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10.06.2015

11:47 Uhr

Crowdinvesting

Wenn die Crowd für Immobilien schwärmt

VonReiner Reichel, Katharina Schneider, Susanne Schier

Was Start-ups können, kann die Immobilienbranche schon lange: Geld von Kleinanlegern einsammeln. Spezielle Crowdinvesting-Plattformen bringen Projektentwickler und Anleger zusammen. Die Chancen und Risiken.

Das Objekt ist eines der erstes der im Mai gestarteten Crowdfunding-Plattform Mezzany. AK Immobilien Projektentwicklungs GmbH

Glockengießerei in Berlin Neukölln

Das Objekt ist eines der erstes der im Mai gestarteten Crowdfunding-Plattform Mezzany.

Düsseldorf/FrankfurtBeim Einsammeln von Anlegergeldern war die Immobilienbranche noch nie um große Sprüche verlegen. Doch bei Immobilienanleihen oder geschlossenen Fonds mussten Anleger bereits viel Lehrgeld zahlen – mehrere Emittenten gingen Pleite. Jetzt läuft eine neue Masche an: Crowdinvesting für Immobilien.

Ein Schwarm von Kleininvestoren soll nun großen Projekten auf die Sprünge helfen. Zahlreiche Internetplattformen sind bereits an den Start gegangen. Was schon bei der Finanzierung von Start-ups – etwa über Portale wie Kickstarter und Seedmatch funktioniert – soll nun auch verstärkt auf Immobilien übertragen werden. Je nach Anbieter können Anleger ab fünf Euro dabei sein. Ein verlockendes Angebot gerade für jene, die vom Immobilienboom profitieren möchten, sich aber kein eigenes Haus leisten können.

Doch Vorsicht ist angesagt: Denn der Praxistest, ob die finanzierten Projekte ein lohnendes Investment für Privatanleger werden oder ob sie mit großen Werbeversprechen nur in den nächsten Flop am Finanzmarkt gelockt werden, steht noch aus.

Crowdinvesting: Neue Spielregeln sollen Kleinanleger schützen

Crowdinvesting

Neue Spielregeln sollen Kleinanleger schützen

Mit dem Kleinanlegerschutzgesetz sollen Finanzprodukte des Grauen Kapitalmarkts transparenter werden. Die neuen Regeln treffen auch die Schwarmfinanzierung. Was es dem Anleger nützt und wogegen sich die Branche wehrt.

Die Plattformen werben mit Renditen zwischen 2,5 und acht Prozent, in manchen Fällen kann noch eine Erfolgsbeteiligung hinzukommen. In Zeiten, in denen Nullzinsen auf Sparkonten üblich sind, könnte das bei so manchem Anleger Interesse wecken. Zudem sichern die Anbieter zu, jedes Projekt genauestens zu prüfen und jeden Schritt transparent zu machen. Während bei anderen Crowdfinanzierungen der Schwarm den größten Teil des Geldes gibt, heben die Immobilien-Plattformen hervor, dass die Crowd hier meist nur einen kleinen Anteil am Gesamtprojekt übernimmt – neben den Banken und den Projektentwicklern. Des Weiteren, so viele Anbieter, sei das Risiko für die Crowd relativ gering, weil sie meist erst in einem relativ späten Stadium in der Projektentwicklung einsteige. Auch die Eintragung des Darlehens im Grundbuch führen manche Anbieter als Vorteil an.

Doch Anleger sollten sich über den Wert von Grundbucheinträgen keine Illusionen machen. Unterschreiten die tatsächlichen Immobilienwerte die im Grundbuch eingetragenen Werte, ist im Insolvenzfall trotz Grundbuchabsicherung mindestens ein Teil des Anlegergeldes futsch. Letztendlich ist der Zweck der Schwarmfinanzierung, Geld aufzutreiben, das fehlendes Eigenkapital ersetzt. Denn die Banken bieten keine 100-Prozent-Finanzierungen. Warum sich die Projektentwickler nicht einfach auf einen großen Kapitalgeber konzentrieren, sondern die Crowd bemühen, liegt häufig daran, dass Kleinanleger weniger Rendite fordern als professionelle Investoren.

