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09.06.2017

15:52 Uhr

DAB Contest

Hochzins-Anleihen werden immer unattraktiver

VonVon André Schmidt-Carré

Nach den erheblichen Kurssteigerungen sind auch die Renditen von Hochzins-Bonds den Weg von Staats- und Unternehmensanleihen gegangen: ab in den Keller. Vermögensverwalter beobachten die Papiere deshalb mit Argusaugen.

DüsseldorfDie exzessiv laxe Geldpolitik von EZB-Chef Mario Draghi hat schon zu so manchem Kuriosum geführt. Nun hat es auch High-Yield-Bonds erwischt: Die Rendite von europäischen Hochzinsanleihen liegt derzeit nur noch bei historisch niedrigen 2,6 Prozent, und damit deutlich unter der Dividendenrendite, die gemessen am Stoxx 50 derzeit bei fast vier Prozent liegt. Selten waren Anleihen so unattraktiv wie heute, auch die niedrigen Ausfallraten von unter zwei Prozent sind da nur ein schwacher Trost: „Nach Inflation ist die erwartete Rendite glatt negativ, und das für hochriskante High Yields, die man noch vor einigen Jahrzehnten treffender ‚Junk Bonds‘ nannte“, sagt Jörg Wiechmann von der Vermögensverwaltung TOP Invest aus Itzhoe. „Es gibt derzeit deutlich mehr Gründe gegen ein Investment in High-Yield-Bonds als dafür.“

Im vergangenen Jahr zählten Hochzinsanleihen noch zu den Gewinnern und profitierten von der Rotation der Anleihe-Investoren in immer riskantere Bonds. Mit dem andauernden Zinstief schichteten Anleger von Staatsanleihen zunächst in erstklassige Unternehmensanleihen um, arbeiteten sich dann auf der Rating-Klaviatur immer weiter nach unten. „Das herdenmäßige Investieren in High-Yield-Bonds hat dazu geführt, dass mittlerweile auch dort die Renditen abgegrast sind“, sagt Vermögensverwalter Wiechmann.

Top Invest nimmt am Depot-Contest des Onlinebrokers DAB BNP Paribas teil, über den das Handelsblatt regelmäßig berichtet. Im Musterportfolio hält Wiechmann seit Jahresbeginn einen Euro-High-Yield-ETF, der immerhin noch etwas Schwung mitgenommen hat und derzeit mit knapp drei Prozent im Plus liegt. Abzüglich Default-Rate rechnet Wiechmann fürs laufende Jahr mit einer Rendite von 1,5 Prozent. „Soweit die prognosefreie Mathematik ohne Berücksichtigung von Marktänderungen, die einen wesentlichen Einfluss auf die tatsächliche Rendite haben“, sagt Wiechmann.

Die expansive Geldpolitik des EZB-Chefs schickt die Renditen von europäischen Hochzinsanleihen in den Keller. Sie erreichten ihr historisches Tief in Höhe von 2,6 Prozent. Reuters

Mario Draghi

Die expansive Geldpolitik des EZB-Chefs schickt die Renditen von europäischen Hochzinsanleihen in den Keller. Sie erreichten ihr historisches Tief in Höhe von 2,6 Prozent.

Eben diese möglichen Veränderungen am Markt beobachtet der Vermögensverwalter derzeit skeptisch. Vor allem aus zwei Gründen: Zum einen ist die Zinssensitivität von Hochzinsanleihen derzeit ungewöhnlich hoch. Eigentlich ist eine verglichen mit anderen Anleihe-Klassen niedrige Abhängigkeit der Kurse von der Zinsentwicklung ein Vorteil der Hochzinsbonds. „Aufgrund der niedrigen Rendite ist die Zinssensitivität der Papiere derzeit aber historisch hoch. Allgemein steigende Zinsen würden also auch bei High-Yield-Bonds zu Kursverlusten führen“, sagt Wiechmann.

Zweitens beobachtet der Vermögensverwalter bei Investoren seit der Trump-Wahl über alle Anlageklassen hinweg eine gestiegene Risikobereitschaft. Sollte die nachlassen, würden die Prämien für das Kreditrisiko wieder steigen und die Kurse von High-Yield-Bonds entsprechend fallen. „Mittlerweile übersteigen die Risiken die Chancen im gesamten High-Yield-Segment unseres Erachtens deutlich“, sagt Wiechmann. Der Hochzins-Fonds steht deshalb auf der Verkaufsliste. „Da wir unsere Depots im Vermögensverwalter-Contest jedoch üblicherweise für das gesamte Kalenderjahr aufstellen und unterjährige Veränderungen nur in Ausnahmefällen vornehmen, wird der Fonds vermutlich noch bis Jahresende im Depot bleiben“, sagt Wiechmann. „Von Neu-Engagements würden wir allerdings abraten.“

Die schlechtesten Anlagen 2016

Sparbuch

Seit Jahren lässt sich mit dem Sparbuch nichts mehr verdienen. So war es auch 2016. Wer Anfang des Jahres 100.000 Euro anlegt hat einen Gewinn von gerade mal 50 Euro – entsprechend von 0,05 Prozent gemacht. Immerhin verloren Anleger aber zumindest nominal – also ohne Berücksichtigung der Inflation – auch nichts.

