 2013

Crowdinvesting boomt, allein im zweiten Quartal dieses Jahres wurden in Deutschland auf diese Weise 3,4 Millionen Euro investiert. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich der Betrag damit fast verfünffacht. Bis jetzt konnten sich 74 junge Unternehmen finanzieren. Für 2013 rechnet das Branchenportal für-gründer.de insgesamt mit einem Volumen zwischen 13 und 15 Millionen Euro.

Schnelle Rendite gibt es beim Crowdinvesting nicht. Die Dauer der Beteiligung beträgt beim Branchenführer Seedmatch mindestens fünf Jahre. Vorher können Anleger nicht kündigen. Fährt das Start-Up dann Gewinne ein, gibt es das anfangs investierte Kapital zurück. Zusätzlich bekommt der Investor einen Anteil des aktuellen Unternehmenswertes - wie viel das ist, richtet sich nach der Höhe seiner Beteiligung am Unternehmen. Seedmatch gibt je nach Start-Up in der Regel eine Rendite von mindestens 100 Prozent an.

Kommentare (7)

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Sammy

08.09.2013, 15:58 Uhr

Hallo liebes Handelsblatt Team,

rein faktisch ist folgender Absatz doch inkorrekt:
"Die Aufseher würden erst dann aktiv, wenn die Plattformen den Start-Ups stille Beteiligungen von mehr als 100.000 Euro verschaffen würde. Dann müssten sie einen Wertpapierprospekt vorlegen, in dem sie die Anleger über die Risiken seiner Investition aufklären."
Seedmatch ermöglicht schon seit Monaten seinen StartUps mehr als 100k EUR einzusammeln, wir sind mit foodieSquare (www.tastybox.de) derzeit bei über 350k Anschlussfinanzierung...
Köstliche Grüße,
Sammy
Gründer foodieSquare

Account gelöscht!

08.09.2013, 17:37 Uhr

"Crowdinvesting" Welch überwältigende Neuigkeit.

Seit 1807 gibt es einen Vorläufer des Aktiengestzes im deutschsprachigen Raum. Damit ist alles gesagt.

Expat

08.09.2013, 23:39 Uhr

Mit german Angst wird das natürlich NIX mit dem Crouwdinvesting, davon muss man sich schon lösen. Etwas mehr Risikokapital, Eigeninitiative und Mut zum Risiko würde dem good old Germany ganz gut tun. Genug Staat ausgebracht, weniger ist mehr, Hilfe zur Selbsthilfe MUSS genügen.

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