Aktuelle Crowdinvesting-Projekte im Bereich Immobilien

Bergfürst

Mindestbeteiligung: 250 Euro
Verzinsung: 3,5 Prozent*
Maximalbetrag: 1.100.000 Euro
Platzierungsstand: voll platziert
Laufzeit: Dezember 2019
Investition in: Wohn-/Geschäftshaus
Stadt: Hamburg
Anteilsform: Genussscheine

*plus Bonuszins bei Wertsteigerung

Kapitalfreunde

Mindestbeteiligung: 250 Euro
Verzinsung: 7,5 Prozent
Maximalbetrag: 250.000 Euro
Platzierungsstand: zurückgezahlt**
Laufzeit: k.A.
Investition in: Wohnungsprojekt
Stadt: Starnberg
Anteilsform: Nachrangdarlehen

** platziert 120.000 Euro

Raumrendite

Mindestbeteiligung: 100 Euro
Verzinsung: 2,5 Prozent***
Maximalbetrag: k. A.
Platzierungsstand: eingestellt
Laufzeit: März 2024
Investition in: Wohnung
Stadt: Berlin
Anteilsform: Eigentümergrundschuld ****

*** plus Gewinnbeteiligung

**** erstrangige Besicherung, fremde Geldgeber werden nachrangig bedient

Home Rocket

Mindestbeteiligung: 250 Euro
Verzinsung: 8,0 Prozent
Maximalbetrag: 1.500.000 Euro
Platzierungsstand: 15.300 Euro
Laufzeit: Mai 2018
Investition in: Wohn-/Gewerbeprojekt
Stadt: Graz
Anteilsform: Nachrangdarlehen

Home Rocket 2

Mindestbeteiligung: 250 Euro
Verzinsung: 5,0 Prozent
Maximalbetrag: 750.000 Euro
Platzierungsstand: 17.600 Euro
Laufzeit: November 2016
Investition in: Wohnungsprojekt
Stadt: Wien
Anteilsform: Nachrangdarlehen

Mezzany

Mindestbeteiligung: 1000 Euro
Verzinsung: 4,5 Prozent***
Maximalbetrag: 3.000.000 Euro
Platzierungsstand: 682.000 Euro
Laufzeit: November 2017
Investition in: Wohnungsprojekt
Stadt: Berlin
Anteilsform: Schuldverschreibung

*** plus Gewinnbeteiligung

Zinsland

Mindestbeteiligung: 500 Euro
Verzinsung: 6,5 Prozent
Maximalbetrag: 750.000 Euro
Platzierungsstand: 627.000 Euro*****
Laufzeit: November 2017
Investition in: Wohnungsprojekt
Stadt: Hilden
Anteilsform: Nachrangdarlehen

*****Funding abgeschlossen

Companisto

Mindestbeteiligung: 5 Euro
Verzinsung: 4,0 Prozent***
Maximalbetrag: 7.500.000 Euro
Platzierungsstand: Voll platziert
Laufzeit: Dezember 2019
Investition in: Hotelprojekt
Stadt: Schleswig-Holstein
Anteilsform: Nachrangdarlehen

***plus Gewinnbeteiligung

Exporo

Mindestbeteiligung: 500 Euro
Verzinsung: 6,0 Prozent
Maximalbetrag: 850.000 Euro
Platzierungsstand: 23.500 Euro
Laufzeit: Juni 2017
Investition in: Appartementhaus
Stadt: Zingst an der Ostsee
Anteilsform: Nachrangdarlehen

Fundernation

Mindestbeteiligung: 100 Euro
Verzinsung: 5,0 Prozent
Maximalbetrag: 1.000.000 Euro
Platzierungsstand: 62.000 Euro
Laufzeit: August 2017
Investition in: Wohnungsprojekt
Stadt: Schliersee
Anteilsform: Partiarische Nachrangdarlehen

Stand der Angaben

Stand: 09. Juni 2015

Und dank einer Ausnahmeregelung muss auch nach Inkrafttreten des Kleinanlegerschutzgesetzes nicht einmal ein Prospekt erstellt werden – sofern die Plattformen für ein Projekt nicht mehr als 2,5 Millionen Euro von der Crowd einsammeln und der einzelne Anleger jeweils nur 1000 Euro oder bei größerem Vermögen 10.000 Euro investieren kann. Peter Mattil, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht, sieht das kritisch: „Ein Prospekt allein ist kein Gütekriterium, aber wenn etwas schiefgeht, findet man darin Ansätze, um zu klagen.“

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