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13.03.2013

08:00 Uhr

Dax 8.000

Höchststand kommt vor dem Fall

VonJörg Hackhausen

Der Dax hat die 8.000 Punkte geknackt – und plötzlich sind sich die Experten einig, dass Aktien „alternativlos“ sind. Wer jetzt noch einsteigt, ist spät dran. Die wahre Kunst wird darin bestehen, rechtzeitig auszusteigen.

Anzeigetafel in der Börse in Frankfurt: Erstmals seit Anfang 2008 kletterte der Dax wieder über die Marke von 8000 Punkten. dpa

Anzeigetafel in der Börse in Frankfurt: Erstmals seit Anfang 2008 kletterte der Dax wieder über die Marke von 8000 Punkten.

DüsseldorfJubel an der Börse: Bis der Dax sein Allzeithoch erklimmt, scheint es nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Über 8.000 Punkte hat es der Index schon geschafft, von da an fehlen nur noch gut 150 Punkte bis zum Rekord aus dem Sommer 2007.

Es gebe keine Alternative zu Aktien, sagen die Experten. Das billige Geld der Notenbanken treibe die Kurse weiter an. Und tatsächlich, langsam aber sicher interessieren sich auch Laien für Aktien. Die Bild-Zeitung titelte am vergangenen Freitag auf ihrer Internetseite: „Börsen-Hype – Dax knackt 8.000-Punkte-Marke“. Verschiedene Anlegermagazine wie „Der Aktionär“ oder „Focus Money“ haben in den vergangenen Wochen zum Einstieg aufgerufen. „Zögerst du noch… oder kaufst du schon?“, lautete eine Schlagzeile.

Die Prognosen der Finanzprofis

George Soros, Investor

„Ich glaube, die größte Gefahr ist tatsächlich, möglicherweise, ein Währungskrieg.“ (25.01.2013)

Marc Faber, Investor

„Zum ersten Mal seit vier Jahren, seit dem Tief im März 2009, liebe ich den Markt wieder. Denn je höher es geht, desto wahrscheinlicher ist, dass es zu einem schönen Crash kommt, einem gewaltigen Crash.“ (31.1.2013)

Bill Gross, Fondsmanager

„Die EZB ist in diesem Tagen die härteste der Zentralbanken. Aber angesichts einer europäischen Arbeitslosigkeit von 12 bis 13 Prozent - verglichen mit 7,7 Prozent in den USA  - müssen sie etwas tun. Letztendlich müssten sie ihre Währung in Relation zum Dollar und anderen Währungen schwächen, damit sie wettbewerbsfähiger werden.” (08.03.2013)

Felix Zulauf, Vermögensverwalter

„Ich sehe nichts von einer Normalisierung. Die strukturellen Probleme sind nach wie vor da, sie sind nur kaschiert worden und hat sie für eine gewisse Zeit in einem Meer von neugeschöpfter Liquidität ertränkt.“ (21.02.2013)

Jim Rogers, Rohstoffguru und Fondsmanager

„Amerika ist die größte Schuldnernation in der Geschichte der Welt.“ (24.02.2012)

Steen Jakobsen, Chefvolkswirt bei der Saxo Bank

„Ich persönlich hatte sehr negative Erwartungen insbesondere bezüglich der Realwirtschaft und den Aktienmärkten. Bei der Wirtschaft lag ich richtig, bei den Aktienmärkten nicht. Aber sollten Aktienmärkte nicht eigentlich der Realwirtschaft folgen?“ (28.2.2013)

Warren Buffett, Investor

Sicherlich, die nähere Zukunft ist unklar. Amerika blickt dem Unbekannten aber seit 1776 ins Auge. (01.03.2012)

Nouriel Roubini, Ökonom

„Die Risiken werden vom Markt derzeit zu niedrig eingeschätzt. Sie werden im ersten Halbjahr wohl eingedämmt bleiben, aber sie könnten wieder an die Oberfläche kommen.” (04.03.2013)

Stan Druckenmiller, Hedge-Fonds-Manager

„Die Party kann noch für eine Weile so weitergehen. Ich weiß nicht, wann sie enden wird, aber ich schätze, dass sie sehr schlimm enden wird.“ (5.3.2013)

