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06.08.2012

14:34 Uhr

Das Orakel wird vorsichtig

Warren Buffett hortet Bargeld

Der bekannte Milliardär traut den Börsen derzeit nicht allzu viel. Seine Firma hortet so viel Bargeld wie schon lange nicht mehr. Aktien dagegen hat Buffett zuletzt verkauft. Eine Branche stand dabei besonders im Fokus.

Warren Buffett verkauft Konsum-Aktien. Reuters

Warren Buffett verkauft Konsum-Aktien.

New YorkDie Investmentholding Berkshire Hathaway Inc. des legendären Milliardärs Warren Buffett hat im zweiten Quartal die höchsten Barbestände seit einem Jahr offen gelegt. Buffett trennte sich überdies vermehrt von Konsumaktien.

Diese Aktien hat Buffett im Depot

Aktien im Depot

Berkshire Hathaway, die Holding von Warren Buffett, ist verpflichtet das so genannte Formular 13F zu getätigten Investments bei der US-Börsenaufsicht einzureichen.
Die Mitteilung soll immer innerhalb von 45 Tagen nach Quartalsende erfolgen und alle in den USA gehandelten Aktien, Optionen und Wandelanleihen enthalten.
Nicht ersichtlich wird aus den Aufstellungen, in welche Papiere außerhalb der USA investiert wurde oder wie groß die Barreserven sind. Ebenfalls nicht aufgeführt in der Tabelle sind Optionen, Warrants und Anleihen.

Stand: 30.06.2014, Quelle: Pflichtmitteilung (13F) an US-Börsenaufsicht, Bloomberg

Wells Fargo

Marktwert: 24,3 Milliarden Dollar

Coca Cola

Marktwert: 16,9 Milliarden Dollar

American Express

Marktwert: 14,4 Milliarden Dollar

International Business Mach

Marktwert: 12,7 Milliarden Dollar

Wal Mart

Marktwert: 4,4 Milliarden Dollar

Procter & Gamble

Marktwert: 4,2 Milliarden Dollar

Exxon Mobil

Marktwert: 4,1 Milliarden Dollar

US Bancorp

Marktwert: 3,5 Milliarden Dollar

Moody's

Marktwert: 2,2 Milliarden Dollar

Der Barbestand von Berkshire stieg nach den Angaben einer Mitteilung an die Regulierungsbehörden mit Datum vom 3. August im zweiten Quartal um 7,5 Prozent auf 40,7 Mrd. Dollar, wie die Holding aus Omaha im Bundesstaat Nebraska jetzt mitteilte. Unter dem Strich trat Berkshire als Verkäufer von Aktien auf und trennte sich von Konsum- und Einzelhandelswerten, während in der Finanzbranche sowie bei “Handels-, Industrie- und anderen Branchen” aufgestockt worden sei. Bestimmte Einzelaktien wurden von Berkshire aber nicht ausdrücklich genannt.

“Warum sollte man Aktien behalten, die ihren Zweck erfüllt haben und gestiegen sind?”, fragte Tom Russo, Partner bei Gardner Russo & Gardner. In einem Telefongespräch mit Bloomberg News. Einige Konsumaktien seien “auf verschiedene Art angeschlagen”, sagte er.

Wer ist Warren Buffett?

Die Grundlagen

Warren Buffett, geboren am 30. August 1930 in Omaha, Nebraska, war seit frühester Kindheit von Zahlen fasziniert. Sein Vater besaß ein Lebensmittelgeschäft und war Aktienhändler. Mit acht Jahren las er Bücher über die Börse, mit elf arbeitete er in einem Brokerhaus.

Der Förderer

Buffett verschlang das Buch von Professor Benjamin Graham „Intelligent Investieren“ und ging zu ihm an die Columbia Business School. Graham gefiel der junge Mann auch und er lud ihn ein, mit in seinem Unternehmen zu arbeiten. Als sich Graham 1956 zur Ruhe setzte, ging Buffett mit dem verdienten Geld sowie geliehenem zurück nach Omaha und gründete mit 25 Jahren eine Investment-Beteiligungsgesellschaft.

