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21.08.2015

15:33 Uhr

Dax-Analyse

Kommt nun der Crash?

Die Nervosität ist auf dem Parkett ist greifbar. Sorgen um China und die drohende Zinswende in den USA lasten auf den Kursen. Korrektur oder Crash?  Eine Analyse von Jessica Schwarzer, Chefkorrespondentin Börse.

Börsenkommentar

Keine Angst vor dem Börsen-Crash!

Börsenkommentar: Keine Angst vor dem Börsen-Crash!

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DüsseldorfZur Börseneröffnung am Freitag sah es fast so aus, als ob der Dax unter die psychologisch wichtige Marke von 10.000 Punkten fallen würde. Noch hält er sich aber wacker darüber. In den vergangenen Tagen war das deutsche Standardwertebarometer mehr oder weniger ungebremst abgerutscht. Am letzten Handelstag der Woche hält sich das Minus in Grenzen. Doch gebannt ist die Gefahr noch nicht.
Zu groß ist die Nervosität auf dem Parkett – auch ablesbar an den hohen Schwankungen der Indizes. Rund um den Globus geraten die Börsen in einen gefährlichen Abwärtstaumel. Der amerikanische Standardwerteindex Dow Jones ist an der Wall Street unter 17.000 Punkte gestürzt. Gründe für die Nervosität – von Panik zu sprechen wäre zu viel - gibt es viele. Der Wachstumsmotor China stottert mächtig. Aber würgt er auch die Weltkonjunktur ab? Die Zinswende in den USA steht unmittelbar bevor. Doch wie deutlich fällt sie aus? Und dann ist da immer noch Griechenland.
Börsianer reichten all diese Unsicherheiten, um die Reißleine zu ziehen. Mehr als fünf Prozent hat der Dax in dieser Woche verloren, fast zwölf Prozent sind es in einem Monat. Ein Crash ist das aber noch nicht. Auch nicht der Anfang davon. Wir erleben derzeit eine gesunde Korrektur – und die läuft im Grunde schon seit einigen Monaten. Mal etwas heftiger, mal etwas weniger heftig.

Die Deutschen und Aktien

Spekulationsobjekt

Eine aktuelle Studie der Direktbanken zeigt, dass Aktien von Privatanlegern weiterhin als extrem risikobehaftet wahrgenommen werden. Für 46 Prozent der Befragten ist die Aktie ein „rein spekulatives“ Anlageinstrument.

Quelle: „Aktion pro Aktie “

Geldanlage für Reiche

Eine Aktie ist für über die Hälfte der befragten Personen nur etwas für vermögende Investoren. 51 Prozent sind der Auffassung, dass eine Aktieninvestition nur für reiche Personen lukrativ ist.

Sicherheitsorientiert

Wenn sich deutsche Anleger für eine Investition in Aktien entscheiden, legen sie weiterhin den Fokus auf Sicherheit. 71 Prozent investieren konservativ und sicherheitsorientiert in Aktien.

Langfristige Wertsteigerung

Aktienkäufer in Deutschland lassen sich nicht von dem täglichen Auf-und Ab an den Märkten verführen. Sie hoffen auf eine langfristige Wertsteigerung. Die Studienergebnisse zeigen, dass 74 Prozent der Probanden höchstens zweimal im Jahr handeln.

Trotzdem kommt der Dax seit Jahresbeginn immer noch auf ein Kursplus von mehr als sechs Prozent. Und noch ist die Hausse, also die Phase steigender Kurs nicht beendet. Davon bin ich überzeugt. Wir machen nur eine Pause. Ruhe bewahren!
Natürlich gibt es im Moment jede Menge mehr oder weniger schlechte Nachrichtung und viele berechtigte Sorgen. Die Furcht vor einer ausgeprägten Wachstumsdelle in China und ihre Folgen für die Weltwirtschaft haben die Märkte fest im Griff. Verstärkt wurden die Sorgen am Freitag durch Daten zur Stimmung in der chinesischen Industrie, die im August auf den tiefsten Stand seit März 2009 fiel.
Die Zahlen müssen jedoch im Kontext von Chinas Strukturwandel gesehen werden, wie mein Kollege, unser China-Korrespondent Stephan Scheuer betont. Peking will seine Wirtschaft von der Schwerindustrie weg hin zu mehr Dienstleistungen steuern. Der Wandel deutet sich bereits an. Der Indikator für den Dienstleistungssektor lag nämlich zuletzt auf dem höchsten Wert seit elf Monaten. Chinas Industrie mag schrumpfen, aber der Dienstleistungssektor wächst. Allerdings geschieht der Wandel mit großen Verwerfungen.