Jim O’Neill, Chairman Goldman Sachs Asset Management

„Ich erwarte keine anhaltende Aufwärtsbewegung von dem derzeitigen Niveau, ohne dass es weitere Hinweise darauf gibt, dass die Wirtschaft in einem irrwitzig starken Tempo wächst.“ (18.03.2013)

Barry Knapp, Barclays

„Der große Treiber ist die Fed. Eine Wachstumskorrektur am Ende des ersten oder zu Beginn des zweiten Quartals ist wahrscheinlich. Unser Problem sind die Auswirkungen der fiskalischen Kontraktion, stagnierendes Wachstum und Investoren, die zu enthusiatisch sind in Bezug auf den Häusermarkt.“

Dan Veru, Investment-Chef Palisade Capital Management

„Ich denke es gibt viele Investoren die darauf warten, in den Markt einzusteigen.“

Mohamed El-Erian, Co-CIO bei Pimco

„Europa hat zwei Stangen Dynamit angezündet. Die erste betrifft die Inhaber kleiner Konten. Müssen auch sie Zwangsabgaben leisten, drohen soziale und politische Unruhen und ein Austritt aus der Eurozone. Die Folgen der anderen Dynamitstange sind weit komplizierter und ungewisser. Es ist eine Frage der Unverletzlichkeit von Bankguthaben in Europa. Und eine Erinnerung, dass Europa zu viele Ziele verfolgt und zu wenig Instrumente hat.“ (18.03.2013 zur Zwangsabgabe für zyprische Sparer)

Aktien sind eine feine Sache – wenn man sie zu einem guten Preis kauft. Das geht am besten, wenn sich nur Wenige dafür interessieren. Vorsicht ist jedoch angebracht, wenn plötzlich alle darüber reden. Irgendwann kommt der Punkt, an dem nur noch geredet wird, aber keiner mehr kauft. Noch ist es nicht soweit. Aber mit jedem Punkt, den Dax und Dow zulegen, wächst die Gefahr.

Die 8.000-Punkte-Marke hat erst mal nicht viel zu bedeuten, eine Punktzahl wie jede andere. Und doch regt sie manchen zum Nachdenken an – mit gemischten Gefühlen. „Der Dax-Stand von 8.000 Punkten ist in den Köpfen bislang als ‚oben‘ verankert. Alles darüber hat man noch nicht gesehen und es fällt schwer, sich das vorzustellen“, sagt Manfred Hübner von Sentix. Das Analysehaus befragt wöchentlich mehr als 4.000 institutionelle und private Investoren und liefert so ein Stimmungsbild von der Börse. „Die Anleger sind berauscht, doch sie beginnen auch, den Markt als zu teuer anzusehen“, sagt der Marktforscher.

Vier Jahre dauert die Rally schon an. Im Frühjahr 2009 stand der Dax bei 3.666 Punkten, heute bei 8.000 Punkten. Dazu muss man wissen, dass der Dax ein Performance-Index ist, bei dem ausgeschüttete Dividenden gleich wieder eingerechnet werden. Daher ist der Vergleich mit anderen Indizes wie dem Dow Jones, bei denen Dividenden nicht mit drin sind, etwas schief. Das ändert nichts daran, dass Anleger in den vergangenen Jahren gut verdienen konnten.

Die Rally an den Börsen ist bis hierhin kein Wunder, sie hat naheliegende Gründe. Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise haben die Notenbanken, allen voran die Fed, angefangen, Geld zu drucken. Sie haben eine beispiellose Kampagne gestartet. Die von den Zentralbanken insgesamt gehaltenen Aktiva haben sich in den letzten vier Jahren mehr als verdoppelt und erreichten Ende 2011 einen Wert von rund 18 Billionen Dollar. Noch nie zuvor haben Zentralbanken die Welt einer solchen Menge an Geld ausgesetzt. Sie haben die Banken mit billigem Geld vollgestopft, ein Teil davon ist an den Finanzmärkten versickert – unter anderem in Aktien.

Kommentare (34)

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salpeter

13.03.2013, 08:24 Uhr

Wieder einmal ist es MÄRZ. März 2000. März 2003. März 2009.

Account gelöscht!

13.03.2013, 08:31 Uhr

Dieses Jahr ist es aber anders, denn es liegt Schnee im März

Account gelöscht!

13.03.2013, 08:32 Uhr

..aber dieses Jahr ist es anders, es liegt Schnee im März.

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