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17.09.2015

06:07 Uhr

Dax-Anstieg bis auf 11.000 Punkte

Börsianer erwarten „goldenen Herbst“

VonJessica Schwarzer

„Sell in May and go away, but remember to come back in September“ lautet eine alte Börsenweisheit, die 2015 aufgehen dürfte. Nach dem Sommergewitter erwarten Experten steigende Kurse, wenn auch unter Turbulenzen.

Folgen auf das Sommergewitter an den Weltmärkten ein paar gute Börsenmonate?

Sell in May ...

Folgen auf das Sommergewitter an den Weltmärkten ein paar gute Börsenmonate?

DüsseldorfIn diesem Jahr wären Anleger recht gut gefahren, wenn sie getreu der alten Börsenweisheit im Mai die Reißleine gezogen hätten. Sie hätte nahe der Höchstkurse verkauft – immerhin hat der Dax Mitte April seinen Rekord von gut 12.400 Punkten markiert. Es folgte eine Korrektur in mehreren Wellen. Vor allem im August mussten Anleger heftig Kursrückschläge verkraften. Die Angst um Chinas Wachstum und die Folgen für die Weltkonjunktur sowie die nahende Zinswende in den USA ließen das Börsenparkett rund um den Globus beben. Bis auf 9300 Punkte fiel der Dax im Handelsverlauf am schwarzen Montag, dem 24. August.

Mittlerweile haben sich die Kurse etwas erholt, doch wie geht es weiter? Droht die nächste Korrekturwelle oder sind die aktuellen Preise Kaufkurse? „Trotz der Turbulenzen im August, die immer noch nachwirken, sind die aktuellen Perspektiven für Investoren nicht schlecht“, sagt Tilmann Galler, globaler Stratege bei JP Morgan Asset Management. „Wir sehen die aktuelle Entwicklung der Aktienmärkte als Korrektur und nicht als Trendwende.“

Mit seiner Einschätzung ist er nicht alleine. Viele Experten sehen derzeit Einstiegschancen und sind optimistisch gestimmt für die kommenden Wochen und Monate. „Dax-Kurse um 11.000 bis zum Jahresende sind für uns realistisch“, sagt beispielsweise Thomas Bucher, Aktienstratege bei der Deutschen Asset & Wealth Management. „Dem Sommergewitter könnte tatsächlich ein ‚Goldener Herbst‘ folgen.“ Auch für den Euro Stoxx 50 und S&P 500 sieht er auf Sicht von zwölf Monaten zweistelliges Renditepotenzial. Der alte Börsenweisheit „Sell in May and go away, but remember to come back in September“ könnte in diesem Jahr also durchaus die richtige Strategie sein.

Eigentlich hat der September einen ziemlich schlechten Ruf, deshalb lohnt sich getreu der alten Regel auch der Einstieg. Statistisch gesehen gehört er nämlich zu den schlechtesten Börsenmonaten. „In diesem Jahr hat der August das Erbe des Septembers angetreten“, sagt Christoph Bruns, Mitinhaber der Fondsgesellschaft Loys. „Insofern verbleibt den Bären in diesem Jahr im September nichts Wesentliches zu tun.“ Auch Fondsmanager Max Otte glaubt, dass der September und auch der Oktober nach der sehr starken Korrektur im August besser verlaufen könnten. „Die statistische Korrektur, die von Mai bis Oktober stattfindet, scheint sich schon ereignet zu haben“, sagt der Professor an der Hochschule Worms.

Verhalten und Präferenzen deutscher Aktionäre

Entwicklung der Zahl der direkten Aktionäre in Deutschland

2013: 4.855 Millionen

2012: 4.534 Millionen

2011: 3.891 Millionen

Quelle: Deutsche Post DHL/Deutsches Aktieninstitut

Anlageziele der Aktionäre

Welche Bedeutung haben Anlageziele bei Aktionären?

Für 81 Prozent hat der langfristige Vermögensaufbau eine hohe Bedeutung.

67 Prozent stellen den Schutz vor Inflation in den Vordergrund.

Bei der Frage, welche Bedeutung das regelmäßige Einkommen aus Dividenden und Verkauf haben, gaben 44 Prozent an, dass es für sie sehr wichtig sei.

Lediglich 12 Prozent setzen ihre Priorität auf kurzfristige Gewinne.

Anteil des in Aktien investierten Vermögens

Wie viel Prozent des Vermögens legen Investoren in Aktien an (Durchschnittswert)?

2013: 26,8 Prozent

2008: 25,2 Prozent

2004: 23,9 Prozent

Bedeutung von Dividende und Aktienrückkauf

Wie beurteilen Anleger die Ausschüttungen durch Aktienrückkäufe im Verhältnis zu Dividendenzahlungen?

Gleich: 37 Prozent

Eher schlechter: 34 Prozent

Eher besser: 20 Prozent

Viel schlechter: sechs Prozent

Viel besser: drei Prozent

Bedeutung von Dividende und Kurssteigerungen

Würde die Rendite sich aus Kurssteigerungen und Dividendenzahlungen zusammensetzen, dann würden...

... 43 Prozent eine mittlere Dividende und mittlere Kurssteigerung bevorzugen;

... 33 Prozent eine hohe Dividende und eine geringe Kurssteigerung wählen;

... 13 Prozent eine geringe Dividende und eine hohe Kurssteigerung sich aussuchen.

Orientierung an fundamentalen bzw. technischen Daten

Woran orientieren sich Anleger beim Ankauf oder Verkauf von Aktien?

Sowohl an der wirtschaftlichen Entwicklung als auch an der Kursentwicklung: 60 Prozent

Eher an der Kursentwicklung: 16 Prozent

Eher an der wirtschaftlichen Tätigkeit: 14 Prozent

Ich treffe meine Entscheidungen nicht selbst, vertraue jemand anderem. Acht Prozent

Vertrauenswürdigkeit von Informationsquellen für Privatanleger

Anteil der Anleger, die auf Zeitungen, Zeitschriften und Wirtschaftssendungen vertrauen.

2013: 69 Prozent

2008: 65 Prozent

2004: 65 Prozent

Anteil der Anleger, die Beratern der Bank, Sparkasse oder Broker Vertrauen schenken.

2013: 39 Prozent

2008: 49 Prozent

200446 Prozent

Ob nun statistisch bewiesen oder nicht, Matthias Hoppe hält grundsätzlich nichts von solchen Börsenweisheiten. „Im Moment gibt es zwar einige Faktoren, die dafür sorgen könnten, dass der September ein volatiler Monat wird, aber es ist eher Zufall, dass diese Faktoren auf den September fallen“, sagt der Fondsmanager für Multi-Asset Fonds bei Franklin Templeton. Noch immer seien mit der US-Zinserhöhung, schwachen Wirtschaftsdaten aus China und der Krise in Nahost zu viele Unsicherheitsfaktoren im Markt.

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