Buffett Partnership , LTD

Die Gesellschaft hatte sieben Teilhaber, die zusammen gut 100.000 Dollar einzahlten. Sie bekamen jährlich sechs Prozent ihrer Anlagesumme und 75 Prozent des Gewinns. Die übrigen 25 Prozent gingen an Buffett.

Der Aufstieg

Obwohl der Dow Jones in fünf der nächsten 13 Jahre fiel, vermehrte er das Geld um knapp 30 Prozent jährlich. Kein Wunder, dass immer mehr bei ihm investieren wollten. 1962 begann er außerdem, Aktien von Not leidenden Firmen zu kaufen. So auch die einer Textilfirma namens Berkshire Hathaway.

Berkshires Umwandlung

Nachdem sich die Buffett Partnership aufgelöst hatte und alle Gesellschafter ausgezahlt worden waren, übernahm Buffett Berkshire Hathaway mit seinem Anteil von 25 Millionen Dollar. Damit begann eine Erfolgsgeschichte, die inzwischen 40 Jahre währt und legendär geworden ist. Berkshire wurde von der Textilfirma zur Beteiligungsgesellschaft.

Buffetts Bilanz

Buffetts wesentliches Ziel war lange Jahre, den Buchwert von Berkshire Hathaway um jährlich 15 Prozent zu steigern. Doch das übertraf er bei weitem. Innerhalb von 40 Jahren steigerte sich das Eigenkapital zudem von 22 Millionen Dollar auf 69 Milliarden Dollar, der Buchwert pro Aktie von 19 auf knapp 60.000 Dollar. Dabei unterliegt Berkshire Hathaway der Einkommen- wie auch der Kapitelertragsteuer.

Das Prinzip

Buffett mag es, „Gewissheiten mit Abschlag“ zu kaufen, wie er es formuliert. Ihm liegt also viel daran, dass die Vorhersehbarkeit der Entwicklung eines Unternehmens vorhanden ist. Und Buffett kauft nur dort, wo er das Geschäftsmodell vollkommen versteht. Das nennt er „Kompetenzradius“. Ihm liegt viel an geringen Schulden, hoher Kapitalrendite und einer guten Führungsmannschaft.

Das Dilemma

Buffett hat sehr oft ein Problem: Die Aktien, die er kaufen will, werden nur selten mit Preisabschlägen gehandelt. Zumindest in den Branchen, wo sein „Kompetenzradius“ liegt. So viel Glück wie bei Amex hat man eben nur selten.

American Express

Das erste und wichtigste Investment war American Express (Amex). 1962 fiel die Aktie der Kreditkartenfirma nach einem Skandal über Nacht von 65 auf 33 Dollar. Buffett hielt Amex grundsätzlich aber für stark und handelte zielstrebig. Er nahm 13 Millionen Dollar in die Hand – immerhin 40 Prozent des Gesamtvermögens seiner Gesellschaft. Der Börsenkurs stieg und Buffett sackte allein in den ersten beiden Jahren einen Profit von 20 Millionen Dollar ein.

Das Versicherungsgeschäft

Im März 1967 kauft Berkshire Hathaway für 8,6 Millionen Dollar Aktien von zwei Versicherern: National Indemnity Company und National Fire and Marine Insurance Company. Es war der Beginn einer phänomenalen Erfolgsstory in dieser Branche. Sie passte perfekt zu Buffetts Anlagestrategie. Es folgten weitere Zukäufe, unter anderem auch bei Rückversichern wie General Re. 

Washington Post

Buffetts Geschichte mit dem Medienkonzern ist in zweifacher Hinsicht eine besondere: Zum einen half er der Geschäftsführung in schwierigen Zeiten entscheidend weiter, zum anderen mehrte der spätere Erfolg sein Vermögen. Die Investition hat sich ungefähr verfünfzigfacht. Aber vor allem „zementierte“ die Post laut Finanzjournalisten Buffetts Ruf als „Meister-Investor“ in den 70er-Jahren.