Ungemach droht auch aus den USA. Dort läuft die Wirtschaft zwar wieder besser, doch auch das ist für Börsianer genau genommen keine so gute Nachricht. Denn gute Konjunkturdaten aus der weltgrößten Volkswirtschaft signalisieren, dass die Zinserhöhung in den USA näher rückt. Steigende Zinsen, vor allem aber stark steigende Zinsen, sind Gift für die Aktienmärkte. Moderate Anhebungen sollten die Märkte aber längst eingepreist haben.
Immer wieder heißt es auch, die Unternehmensgewinne seien nicht so stark gewachsen, dass sie solch hohe Aktienkurse rechtfertigen. Die Börse sei zu weit vorausgelaufen. Und nicht zuletzt Charttechniker führen an, der Dax habe die 200-Tage-Linie durchbrochen. Kein gutes Zeichen für Fans der Bänder, Kerzen und Linien. Ich gehöre allerdings nicht zum Lager der Charttechniker.
Den anderen Argumenten kann ich aber durchaus etwas abgewinnen. Ja, die Situation sieht nicht mehr ganz so rosig aus wie noch vor ein paar Monaten. Aber sie ist auch nicht so dramatisch, wie die abschmierenden Aktienkurse suggerieren. Die Märkte preisen derzeit das Schlimmste ein. Vor allem die Situation in China bereitet große Sorgen. Natürlich lauern Gefahren, aber dass die Weltwirtschaft deshalb gleich einbrechen wird wie zu Hochzeiten der Finanzkrise, glaube ich nicht.

Kommentare (20)

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Herr Erik Wikinger

21.08.2015, 15:47 Uhr

Ein Crash !?
Wie soll das gehen bei Plunge Protection Teams überall und Fiat-Money - aus dem Nichts erschaffenem "Geld" ???

Herr Tom Schmidt

21.08.2015, 15:57 Uhr

So ein Artikel ist für mich der schönste Krisenindikator. Fakten und Analytik werden durch so eine joviale Abschätzung ersetzt, dass das schon nicht so schlimm ist, und der nächste Rettungsanker (mal wieder die Dienstleistungen: das letzte Schlagwort ohne Bedeutung aus der VWL-Vorlesung, eigentlich hat sich das schon 2009 erledigt) wird rausgeholt. Ich erinnere mich noch zu gut an die These: Amerika hat keine Wirtschafts-, sondern nur eine Bankenkrise! Mit dem Rest hat das nichts zu tun.


Zitat: "Die Zahlen müssen jedoch im Kontext von Chinas Strukturwandel gesehen werden, wie mein Kollege, unser China-Korrespondent Stephan Scheuer betont. Peking will seine Wirtschaft von der Schwerindustrie weg hin zu mehr Dienstleistungen steuern." Das ist jetzt ne nächste Beruhigungspille oder Sau, die durchs Dorf getrieben wird. Für einen Korrespondenten ein Desaster. Bitte mal weg, von den "Parteistädten" gehen, und sehen wie das arme Landvolk lebt. Chinas Wirtschaft ist um eine Vielfaches höher verschuldet als die Devisenreserven. Einen Korerspondenten, der so etwas nur wiederholt und nicht beleuchtet? Ich sage Ihnen hier folgendes: die über 100 Mrd US-$, die China vor ein paar Tagen 2 Banken zur Verfügung gestellt hat, NATÜRLICH zur Steigerung und Stützung der chin. Wirtschaft.... Was erwartet man denn von so einem Regime (mit offener Informationspolitik)? Das sie offen sagen, dass sie die 2 Banken stützen mußten weil sie pleite waren? Vielleicht hat ein China-Korrespondent nicht die Möglichkeit frei im Land herumzufahren und wirklich frei zu recherchieren, aber wenn man dann nur noch zum Kolportierer des Regimes wird... Vor allem, wenn er selber direkt berichtet, muss er vielleicht diplomatisch bleiben, aber in einem solchen Zitat muss er nicht auftauchen. Da stellt sich wirklich die Frage der Qualifikation! Sorry!

Herr Tom Schmidt

21.08.2015, 16:03 Uhr

Noch was, die historische Betrachtung ist ja valide, aber dann sollte auch die historische Besonderheit (Zentralbankgeld bis zum geht nicht mehr bei 0-Zinsen) irgendwie berücksichtigt werden.

Alle Experten sagen seit seit 2009, dass die Zentralbanken nur Zeit gekauft haben. Wir haben jetzt halt 2015 und die Frage ist, wieviel Zeit haben sie denn nun gekauft? Welche Probleme sind inzwischen gelöst sind (oder haben sich verschlimmert)? Dementsprechend finde ich die historische Durchschnittsbetrachtung hier nicht angebracht!. Historisch muss man die Besonderheit von 2001, 2009 und dem aktuellen Stand betrachten.

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