Alle Angaben ohne Transaktionskosten. Stand 30.12.2016

Mexikanischer Peso

Dem mexikanischen Peso – dem zweitgrößten Verlierer der Hauptwährungen zum Euro – machte der Wahlsieg von Donald Trump zum US-Präsidenten zu schaffen. Kein Wunder, die USA sind Mexikos wichtigster Handelspartner, doch Trump will den Handel massiv besteuern und die Grenzen zu Mexiko dichter machen- auch wenn zuletzt vom dem im Wahlkampf propagierten Mauerbau nichts mehr zu hören war. Wer zu Jahresbeginn 100.000 Euro in mexikanischen Peso anlegt, verfügte Ende des Jahres jetzt nur noch über 89.510 Euro.

Britisches Pfund

Das knappe Votum der Briten für einen Austritt aus der Europäischen Union schockte am 24. Juni Europa die ganze westliche Welt. Der britische Aktienmarkt erholte sich – wie auch andere europäische Börsen – von dem Schock zwar recht schnell und legte zweistellig zu. Doch das britische Pfund selbst steht weiter unter massivem Druck. Zum Euro hat es in diesem Jahr gut 13 Prozent verloren und damit so viel wie keine andere Hauptwährung. Aus 100.000 in Pfund investierten Euro wurden so nur noch 86.980 Euro.

Aktien China

Der Entwicklung der chinesischen Wirtschaft verunsichert Anleger weltweit seit anderthalb Jahren. Das spiegelt sich auch der Börse wider. Der Leitindex CSI 300, der die 300 größten Aktien Festlandchinas erfasst, verlor über elf Prozent. Da gleichzeitig der Yuan zum Euro weiter abwertete, bleiben Anlegern die 100.000 Euro in den Index investiert haben, nur 85.450Euro übrig.

Aktien Ägypten

In Ägypten gab die Zentralbank den Wechselkurs im November frei, das ägyptische Pfund stürzte ab. Der ägyptische Leitindex EGX 30 gewann zwar über 70 Prozent - Euro Anleger hatten aber am Jahresende von 100.000 investierten Euro nur noch 79.570 Euro übrig.

Aktien Ghana

Der Aktienindex der ebenfalls sehr kleinen Börse in Ghana, verlor ebenfalls stark. Von 100.000 Euro bleiben nur 77.840 Euro übrig. Die agrarisch strukturierte Wirtschaft des als Musterdemokratie auf dem Kontinent geltenden Landes, schrumpft. Das Land ist stark vom Export von Rohstoffen wie Gold, Öl, Kakao und Edelhölzern abhängig. Dabei steigen zwar im vergangenen Jahr viele Rohstoffpreise, doch der Kakaopreis brach um fast ein Drittel ein.

Aktien Nigeria

Deutsche Anleger, die 2016 an der kleinen nigerianischen Börse 100.000 Euro investierten, hatten Ende des Jahres nur noch 61.390 Euro auf dem Konto. Das lag vor allem daran, dass die Währung Naira im Sommer einbrach, nachdem die Zentralbank die Anbindung der heimischen Währung an den Dollar aufgab.

Wer die Expertise und Risikobereitschaft mitbringt, um in einzelne High-Yield-Bonds zu investieren, kann derzeit immerhin noch Renditen oberhalb eines Inflationsausgleichs erzielen. Der Vermögensverwalter Mademann & Kollegen aus Düsseldorf hält in seinem Musterdepot mehrere Hochzins-Firmenanleihen, darunter von der Reederei Hapag Lloyd. Der Vermögensverwalter rechnet mit einer Rendite von 3,75 Prozent für die erwartete Restlaufzeit von neun Monaten. Die Anleihe des österreichischen Baukonzerns Porr bringt rund fünf Prozent Zinsen pro Jahr und verbucht in diesem Jahr bislang ein Kursplus von rund vier Prozent. „Wir wären sehr zufrieden, wenn sich die Anleihe auf dem aktuellen Niveau hält“, sagt Mademann-Vermögensverwalter Robert Bauer. „Selbst ein Rückgang des Börsenkurses würde durch den hohen Zins überkompensiert.“

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