Coca-Cola

Buffett liebte Coca-Cola seit Leben lang. Doch die ersten Aktien kaufte er erst 1988. Das Unternehmen passt perfekt zu Buffetts Vorliebe, große Kapitalmengen mit hoher Investitionsrendite einsetzen zu können. Die bekannteste Marke der Welt ist für Bufett auch das wertvollste Geschäftskonzept der Welt. Cherry Coke ist heute übrigens das offizielle Getränk der Hauptversammlungen von Berkshire Hathaway.

Gillette

Rasierklingen brauchen die Menschen auch in Krisenzeiten. Buffetts Interesse an Gillette erwachte in den 80er-Jahren. Damals galt das Unternehmen an der Wall Street als reifes, langsam, aber stetig wachsendes Unternehmen – also perfekt für eine Übernahme durch Berkshire Hathaway. Als Gillette 1991 einen Aktiensplit vornahm, bekam Berkshire Hathaway für seine Vorzugsaktien elf Prozent der Stammaktien. Der Wert der Investition stieg innerhalb von zwei Jahren von 600 Millionen auf 875 Millionen Dollar.

Fruit of the Loom

Fruit of the Loom gehört seit 2002 zu Berkshire Hathaway. Das Unternehmen stellt rund ein Drittel der Herren- und Jugendwäsche her, die in den USA verkauft wird. Buffett gab 835 Millionen Dollar für Fruit of the Loom aus.

Clayton Homes

Ebenfalls im Jahr 2002 entschied sich Buffett, Clayton Homes zu übernehmen. 1966 durch den Sohn eines Farmpächters gegründet, ist das Unternehmen heute der größte Fertighaushersteller der USA. Die Idee entstand übrigens auch, weil sich Buffett über die „fürchterlichen Verbraucherfinanzierungs-Praktiken“ aufregte.

Wells Fargo

Im Oktober 1990 hat Berkshire Hathaway für 289 Millionen Dollar Aktien an Wells Fargo erworben. Das war damals sehr mutig, denn viele „Bären“ an der Wall Street wetteten auf den Niedergang der kriselnden Bank aus San Francisco. Doch Wells Fargo überstand die kritische Phase und war 2003 die einzige US-Bank mit dem Top-Kreditrating AAA.

Der 81 Jahre alte Buffett hatte bereits zuvor von Schwierigkeiten mit den Konsumwerten in seinem Aktienportfolio im Umfang von 86,2 Mrd. Dollar gesprochen, in dem sich Titel von Johnson & Johnson, Procter & Gamble Co. und Kraft Foods Inc. befinden. Zugekauft wurden unter anderem Anteile an der US-Bank Wells Fargo & Co.

Buffett will nach eigenen Angaben einmal im Jahr eine gute Idee für Zukäufe nutzen und hatte im Mai erklärt, eine größere Übernahme im Volumen von 22 Mrd. Dollar sei nicht zu Stande gekommen. Seit der Übernahme des Motoren-Additiveherstellers Lubrizol Corp. für rund neun Mrd. Dollar im Jahre 2011 hatte Berkshire keine größere Übernahme mehr vollzogen.

Kommentare (22)

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Account gelöscht!

06.08.2012, 14:48 Uhr

Warren Buffett sollte Aktien von Thyssen-Krupp aufkaufen oder Salzgitter in Deutschland. Denn Hightec-Stahl ist demnächst wieder stark gefragt in Deutschland und der Welt. Die Aktien sind auf historischen Tiefst-Ständen.

gloecklrainer

06.08.2012, 14:55 Uhr

Benötigt Buffet all das Papiergeld zum tapezieren?

Bankster

06.08.2012, 15:19 Uhr

Da sollten doch alle aufhorchen denn während alle Inflation schreien, bereiten sich die Profis genau auf das Gegenteil vor. Wie soll denn auch Inflation entstehen wo die Vermögen der Haushalte und die Einkommen geschrumpft sind ? Laufen alle morgen zur Bank um sich noch mehr zu verschulden ?
Es ist zwar richtig dass die Zentralbanken massig Geld "drucken" aber es kommt leider nicht im Umlauf denn damit werden nur Zinsen bezahlt und Staatsschulden gerollt, siehe Japan wo seit Jahrzehnte die Zentralbank sich Inflation wünscht und durch noch mehr Gelddrucken immer das Gegenteil erreicht.

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